Wundheilung unterstützen durch Cannabis

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Die Haut ist mit 1,8 Quadratmetern Fläche unser größtes Organ und trägt eine mindestens genauso große Verantwortung. Sie schützt an oberster Stelle unseren Körper und stellt eine mechanische Barriere gegen Angriffe dar. Egal ob Keime, Schmutz, Chemie oder wetterbedingte Einflüsse wie UV-Licht, Wärme und Kälte – die Haut tut alles, um den menschlichen Körper zu beschützen. Dabei liegt es an uns, dieses Organ nicht unnötigen Gefahren auszusetzen und bestmöglich bei der Arbeit zu unterstützen. Kommt es dennoch zu Verletzungen, können wir einen großen Teil zur Regeneration beitragen. Dazu zählt unter anderem eine ideale Wundbehandlung. Unterstützend dazu erlaubt der Aufbau der Haut eine positive Wirkung auf die Wundheilung durch die in der Cannabispflanze enthaltenen Cannabinoide.

Aufbau unserer Haut

Die Haut besteht aus mehreren Schichten. Die äußerste Hautschicht wird Oberhaut oder auch Epidermis genannt und besteht selbst aus verschiedenen Zellschichten. Sie ist permanent den Umwelteinflüssen ausgesetzt, weshalb sie steten Erneuerungsprozessen unterliegt. In der darunterliegenden Hautschicht, Lederhaut oder auch Dermis genannt, sind unter anderem die Haarwurzeln sowie die Schweißdrüsen verankert. Dort verlaufen auch die Blutgefäße und die peripheren Nerven enden an dieser Stelle. Durch ihr dichtes Bindegewebe sorgt die Lederhaut für Elasthizität und Festigkeit der Haut. Das Unterhautfettgewebe bildet die letzte Schicht der Haut und besteht aus Fettzellen und lockerem Bindegewebe. Es fungiert als Wärme- und Nährstoffspeicher sowie als Polster für darunterliegende Strukturen. Zudem dämpft es Druck und Stöße durch Außen ab.

Phasen der Wundheilung

Ist die Haut verletzt, durchläuft diese ganz automatisch vier Phasen der Wundheilung. Denn nur gesunde Haut bietet einen ausreichenden Schutz für unseren Körper.

Die frische Wunde erzeugt eine Blutgerinnung, durch die sich Wundschorf bildet und als vorübergehender natürlicher Verband dient, damit die Wunde schnell verschlossen wird. Dieser Prozess wird als Hämostase bezeichnet. Danach folgt die Inflammation, innerhalb der eine erste Beseitigung von Bakterien und Fremdmaterial durch neutrophile Granulozyten stattfindet. Ein vorrübergehendes Gewebe bildet sich aus und ist die Grundlage für die dort neu entstehende Haut. Das neue Gewebe ersetzt in der dritten Phase der Wundheilung nach und nach den provisorischen Wundverschluss aus Wundschorf. Die Wundränder ziehen sich immer mehr zusammen. Die Reparationsphase ist der letzte Schritt der Wundheilung. Es entsteht ein endgültiges Narbengewebe. Dieses besitzt weder Talg- noch Schweißdrüsen und ist zunehmend belastbarer.

Wunden richtig behandeln

Wir können unsere Haut bei diesen Prozessen unterstützen. An den natürlichen Ablauf der Wundheilung angelehnt, gibt es auch bei der Wundbehandlung vier Schritte, die beachtet werden sollten. Um diese auch in der freien Natur selbst durchführen zu können, macht es Sinn, die Wander- und Kinderwagenapotheke für den Notfall auszustatten. Wichtige Bestandteile sind Vinylhandschuhe, eine Pinzette, Desinfektionsmittel und Pflaster.

