Venöses Beingeschwür: Die topische Anwendung von Cannabis kann helfen

Titelbild: NickyPe auf Pixabay

Das venöse Beingeschwür ist eine spezielle Form von Ulcus cruris, besser bekannt unter der Bezeichnung „offenes Bein“. Von dem Krankheitsbild sind insbesondere ältere Menschen betroffen. In Folge von Durchblutungsstörungen entstehen tiefe und meist schlecht heilende Wunden am Unterschenkel. Die Krankheit erfordert eine oft lange und aufwendige Pflege des betroffenen Beins. Das Ausmaß ist verschieden und reicht bis hin zur chirurgischen Behandlung schlecht heilender Geschwüre. Bleibt das Geschwür unbehandelt, kann dies schwerwiegende Folgen nach sich ziehen. Schnelles Handeln ist deswegen wichtig. Um der Krankheit entgegenzuwirken, muss zuerst die Ursache identifiziert sowie ein gutes Wundmanagement durchgeführt werden. Ziel der Behandlung sollte sein, dass sich die Haut regeneriert und die Oberfläche langsam wieder verschließt. Eine Studie aus Toronto liefert nun neue Ergebnisse, die Betroffene erfreuen werden. Die topische Anwendung von Cannabis hat bei der Mehrzahl der Probanden zu einem vollständigen Wundverschluss innerhalb weniger Wochen geführt. 

Ulcus cruris: Das offene Bein

Ulcus cruris heißt übersetzt ‚Unterschenkelgeschwür‘. Umgangssprachlich wird die Krankheit jedoch als „offenes Bein“ betitelt. Grund dafür sind die Symptome der Krankheit. Wie der Name also schon vermuten lässt, versteht man darunter tiefe und schlecht heilende Wunden am Unterschenkel beziehungsweise Fuß. Die Ursache dafür ist eine Durchblutungsstörung in den Beinen. Wie es zu einer solchen Störung kommt, kann jedoch verschiedene Gründe haben. Einer davon ist eine gestörte Venendurchblutung woraufhin das venöse Beingeschwür entsteht. Sollte der allgemeine Verdacht auf Ulcus cruris bestehen, unabhängig von der Ausprägung und Form, lohnt sich ein schnelles Handeln. Das Beingeschwür kann sich nämlich, vergrößern und zum Teil große Schmerzen verursachen. 

Typische Symptome: Wie erkenne ich venöse Beingeschwüre?

Ob ein Ulcus cruris nun aber Schmerzen hervorbringt, ist abhängig von der Ursache der Entstehung des Geschwürs. Ist dieses aufgrund einer gestörte Venendurchblutung entstanden, fallen die Schmerzen eher gering aus. Vielmehr zählen konstante Spannungsgefühle in den betroffenen Extremitäten zu den häufigsten Symptomen bei Ulcus cruris venosum. Bei einem arteriell-bedingten Geschwür wiederum treten häufig sehr starke Schmerzen in den Beinen auf. Diese machen sich besonders dann bemerkbar, wenn das Bein hochgelagert wird. Diese Form vom Ulcus cruris tritt auch vermehrt am Fuß auf. Die betroffenen Füße sind dann meist kalt und blass. Im Gegensatz dazu breitet sich das Ulcus cruris venosum – also das venöse Beingeschwür – vom Knöchel bis hin zum Unterschenkel aus. Das Aussehen solcher Geschwüre ist meist sehr ähnlich. Sie nehmen eine sogenannte Galoschenform an. Dabei windet sich die Wunde einmal rund um das Bein. Um die Wunde selbst entsteht aufgrund der Auswanderung der roten Blutkörperchen aus den umliegenden Stellen ein bräunlicher Rand. 

