Besserer Stoffwechsel durch Cannabis

Titelbild: Eugenio Cuppone auf Pixabay

Gerade wenn es um das Thema Legalisierung von Cannabis geht, greifen Kritiker häufig zu dem Argument: Cannabis habe keine positive Wirkung auf die Gesundheit des Menschen. Cannabis wird zwar zur Behandlung der Symptome von verschiedenen Krankheiten eingesetzt, allerdings sei eine positive Auswirkung im kurativen Sinne nicht gegeben. Ganz davon abgesehen, dass mir spontan auch keine positive Auswirkung auf die menschliche Gesundheit durch den Konsum von beispielsweise Zigaretten einfällt, gibt es Studien, die eben dieser Annahme entgegenwirken. Laut diesen Ergebnissen kann der Konsum von Cannabis nämlich sehr wohl die gesundheitliche Verfassung verbessern. Unter anderem soll der Cannabiskonsum eine schützende Wirkung auf den Stoffwechsel haben und damit Übergewicht entgegenwirken, von dem über die Hälfte der Erwachsenen in Deutschland betroffen ist.

3 Jährige Studie mit Psychose Patienten

Zu dieser positiven Einschätzung der Auswirkung von Cannabis Konsum kommen spanische Forscher. 2019 untersuchten sie die Wirkung von Cannabis auf das Gewicht und den Stoffwechsel der von einer nicht-affektiven Psychose betroffenen Patienten. Die Studie erstreckte sich über einen Zeitraum von 3 Jahren. Sie wurde in der in den ambulanten und stationären psychiatrischen Einheiten des Universitätskrankenhaus Marques de Valdecilla, im Norden Spaniens, durchgeführt. Die Teilnehmer der Studie wurden in drei Gruppen eingeteilt: Nicht-Konsumenten, Dauerkonsumenten und Probanden, die unregelmäßig konsumieren.

Eine Psychose äußert sich anhand verschiedener Symptome. Häufig treten Störungen des Denkens und der Wahrnehmung auf. Bei der nicht-affektiven Psychose handelt es sich auch um schizophrene Psychosen. Schizophrenie ist eine schwere Erkrankung und weist eine überhöhte Sterberate auf. Die Lebenserwartung sinkt um ca. 14 Jahre. Grund für die erhöhte Sterblichkeit seien in 60% der Fälle körperliche Leiden wie zum Beispiel Krebs. In erster Linie handle es sich aber um kardiometabolische Störungen – also Krankheitsbilder, die das Herz-Kreislaufsystem und/oder Stoffwechselvorgänge betreffen. Dazu zählt die Gewichtszunahme und Fettleibigkeit, Fettstoffwechselstörungen, Diabetes sowie erhöhte Werte von schlechtem Cholesterin (LDL-Cholesterin) und verringerte Werte des guten Cholesterins (HDL-Cholesterin). Diese kardiometabolischen Veränderungen können zum Teil durch die zugrunde liegende Erkrankung erklärt werden. Jedoch können Auslöser auch genetisch bedingt sein, Autoimmunerkrankungen zugrunde liegen oder auch in den Lebensumständen eines Betroffenen zu finden sein. Letzteres beinhaltet Fehl- oder Mangelernährung sowie der Konsum von Alkohol und Nikotin. Da Menschen mit psychotischen Störungen eine Vorliebe gegenüber Cannabis zeigen, zählt der Konsum der Droge ebenfalls zu bekannten Risikofaktoren. Neuere Studien zeigen wiederum, dass Cannabis aber eine protektive Wirkung in Bezug auf Stoffwechselstörungen haben soll. Der BMI (Body-Mass-Index) und Blutdruck sind signifikant niedriger, der Taillenumfang kleiner. Menschen mit Psychosen, die Cannabis konsumieren, sollen demnach im Vergleich zu Nicht-Konsumenten einer signifikant geringeren Wahrscheinlichkeit ausgesetzt sein, an einer Stoffwechselstörung zu erkranken. Dieses Ergebnis nahmen die Forscher zum Anlass, um innerhalb ihrer Studie den möglichen Zusammenhang zwischen dem Rauchen von Cannabis und dem Auftreten von Stoffwechselstörungen bei Patienten mit einer diagnostizierten nicht-affektiven Psychose zu untersuchen.

