Stress- und Depressionsmanagement mit Hilfe von CBD

Titelbild: Gerd Altmann auf Pixabay

Der erste Monat des neuen Jahres ist bereits vergangen. Die Zeit rast und vielen fällt es schwer, die Neujahrsvorsätze weiterhin zu fokussieren und dabei nicht den Kopf zu verlieren. Neben dem Erfolg im Business wollen wir noch mehr Sport treiben, auf eine gesunde Ernährung achten und mehr Zeit mit der Familie und Freunden verbringen. An eine ausgewogene Work-Life-Balance ist allerdings oft gar nicht mehr zu denken. Eine Deadline folgt auf die nächste, die Erwartungen an sich selbst sowie durch Vorgesetzte, Partner und Familie steigen. Zudem sind die Tage kalt und dunkel was zur Aufhellung der Stimmung auch nicht sonderlich beiträgt. Viele Faktoren die in Summe ganz schön nervenaufreibend und stressig sein können.

Was genau versteht man unter Stress?

Gerade in den zuvor beschriebenen Situationen spricht man in der Regel davon „Stress“ zu haben. Doch was genau ist denn „Stress“ eigentlich? Ursprünglich bezeichnet der Begriff des Stresses die körperliche Reaktion auf psychische und körperliche Belastung die dazu dient, den Organismus kurzfristig besonders leistungsfähig zu machen. Das ist sinnvoll, damit man bei einer möglichen Bedrohung, beispielsweise durch einen Bären, noch schnell genug wegrennen kann. Glücklicherweise tritt diese Situation bei den wenigsten von uns heutzutage noch ein. Jedoch hat sich das bevorstehende oder gefühlte Gefahrenpotential einfach nur verlagert und der hungrige Bär ist in der heutigen Zeit der eigene Chef nach der verpassten Deadline. Stresshormone werden ausgeschüttet und alle Energie mobilisiert. Der Herzschlag beschleunigt, der Blutdruck steigt und die Muskeln werden aktiv. Die Flucht oder der Kampf wird somit vorbereitet.

Stress hat an sich keinerlei krankmachende Effekte, zumindest wenn er kurzfristig auftritt. Demnach schaltet der Körper nach der Stresssituation wieder um auf Normalbetrieb. Bleibt dieses Umschalten aus, leiden wir unter andauerndem Stress und dieser kann dem Körper und der Seele ernstzunehmende Schäden zufügen. Herz-Kreislaufprobleme, Schlafstörungen, Verdauungsbeschwerden, Magen- und Darmprobleme, Hauterkrankungen, Migräne und ein geschwächtes Immunsystem sind nicht selten die Folgen von übermäßigem Stress. Aber auch psychische Folgen wie Burnout, Depressionen und Nervosität können durch Stress entstehen.

Dem Stress entgegenwirken

Damit es gar nicht erst dazu kommt beziehungsweise man aus dieser andauernden Stresssituation wieder aussteigen kann, bedarf es einem optimalen Stressmanagement. Der Begriff umfasst Bewältigungsstrategien und Methoden, um physischen sowie psychischen Stress zu verringern oder sogar ganz abzubauen. Es gibt dabei verschiedene Strategien, die man für sich anwenden kann (neben Schokolade natürlich). Das persönliche Stressmanagement ist individuell. Jeder Mensch reagiert auf Stress unterschiedlich und verarbeitet demnach diese Reize auch auf seine eigene Art und Weise. Genauso unterschiedlich sind auch die Methoden um für sich selbst eine Atmosphäre zu schaffen, innerhalb der wir nicht ständig unterschiedlichen Belastungen ausgesetzt sind beziehungsweise wie wir mit diesen gut umgehen können.

Entspannungsübungen haben sich bereits als hilfreiche Methoden bei akutem Stress bewährt. Sie helfen einem dabei wieder zur Ruhe zu kommen und sich auf das Wesentliche zu fokussieren. Die einen atmen dazu mit geschlossenen Augen tief in den Bauch ein und aus, die anderen machen jeden Morgen eine halbe Stunde Yoga. Wichtig ist, dass es für einen selbst stimmt und man sich nicht noch unnötig quält.