Was bei allen Formen von Ulcus cruris auftreten kann, ist ein gestörtes Nagelwachstum. Die Zehennägel können sich beispielweise verfärben oder werden brüchig. Allgemeine Symptome eines Ulcus cruris sind außerdem die tiefen Wunden. Im Gegensatz zu anderen Verletzungen verheilen diese nur bedingt wieder von selbst. Sie können sogar mehrere Hautschichten durchdringen und bis auf die Knochen reichen. Eine äußerst unangenehme Vorstellung. Dazu kommt, dass aus den Wunden in der Regel dauerhaft eine schleimige Flüssigkeit austritt, wodurch die betroffene Stelle feucht bleibt und die Wundränder aufweichen (Mazeration). Eine große Gefahr besteht vor allem dann, wenn zu dem Ulcus cruris auch noch eine unsachgemäße Wundversorgung kommt. In den offenen Stellen kann sich nämlich sehr leicht Schmutz und Staub ansammeln, woraufhin die Wunden häufig durch Bakterien oder anderen Erregern infiziert werden. Entzündungen der betroffenen Stelle sind die Folge. Häufig weist ein stechender, fauliger Geruch auf ein solches entzündetes Ulcus cruris hin. Versucht man nun auf eigene Faust die Entzündung zu behandeln und verwendet dabei Salben und Cremes, ohne zuvor mit einem Arzt gesprochen zu haben, kann man als Betroffene:r aktiv dazu beitragen, dass sich das Ulcus cruris verschlimmert. Möglicherweise entwickelt sich auch ein sogenanntes Kontaktekzem, also eine Überempfindlichkeitsreaktion der Haut auf bestimmte Inhaltsstoffe. Erkenntlich zeigt sich dies in Form von Rötung, Jucken und/oder Brennen der betroffenen Hautstellen. Damit dies nicht passiert, sollte man bei Verdacht auf Ulcus cruris eine Haus- oder Hautärztin beziehungsweise einen Haus- oder Hautarzt aufsuchen. Damit diese:r einen passenden Behandlungsplan ausarbeiten kann, muss jedoch zuallererst die Ursache des Geschwürs festgestellt werden. Wie man sieht geben die Symptome bereits Aufschluss darüber, um welche Form von Ulcus cruris es sich handeln könnte. Im Folgenden soll näher auf die Unterscheidung dieser eingegangen werden. 

Drei wesentliche Ursachen von Beingeschwüren

Die Ursache eines venösen Beingeschwürs ist eine Durchblutungsstörung in den Beinen. Abhängig davon wie diese wiederum entsteht, unterscheiden Mediziner:innen verschiedene Formen von venösen Beingeschwüren. Die drei häufigsten sind

  • Ulcus cruris venosum (chronisch venöse Insuffizienz)
  • Ulcus cruris arteriosum
  • Ulcus cruris mixtum

Im Fall von Ulcus cruris venosum liegt eine gestörte Venendurchblutung beziehungsweise chronische Venenschwäche zugrunde. Die Venen stellen einen wichtigen Bestandteil des Blutkreislaufs für uns Menschen dar. Sie sammeln das Blut aus der Körperperipherie und transportieren dieses zurück zum Herzen. Da die Venen unterhalb des Herzens liegen, müssen sie das Blut entgegen der Schwerkraft wieder zurücktransportieren. Die Venenklappen im Inneren der Venen unterstützen diesen Vorgang, indem sie das Zurückfließen des Blutes verhindern. Kommt die Venenklappe ihrer Aufgabe nicht mehr nach, indem sie beispielsweise nicht mehr richtig schließt, wird dadurch der Abtransport des Bluts beeinträchtig. Folglich staut sich das Blut in dem vorgelagerten Venenabschnitt und übt Druck auf die Venenwand aus, woraufhin sich diese immer weiter ausdehnt. Sehen kann man die betroffenen Venen dann auch von außen in Form von spinnennetzartigen Besenreisern bis hin zu deutlich hervortretenden Krampfadern. Bei fortschreitender Venenschwäche kommen starke Schwellungen und Hautveränderungen hinzu und man spricht von einer chronischen venösen Insuffizienz.

Venöse Beingeschwüre in Folge einer gestörten arteriellen Durchblutung (periphere arterielle Verschlusskrankheit) bezeichnet man als Ulcus cruris arteriosum. Die Arterien, die das Gewebe mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgen, sind verengt bzw. verstopft, wodurch es zu einer geminderten Versorgung mit sauerstoffreichem Blut kommt. Somit können selbst einfache Wunden nicht richtig abheilen und es kommt zu Entzündungen. Ulcus cruris arteriosum tritt vermehrt an den Zehen oder der Fußsohle auf. Man kann bei den Betroffenen erkennen, dass diese in ihrer Gehstrecke eingeschränkt sind, häufig Gehpausen einlegen müssen und von nächtlichen Ruheschmerzen heimgesucht werden. 

Die Mischform der beiden zuvor genannten Formen ist unter dem medizinischen Fachbegriff Ulcus cruris mixtum bekannt. Das Krankheitsbild des Ulcus cruris wird demnach sowohl durch eine gestörte Durchblutung der Venen als auch der Arterien ausgelöst. Beide Gefäßsysteme sind gleichermaßen ursächlich.  