Das Zusammenspiel von Stoffwechsel und Cannabis

Um den Stoffwechsel anzukurbeln, ist eine ausreichende Wasserzufuhr essentiell. Empfohlen werden 2-3 Liter Wasser am Tag. Gleichzeitig spielt – wie in fast jedem Fall von körperlichen Leiden – eine ausgewogene und gesunde Ernährung eine wichtige Rolle. Möglichst ballaststoffreich und basisch sollte sie sein. Doch auch innere Prozesse steuern unseren Stoffwechsel. Beispielsweise reguliert das Endocannabinoid-System neben verschiedenen weiteren Funktionen auch den Energiehaushalt und Stoffwechsel. Dieses System steht im engen Austausch mit Stoffwechselenzymen, die am Nährstofftransport und an der Energiegewinnung beteiligt sind. Bekannte Bestandteile des Endocannabinoid-Systems sind die CB1- und CB2-Rezeptoren. Werden diese beispielsweise durch die Zufuhr von Cannabinoiden der Cannabispflanze stimuliert, wird ihr Beitrag zur Aufnahme von Nahrungsmitteln und Nährstoffen intensiver. Dies erhöht die Wirksamkeit der Hauptphasen des Verdauungsprozesses und die Umwandlung von Nahrung zu Energie. Der Stoffwechsel ist verantwortlich dafür, wie schnell und effektiv die aufgenommene Nahrung umgewandelt, verwertet und wieder ausgeschieden wird. Damit spielt er auch eine entscheidende Rolle bei der Gewichtsregulation.

Bessere physische Verfassung durch Cannabis

Die über Jahre gesammelten Daten belegen eine Korrelation zwischen dem Cannabiskonsum und dem Stoffwechsel. Da sich Stoffwechselstörungen beispielsweise durch Fettleibigkeit, Diabetes oder einen hohen Cholesterinspiegel äußern, ist es also nur logisch, dass ein konstanter Cannabiskonsum diesen Krankheitsbildern entgegenwirkt. Studien aus den Jahren 2015 und 2016 belegen diese These. Vor allem der Insulinspiegel und das damit verbundene Risiko, an Diabetes zu erkranken, ist bei Cannabiskonsumenten eindeutig reduziert. Aber auch einer Fettleibigkeit wird deutlich entgegengewirkt, wie das American Journal of Medicine 2013 berichtete. Die an einer Studie teilgenommenen Cannabiskonsumenten befanden sich sowohl bezüglich ihrer Blutwerte, als auch ihres Körperumfangs, in einer besseren Verfassung als Nicht-Konsumenten.

Auch die spanischen Forscher kamen im vergangen Jahr zu dem Schluss, dass der Cannabiskonsum eine schützende Wirkung auf den Stoffwechsel hat und sich positiv auf die körperliche Gesundheit der Probanden auswirkt. Dies spiegelt sich in klinisch messbaren Resultaten wieder. Im Durchschnitt hatten die Beteiligten, die regelmäßig Cannabis konsumieren, einen signifikant niedrigeren BMI als diejenigen, die kein Cannabis konsumieren. Auch das Durchschnittsgewicht war signifikant niedrigerer innerhalb der Konsumenten-Gruppe. Außerdem fand man niedrigere Cholesterinwerte bei den Cannabiskonsumenten sowie einen niedrigeren Glukose- und Insulinspiegel.

In Kombination mit früheren Erkenntnissen über die Korrelation zwischen Cannabiskonsum und dem Stoffwechsel, könnten diese Ergebnisse schließlich zur Entwicklung zukünftiger Ansätze für die Behandlung der antipsychotischen Gewichtszunahme bei Schizophrenie führen. Außerdem bieten sich diese Erkenntnisse an, um den Einfluss von Cannabis auf den Stoffwechsel in andere Szenarien zu übertragen und untersuchen.

Die Konsumform ist entscheidend für die Auswirkung von Cannabis auf die Gesundheit

Je besser der Stoffwechsel funktioniert, desto aktiver, fitter und gesünder fühlen wir uns – und Cannabis kann dabei unterstützen. Jedoch ist es ein Irrglaube zu denken, der alleinige Konsum von Cannabis sei die Lösung aller Stoffwechselprobleme. Gesunde Ernährung, viel Trinken, sportliche Aktivitäten sowie Ruhepausen sind in keinem Fall zu vernachlässigen. Außerdem ist die Form des Cannabiskonsums ausschlaggebend für eine positive Wirkung auf unsere Gesundheit. Die weitverbreitetste Konsummethode ist das Rauchen eines Joints. Da der Konsum von Tabak allerdings unter keinen Umständen positive Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit hat, ist diese Maßnahme eher nicht gesundheitsfördernd. An dieser Stelle ist also wieder die Forschung gefragt, um anhand vergleichbarer Langzeitstudien den Unterschied zwischen dem Rauchen von Cannabis mittels Joint, dem Verdampfen im Vaporizer oder dem Konsum der Inhaltsstoffe in Lebensmitteln herauszuarbeiten.