Zuerst muss die entstandene Wunde gereinigt werden. Bei Verletzungen der Haut können automatisch Fremdkörper in die Wunde gelangen und diese verunreinigen. Bei einem Sturz sind Erde und feine Kiesel in der Wunde keine Seltenheit. Mit Hilfe einer Pinzette für groben Schmutz und physiologischer Kochsalzlösungen für feine Partikel, können die Verunreinigungen entfernt werden. Starke Wunden werden häufig schon ausreichend durch die erzeugte Blutung gereinigt. Die gereinigte Wunde wird nun desinfiziert, da Bakterien nicht so einfach entfernt werden können. Klassische Desinfektionsmittel beinhalten Wirkstoffe wie Octenidin oder Chlorhexidin. Um die frisch desinfizierte Wunde vor weiteren Umwelteinflüssen zu schützen, sollte sie schnellstmöglich abgedeckt werden. Diesen Prozess übernimmt die Haut im Normalfall von ganz alleine durch eine schnelle Krustenbildung, wie bereits beschrieben. Es ist ein notwendiger Ablauf und vor allem essentiell, wenn der Mensch keine Materialien zur Hilfe hat, um die Wunde selbst zu versorgen.

Allerdings verläuft die Wundheilung tatsächlich deutlich besser, wenn die Wunde feucht bleibt. Diese Annahme spricht gegen die häufig vertretenen Meinung, Wunden müssten schnell getrocknet werden. Durch das gezielte Feuchthalten mittels speziell für die feuchte Wundheilung entwickelter Wundgele, verhindert man die Bildung von Krusten. Dadurch können die neu gebildeten Gewebszellen direkt in ein feuchtes Milieu gelangen, ohne zuvor die feste Kruste abzustoßen. Die Voraussetzung für gutes Gelingen ist allerdings eine richtige und passende, möglichst keimfreie Wundabdeckung als Ersatz zur Kruste. Dafür verwendet man entsprechende Pflaster, Gazekompressen oder Folienverbände. Letzteres eignet sich beispielsweise für die Verwendung zum Baden oder Duschen. Sollte eine Schnittwunde vorliegen, helfen Pflasterstrips dabei, beide Seiten der Wunde nach der Desinfektion wieder zusammenzubringen. Bei Verbrennungen hilft es, das überhitzte Gewebe unter kaltem fließenden Wasser abzukühlen. Da dies nur selten ausreicht, können zusätzlich Schüsslersalze oder homöopathische Mittel unterstützen. Damit sich unter der Abdeckung keine Keimherde bilden, sollte diese nach 24 Stunden gewechselt werden.

Natürliche Unterstützung bei der Wundheilung

Verschiedene natürliche Faktoren können den Prozess der Wundheilung neben einer idealen Wundbehandlung unterstützen. Dazu zählt unter anderem Sauerstoff. Wird die Wunde durch Pflaster oder Verbände verschlossen, sollte dies nicht luftdicht sein. Dazu kommt der Faktor Wärme. Das Kühlen der Wunde würde den Prozess verlangsamen. Und natürlich spielt auch in diesem Fall eine gesunde Ernährung mit ausreichender Vitaminzufuhr eine entscheidende Rolle.

Zusätzlich können ätherische Öle in jeder Wundheilungsphase unterstützen und die Wundheilung dadurch positiv beeinflussen. Bekannt ist beispielsweise der Einsatz von Wundsprays, die aus einer Kombination aus Johanniskraut- und Olivenöl bestehen. Durch die Verwendung wird die Wunde feucht gehalten und die Zellbildung gefördert. Ätherische Öle wirken bakterienhemmend, ohne die Körperzellen in der Heilung zu bremsen.

Die aromatherapeutische Wundbehandlung wird in Deutschland eher belächelt, während andere Länder diese regelrecht empfehlen. Tatsächlich wurde innerhalb einer klinischen Vergleichsstudie festgestellt, dass bei Patienten mit infizierten und schlecht heilenden Wunden eine Mischung aus Pfefferminze, Cajeput und Eukalyptus deutlich besser zur Wundheilung beigetragen hat, als die herkömmliche Therapie. Die Auswahl der Substanzen ist dabei essentiell. Man sollte unter anderem darauf achten, dass diese entzündungshemmend wirken und Schmerzen lindern.

Cannabinoide und unsere Haut

Dass Cannabis, genauer gesagt die darin enthaltenen Cannabinoide, die Haut bei unterschiedlichen Verletzungen schützen, wurde bereits vor Tausenden Jahren gelehrt. Alte Schriftstücke belegen die Verwendung bei Schnitt- und Schürfwunden, Brandverletzungen und Geschwüren. Die alten Griechen verwendeten Cannabis zum Stillen von Nasenbluten oder zur Wundbehandlung bei Pferden.