Behandlung 

Hat man die Ursache des Ulcus cruris durch verschiedene Untersuchungen herausgefunden, kann man mit dem wichtigsten Bestandteil der Behandlung beginnen: genau dieser Ursache entgegenzuwirken, damit sich die Wunde verschließen kann. Je länger ein Ulcus cruris nämlich unbehandelt bleibt, desto größer wird die Gefahr, dass es zu schwerwiegenden Folgen kommt. Da sich die Wunde jedoch nicht von heute auf morgen verschließt, ist die Behandlung eines Ulcus cruris oft schwierig und langwierig. Mehrere Wochen Therapie sind ganz üblich. Selbst nach Abschluss der Behandlung sollten weiterhin regelmäßige Kontrolluntersuchungen durch den Arzt vorgenommen werden.

Neben der Behandlung der Ursache ist aber auch die lokale Behandlung der betroffenen Stellen wichtig. Unabhängig davon, ob es sich um ein venöses Beingeschwür oder ein arteriell-bedingtes handelt. Wert gelegt wird insbesondere auf ein gutes Wundmanagement. Darunter versteht man eine ausgiebige Reinigung und Desinfektion der Wunden sowie das Auftragen verschiedener Wundauflagen. Die Wundbehandlung nach dem MOIST-Schema ist dabei eine gute Orientierung:

  1. M = Moisture balance (Exsudatmanagement):

Im ersten Schritt geht es um das richtige Milieu bei der Wundbehandlung. Handelt es sich um eine trockene Wunde, sollte diese befeuchtet werden. Im Falle von Ulcus cruris sind die Wunden eher nässend und feucht, woraufhin diese getrocknet werden sollten.

  1. O = Oxygen balance (Sauerstoffzufuhr):

Häufig ist eine Unterversorgung mit Sauerstoff der Grund für das Fortbestehen chronischer Wunden. Schuld hat der Feuchtigkeitsfilm auf der Wunde, welcher dem Sauerstoff den Zugang zur Wunde verwehrt. Sauerstoff wiederum wird für das Wachstum neuer Zellen benötigt. Folglich ist der Sauerstoffbedarf in allen Phasen der Wundheilung stark erhöht. Man unterscheidet zwischen systematischer und lokaler Sauerstofftherapie. Bei der systematischen Sauerstofftherapie wird durch den ganzen Körper einschließende Druckkammern allgemein der Sauerstoffpartialdruck in der Lunge und die Sauerstoffkonzentration im Blut erhöht. Um die betroffenen Stellen lokal  mit Sauerstoff zu behandeln, werden beispielsweise Druckkästen oder Manschetten um die Wunde herum angebracht und diese dann mit reinem Sauerstoff befüllt. Kostengünstigere Behandlungsmethoden sind spezielle Wundauflagen, durch die der Sauerstoff lokal freigesetzt werden kann. Reicht die sogenannte Kompressionstherapie nicht aus, kann Hämoglobin lokal angewandt werden. Hämoglobin ist der Blutfarbstoff, der unser Blut typisch rot einfärbt. Darüber hinaus bindet Hämoglobin Sauerstoff und transportiert diesen so innerhalb unseres Blutkreislaufes. Der Sauerstofftransporter kann den Sauerstoff auch aus der Luft binden und ihn sogar durch die Sauerstoffbarriere der offenen Wunde bis zum Wundgrund schleusen. Eine in Mexiko durchgeführte Studie zeigt, dass Hömoglobin erfolgreich bei der Wundheilung unterstützen kann. 93 Prozent der chronischen Unterschenkel- und Fußwunden konnten durch die Behandlung geheilt werden. 

  1. I = Infection control (Infektionskontrolle):

Wundauflagen werden in der Wundversorgung verwendet, um Infektionen der Wunde zu vermeiden. Sowohl Schmutz als auch Keime werden von der offenen Stelle ferngehalten. Außerdem können Wundauflagen zu einer schnelleren Heilung beitragen, indem sie den Feuchtigkeits- und Temperaturhaushalt der Wunde regulieren. Neben dem klassischen Verbandmaterial gibt es auch noch interaktive Wundauflagen wie beispielsweise Alginate. Diese werden aus Braunalgen gewonnen und eignen sich ganz besonders bei stark nässenden Wunden, da sie das Wundsekret binden. Ebenfalls geeignet für nässende Wunden sind Polyacrylatkissen (Laminate). Auch Wickel sollen dazu beitragen, das Volumen der venösen Beingeschwüre zu reduzieren und die Haut beim Verschließen zu unterstützen. Solche Umschläge mit antiseptischen Mitteln können die Wunde zusätzlich keimfrei halten. Handelt es sich um besonders stark nässenden Wunden, können die Umschläge vorab in Kochsalzlösung getränkt werden.