Die Entstehung von Stress – der biologische Hintergrund

Um die Frage zu beantworten, ob CBD auch bei Stress helfen und damit Teil eines effektiven Stressmanagements sein kann, bedarf es einem kleinen Ausflug in die Funktionsweise des menschlichen Organismus. Genauer gesagt dem Gehirn.

Dieses spielt nämlich eine maßgebliche Rolle bei der Stressreaktion des Körpers. Verschiedene Regionen des Gehirns werden im Anschluss an einen Stressor (der Auslöser für Stress) aktiv und erarbeiten gemeinsam die erfolgreichste Kampfstrategie bzw. den besten Fluchtweg. Während die eine Region für die Planung zuständig ist, setzen andere Regionen alle notwendigen Prozesse in Gang, damit die Stresshormone ausgeschüttet werden können. Diese Prozesse führen über den Hypothalamus, ein komplexes Gebilde im Gehirn, welches um viele grundlegende Funktionen unseres Körpers kümmert, unter anderem die Ausschüttung von Stresshormonen. Wird der Hypothalamus also nun über eine mögliche Gefahr informiert, setzt er eine Kaskade von Hormonen in Gang. Er schüttet zuerst einen hormonellen Botenstoff aus, welcher dann auf die Hirnanhangdrüse, die Hypophyse, wirkt. Dadurch wird Adrenocorticotropin (ACTH), ein weiteres Hormon, ausgeschüttet. Über das Blut wird dieses Hormon nun zur Rinde der Nebenniere transportiert und veranlasst dort die Ausschüttung von Kortisol, einem Stresshormon. Dieses letzte Hormon erledigt viele notwendige Aufgaben im Körper. Beispielweise die Mobilisierung von Glukosespeichern. Glukose ist der wichtigste Energielieferant für unseren Körper. Auch die Immunsuppression ist eine Aufgabe, welche unter anderem durch das Kortisol erledigt wird und somit dem Körper erhöhte Energiereservieren zur Verfügung stellen kann. Beide Funktionen sind besonders hilfreich, wenn zur Bewältigung potenzieller Bedrohungen die notwendigen Ressourcen umgeleitet und dafür verwendet werden müssen. Kurzfristig können die Stresshormone somit positive Ergebnisse erzielen. Doch wie bei so vielen Sachen im Leben führt es im Überfluss zu einer Schädigung des Körpers. Eine langfristige Überdosierung der Stresshormone kann zu einer Vielzahl an physischen und psychischen Problemen führen. Eine natürliche Stressbremse, sogenannte Glucocorticoidrezeptoren, messen im Normalfall den Kortisolspiegel im Blut und stoppen bei einem ausreichenden Maß die weitere Produktion des Stresshormons durch die Nebennierenrinde. Das parasympathische Nervensystem wird aktiv, weshalb wir uns wieder beruhigen entspannen. Wenn die Stressbremse nun aber aufgrund von zu wenigen Rezeptoren oder einer mangelhaften Leistung dieser Rezeptoren nicht optimal funktioniert, gerät unser Hormonhaushalt außer Kontrolle und der Körper schadet sozusagen sich selbst. Eine Regulation der Bildung solcher Stresshormone ist demnach für die Aufrechterhaltung der optimalen Funktion unserer Organe absolut notwendig.

Wie Endocannabinoide den Stress beeinflussen

Im Zusammenhang mit der Cannabisforschung stolpert man vermehrt über den Begriff des körpereigenen Endocannabinoid-Systems. Dieses System reguliert verschiedene Abläufe im menschlichen als auch tierischen Körper und spielt auch im Stressmanagement eine entscheidende Rolle. Der Grund dafür ist, dass das Endocannabinoid-System in genau den Hirnregionen stark vertreten ist, die mit der Regulierung der Stressempfindlichkeit in Verbindung stehen. Insbesondere in der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse finden starke Stressreaktionen statt.