Die chemische Zusammensetzung der Pflanze war noch lange nicht bekannt und bis heute bleiben einige Fragen ungeklärt. Die entzündungshemmende, schmerzlindernde und antiseptische Wirkung von Cannabis war jedoch schon damals weitverbreitet. Wie man heute weiß, arbeiten die enthaltenen Wirkstoffe der Cannabispflanze eng mit dem menschlichen Endocannabinoid-System zusammen und steuern dadurch wichtige Funktionen im Körper. Dazu zählen auch die Abläufe innerhalb der Haut. Cannabinoide können somit auch das Erscheinungsbild unserer Haut positiv beeinflussen. Nicht umsonst tauchen immer mehr Produkte im Bereich Hanfkosmetik auf. Auch die Wundheilung kann durch die Verwendung von Cannabisprodukten profitieren.

Cannabinoide für bessere Wundheilung

Der Aufbau der Haut bietet viel mehr, als lediglich eine mechanische Barriere gegen Angriffe auf den Körper. Über die letzten Jahre hinweg fanden Wissenschaftler heraus, dass die Haut mitsamt ihrer angegliederten Teile sowohl neurologische und immunologische als auch endokrine Prozesse steuern kann. Demnach müsste sie als aktives neuro-immuno-endokrines Organ gesehen werden. Grund dafür ist unter anderem das Endocannabinoid-System, welches an allen Vorgängen in der Haut beteiligt ist. Dazu zählt das sensorische Empfinden, der Zellwachstum als auch die Immunkompetenz und/oder Immuntoleranz. Die bekanntesten Cannabinoidrezeptoren heißen CB1- und CB2-Rezeptor. Sie befinden sich sowohl in der Oberhaut, als auch in der Lederhaut. Ebenso die Endocannabinoide, die als Schlüssel dieser Rezeptoren fungieren. Kommt es zu einem entzündungsfördernden oder anderen irritierenden Reiz der Haut, steigt die Konzentrationen der entsprechenden Endocannabinoide in den Hautschichten stark an. Dies führt laut Wissenschaft dazu, dass wir weniger Schmerzen empfinden und Entzündungen reduziert werden. Beobachtungen stützen diese Annahme: Wird dem Abbau der körpereigenen Cannabinoide entgegengewirkt, geht dies mit einer schmerzlindernden und antientzündliche Wirkungen einher.

Über die Cannabinoidrezeptoren werden auch speziell Prozesse der Wundheilung gesteuert. Die CB1-Rezeptoren sind beispielsweise für eine zügige Wundheilung nötig. CB2-Rezeptoren helfen wiederum dabei, dass keine überaus großen Narben entstehen. Cannabinoide wie CBD und THC können somit die Wundbehandlung begünstigen. Dazu bietet sich, je nach Ausgangslage, eine äußerliche Anwendung in Form von Ölen, Salben oder Cremes an.

Bisherige Forschung der Rolle der Cannabinoide bei der Wundheilung

Große Studien zur Behandlung von Wunden mittels CBD oder THC fehlen allerdings weitgehend. Lediglich vorläufige Daten wurden bisher gesammelt, die allerdings wissenschaftlich nicht belegt sind. Grund dafür sind zu kleine Untersuchungsgruppen und fehlende Kontrollgruppen, um einen Placebo-Effekt auszuschließen.

Dennoch fand man anhand einer kleinen Fallstudie heraus, dass der topische Einsatz von Cannabinoid-Ölen bei der schmerzhaften Hautkrankheit Dermatitis ulcerosa, die mit einer großflächigen Bildung von Geschwüren und absterbenden Hautzellen einhergeht, zu einer deutlichen Schmerzlinderung führte. Man vermutet, dass besonders offene Wunden auf die Behandlung anspringen. Eine verletzte Hautoberfläche erleichtert die Aufnahme fettiger Substanzen und THC und CBD können somit in Hautwunden aufgenommen werden. Welche Rolle die Cannabinoide bei dem Heilungsprozess von Wunden jeweils spielen, ist jedoch noch nicht genug erforscht. Hinweise deuten darauf hin, dass mit CBD alleine bereits eine positive Wirkung bei Brandwunden oder Narben erzielt werden kann. Dennoch ist weiterhin die Forschung gefragt, die Cannabinoide hinsichtlich ihrer Eigenschaften auf den menschlichen Körper – und in diesem Fall auf unsere Haut – genauer zu untersuchen.