  1. S = Support (Unterstützung des Heilungsprozesses):

Als Unterstützer werden solche Produkte bezeichnet, die das Wundmilieu aktiv beeinflussen. Zeigen sich chronische Wunden trotz optimaler, kausal orientierter Behandlung weiterhin unverbessert, können Wundstarter eingesetzt werden. Dazu zählen beispielsweise Produkte aus Kollagen und Cellulose. Doch auch Salben können bei der Behandlung von venösen Beingeschwüren helfen. Diese kann unter anderem antibiotisch sein, wenn die Wunde bakteriell infiziert aussieht. Aber auch Cortison Salben können angewandt werden, wenn es sich beispielsweise um eine allergisch bedingte Infektion handelt. 

  1. T = Tissue management (Gewebemanagement)

Zum Gewebemanagement zählen alle Wundgrundkonditionierungen wie zum Beispiel die Wundauflagen aber auch Biochirurgie und physikalische Hilfsmittel wie Unterdruck, Strom, Plasma oder Ultraschall. 

Was Betroffene noch tun können, um die Behandlung des Ulcus cruris zu unterstützen? Ein Tagebuch führen in welchem dokumentiert wird, wie groß beispielsweise den Abstand zwischen den Wundrändern ist. Somit kann man schnell erkennen, ob es zu einem langsamen Verschluss der Wunde kommt und die Behandlung auch wirklich anschlägt. 

Unterstützende Maßnahmen zur Behandlung von Beingeschwüren

Schlägt die übliche Behandlungsweise von Beingeschwüren nicht an, gibt es weitere Handlungsmöglichkeiten, die die Heilung unterstützen können. Zum einen sind das die operativen Maßnahmen. Dadurch kann die Wunde intensiv gereinigt, Beläge können abgetragen und der venöse Blutfluss verbessert werden. Krampfadern, die auf das Beingeschwür zulaufen, können beispielsweise operativ entfernt oder verödet werden. Im Fall von arteriellen Beingeschwüren kann eine Bypass-Operation dazu beitragen, die Verengung der Arterien zu lockern. Medikamente, die Wachstumsfaktoren enthalten, können ebenfalls zum Einsatz kommen, um bei der Wundregeneration zu unterstützen. Liegt darüber hinaus eine Infektion der Wunde vor, können zusätzlich Antibiotika gegeben werden. 

Der Einsatz von Cannabis bei der Wundheilung

Neueste Studien kommen zudem zu dem Ergebnis, dass Cannabis ebenfalls bei der Wundheilung unterstützen kann. In der Pflanze, die oft als psychoaktive Droge abgestempelt wird, steckt nämlich viel mehr als das. Genauer gesagt zahlreiche Cannabinoide, die eine entzündungshemmende, schmerzlindernde und antiseptische Wirkung aufweisen können. Sie interagieren mit dem Endocannabinoid-System und haben dadurch Einfluss auf zahlreiche Funktionen innerhalb des Körpers. Beispielsweise auch in Bezug auf unsere Haut. So existieren bereits verschiedene Kosmetika, die auf die Unterstützung der Cannabispflanze zurückgreifen. Anti-Aging-Produkte mit Cannabis sollen erfolgreich dem Alterungsprozess entgegenwirken können und Cremes mit CBD sollen bei unreiner Haut dabei helfen, die Talgproduktion zu regulieren. Sogar die medizinische Anwendung von Cannabis Salben bei unterschiedlichen Hautkrankheiten soll eine positive Wirkung gezeigt haben. Das gleiche gilt für die Behandlung von Wunden.

Dadurch, dass sich die bekanntesten Cannabinoidrezeptoren (CB1- und CB2-Rezeptor) sowohl in der Oberhaut, als auch in der Lederhaut befinden, können die Cannabinoide bei einer topischen Anwendung – sprich, wenn sie auf die Haut aufgetragen werden – schnell und gezielt wirken. Der Anstieg an Endocannabinoiden sowie extern zugeführter Cannabinoide kann bei entzündungsfördernden oder anderen irritierenden Reiz der Haut Schmerzen und Entzündungen reduzieren. Die Rezeptoren steuern außerdem die Prozesse der Wundheilung. Während die CB1-Rezeptoren für eine zügige Wundheilung notwendig sind, unterstützen die CB2-Rezeptoren dabei, dass keine überaus großen Narben entstehen. Auf die Haut auftragen kann man das Cannabis-Extrakt in Form von Ölen, Salben oder Cremes. 