Innerhalb von in vivo Experimenten konnte festgestellt werden, dass akute Stressreaktionen zu einem Abbau von zwei sehr wichtigen Endocannabinoiden führen: Anandamid (AEA) und 2-Arachidonoylglycerin (2-AG). AEA reguliert unter anderem den Dopaminspiegel, welcher zur Verringerung von Angst beiträgt. Das allgemeine Wohlbefinden sowie Angst werden zudem durch das 2-AG Endocannabinoid bestimmt. Demnach ist die Herunterregulierung der Endocannabinoide mit einer Überlastung der hormonellen Signale verbunden, die bei Menschen zu Angst, Unwohlsein und Depressionen führen kann. Darüber hinaus führt chronischer Stress in fast jeder untersuchten Hirnregion zuverlässig zu einer Herunterregulierung oder einem Verlust von Cannabinoid-Typ-1-(CB1)-Rezeptoren, welche auch Teil des Endocannabinoid-Systems sind. Dies führt zusätzlich zu einer Hemmung der Freisetzung von Dopamin. Eine wesentliche Erkenntnis vieler Studien ist, dass der Abbau von AEA ausschlaggebend dazu beiträgt, die Stressreaktion im Körper zu manifestieren sowie das Angstverhalten zu verstärken.

Die Ergebnisse von diversen Studien führen demnach zu der Annahme, dass das Endocannabinoidsystem eine wesentlichen Komponente des körpereigenen Stressmanagements darstellt. Eine Funktion des Systems ist nämlich die Aktivität der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse zu hemmen. Studien bestätigen diese Hypothese und kommen zu dem Ergebnis, dass die Endocannabinoide beziehungsweise die Signalübertragung an den CB1-Rezeptor als Stressbewältigungssystem angesehen werden kann, welches im Notfall aktiviert wird. Jedoch wurde ebenso aufgezeigt, dass nach dem Auftreten einer Stresssituation der Gehalt an Endocannabinoiden sinkt. Befindet sich der Körper also in einem entspannten Zustand, ist der Gehalt an Endocannabinoiden vergleichsweise hoch, die Stressreaktionen an der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse werden gehemmt. Befinden wir uns dann aber in einer stressigen Situation, sinkt der Anteil an Endocannabinoiden durch einen unbestimmten Mechanismus stark, und eine Aktivierung der Stressreaktionen an der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse kann stattfinden. Wird der Anteil an Endocannabinoiden jedoch auf einem hohen Niveau gehalten, können diese Reaktionen weiterhin gehemmt werden.

Da diese Kommunikation zwischen Endocannabinoiden und beispielsweise der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse bei akutem Stress essentiell ist, ist sie das auch bei langhaltendem bzw. chronischem Stress.

Zugabe von CBD als Methode des Stressmanagements

Neben Entspannungsübungen kann auch die Zugabe von pflanzlichen Wirkstoffen einen positiven Einfluss auf den empfunden Stress haben. Baldrian zum Beispiel ist bekannt für eine beruhigende Wirkung auf nervöses Gedankenkreisen. Weißdorn verbessert die Durchblutung der Herzkranzgefäße, was den Herzrhythmus kontrolliert und dadurch die Menge der vorhandenen Stresshormone senkt. Beim Abbau von Hopfen im Körper entsteht eine bittere Säure, welche dazu beitragen soll, die innere Anspannung zu verringern.

Auch dem nicht-psychoaktiven Wirkstoff der Cannabispflanze CBD wird eine allumfassende Heilwirkung nachgesagt. Er wirkt unter anderem entzündungshemmend und schmerzstillend, weshalb diverse Studien bereits positive Ergebnisse bei MS und Rheuma-Patienten festgestellt haben. Den Grund für diese positiven Ergebnisse findet man in der Funktionsweise von CBD. Es handelt sich nämlich um ein sogenanntes Phytocannabinoid, welches mit dem zuvor erwähnten Endocannabinoid-System interagiert und damit den Körper dabei unterstützt, eine gesunde Balance wiederherzustellen. Phytocannabinoide ähneln nicht nur aufgrund des Namens den Endocannabinoiden, sie weisen auch eine vergleichbare Struktur auf und interagieren ebenfalls mit den CB1 und CB2 Rezeptoren. Eine Heilwirkung wird ihnen deswegen nachgesagt, weil sie die Endocannabinoide quasi imitieren und somit das körpereigene Endocannabinoid-System unter anderem im Kampf gegen Stress unterstützen. Die Zugabe von CBD kann also den Körper dabei unterstützen, die Stressreaktionen, welche durch die verschiedenen Bereiche im Gehirn ausgelöst werden, erfolgreich zu hemmen und damit dem Stress entgegenzuwirken beziehungsweise den Körper darin zu unterstützen, sich an diese stressige Situation anzupassen. Diese Anpassung ist lebensnotwendig und verhindert, dass der Organismus sich bei jeder Wiederholung dieser Situation erneut in gleichem Maße auf die Flucht vorbereitet. Ist dies der Fall, würden wir in der heutigen Zeit gar keine Ruhe mehr finden.

In der Zeitschrift Neuropsychopharmacology wurde 2011 eine Studie zu diesem Thema veröffentlicht, welche in Brasilien durchgeführt wurde. Innerhalb dieser Studie wurde mit Hilfe von Patienten mit sozialen Angststörungen und einer Kontrollgruppe ohne diese Angststörung die Wirkung von CBD auf Stress getestet. Dazu simulierten die Forscher die Situation einer öffentlichen Rede, welche die Teilnehmer halten sollen. Die Ergebnisse dieser Studie machen deutlich, dass die Patienten, welche zuvor mit CBD behandelt wurden, eine deutlich geringere Alarmbereitschaft verspürten. Außerdem wurde die kognitive Beeinträchtigung sowie das Unbehagen beim Sprechen signifikant reduziert.

Depressionen entgegenwirken mit Hilfe von CBD

Aufgrund der Relevanz des Endocannabinoidsystems in Bezug auf Stress, kann man davon ausgehen, dass eine Beeinträchtigungen innerhalb des Systems möglicherwiese mit der Anfälligkeit für stressbedingte psychiatrische Erkrankungen zusammenhängt. Solche Erkrankungen sind beispielsweise posttraumatische Belastungsstörungen sowie Depressionen. Personen mit schweren Depressionen berichten über ein höheres Auftreten von Lebensstressoren als solche ohne Depressionen. Solche Lebensstressoren können die zu Beginn angesprochene Belastung in Form von streng getakteten Deadlines und Ansprüche an sich selbst oder durch Außenstehende sein. Auch Veränderungen des persönlichen Alltags wie Veränderungen in der Partnerschaft oder Familie, Ausgrenzungen oder Schwangerschaft zählen zu den typischen Stressoren. Episoden schwerer Depressionen können durch die Konfrontation von längeren Stressphasen provoziert werden. So zeigen die Ergebnisse von verschiedenen Längsschnittstudien, dass frühe soziale Belastungsfaktoren wie zum Beispiel Vernachlässigung, körperliche Gewalt oder sexueller Missbrauch das Risiko deutlich erhöhen, als Erwachsener an einer Depression zu erkranken. Auch Auswirkungen von Naturkatastrophen oder anderen Umwelt-Traumata können solche Belastungsfaktoren sein, die den Körper in eine extreme Stresssituation versetzen und damit nachhaltig beeinflussen.

Die bisherige Forschung unterstützt die Annahme, dass eine gestörte Endocannabinoid-Signalübertragung zu depressiven Erkrankungen beiträgt. In Anbetracht der zuvor diskutierten Folgen von Stress für unseren Körper und den darin enthaltenen Endocannabinoiden ist diese Annahme nur logisch. Ein beeinträchtigtes Endocannabinoid-System verhindert einen effektiven Umgang mit Stress und die Anpassung an diesen. Der Therapieerfolg hängt mit der Wiederherstellung der Stresshormonregulation zusammen. Demnach kann eine verbesserte Endocannabinoid-Signalübertragung den Umgang mit Stress positiv beeinflussen und somit mit der Wirksamkeit von Antidepressiva verglichen werden. Die Steigerung der Endocannabinoid-Aktivität kann somit ein pharmakologisches Ziel sein, um die Entwicklung adaptiver Reaktionen auf Stress zu fördern und damit der Entstehung von Depressionen entgegenzuwirken.

All diese Erkenntnisse führen dazu, dass weitere Forschungsarbeiten eingeleitet werden um, die Rolle von Cannabis, speziell CBD, als wirksames und natürliches Mittel zum Stressabbau zu festigen. Da CBD ein etabliertes Sicherheitsprofil mit geringen Nebenwirkungen hat, kann es eine pflanzliche Alternative zur Behandlung von Stress und Angst darstellen. Eine Kombination mit anderen Therapien und Methoden ist sinnvoll.