Topische Anwendung von Cannabis bei venösen Beingeschwüren 

Dass Cannabis auch insbesondere bei der Behandlung von venösen Beingeschwüren (Ulcus cruris venosum) helfen kann, haben kanadische Forscher:innen innerhalb einer offenen Studie herausgefunden. Durch die in der Cannabispflanze enthaltenen Cannabinoide Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) sowie die Flavonoide und Terpene, soll die Wundheilung von venösen Beingeschwüren beschleunigt werden können.

An der Studie haben 14 Erkrankte mit insgesamt 16 Wunden teilgenommen. Übliche Behandlungsmethoden hatten bei den Teilnehmenden nicht angeschlagen, weshalb die Geschwüre im Durchschnitt älter als sechs Monate waren. Das durchschnittliche Alter der Studienteilnehmer:innen lag bei 75,8 Jahren. Somit liegt es nahe, dass diese bereits an komplexeren Begleiterkrankungen litten. Darunter auch solche, die eine Wundheilung verhinderten (Wassereinlagerungen, periphere arterielle Durchblutungsstörungen etc.). Man hat die Teilnehmenden über einen längeren Zeitraum hinweg jeden zweiten Tag mit topischen cannabis-basierten Medikamenten und Kompressionsverbänden behandelt. Darin enthalten waren die Cannabinoide THC und CBD, die Flavonoide Quercetin, Diosmin und Hesperidin sowie das Terpen Beta-Caryophyllen. Nach durchschnittlich 34 Tagen hat man bei 11 Studienteilnehmer:innen (79 %) und insgesamt 13 Geschwüren (81 %) einen vollständigen Wundverschluss feststellen können. Auch bei den verbliebenen Probanden hat man eine deutliche Verbesserung der Wundheilung bemerkt. Ausgehend von diesen positiven Ergebnissen kann man die Hypothese aufstellen, dass die topische Anwendung von Cannabis bei der Wundheilung im Fall von venösen Beingeschwüren einen großen Beitrag leisten kann. Selbst dann, wenn gängige Therapien nicht anschlagen. Um das vollständige Wirkungspotential der Pflanze in Bezug auf Ulcus cruris begreifen zu können, müssen jedoch weitere Studien durchgeführt werden. Die Hoffnung ist jedoch groß, dass Betroffene in Zukunft die Wunden ganz einfach und unkompliziert von zuhause aus mit topischem Cannabis behandeln können. 

Ulcus cruris in Zukunft vorbeugen

War die Behandlung erfolgreich und die Wunde ist verheilt, geht es nun darum, weitere Ausbrüche zu vermeiden und Ulcus cruris auch in Zukunft erfolgreich vorzubeugen. Je nachdem ob die Ursache venös- oder arteriell-bedingt war, kann man sich entsprechend schützen. So sollte man, um Ulcus cruris venosum künftig zu vermeiden, die Kompressionstherapie gewissenhaft durchführen. Durch das Tragen von Kompressionsverbänden oder -strümpfen wird die Fließfähigkeit des Blutes und damit auch die Prognose beträchtlich verbessert. War das Ulcus cruris dagegen arteriell-bedingt, sollte man – sofern man raucht – dringend damit aufhören. Das Rauchen ist der wichtigste Einflussfaktor, wenn es um Ulcus cruris arteriosum geht. Sowohl die Heilung wird verzögert als auch das Rückfallrisiko gesteigert. Was in beiden Fällen helfen kann, die Krankheit vorzubeugen, ist Bewegung. Dadurch wird die Blutzirkulation angekurbelt und vielleicht auch das ein oder andere Kilo abgespeckt, sofern man unter Übergewicht leidet. Übt man eine Arbeit aus, die langes Sitzen oder Stehen erfordert, ist es gut die Position zwischendurch zu wechseln sowie ab und an kleine Gehpausen einzulegen. Sofern möglich, kann man auch für einen Moment die Beine über dem Herzen lagern, um damit den Blutrückfluss zu verbessern. Insbesondere bei Ulcus cruris arteriosum ist es zudem wichtig, auf geeignetes Schuhwerk zu achten, wodurch die Füße nicht eingequetscht werden.