Steckbrief Hanf

Titelbild: chrisbeez auf Pixabay

Seit mindestens 5.000 Jahren nutzt der Mensch die Pflanze nun. Dementsprechend viele Meinungen herrschen zum Thema Hanf, welche in der Regel auch sehr gegensätzlich sind. Die einen schwören auf die Wirkung der Inhaltsstoffe, sehen Hanf als perfekte ökologische Rohstoffquelle in der Textilindustrie oder bekunden ihr Interesse an der berauschenden Wirkung von Marihuana in Form eines Stickers mit einem darauf abgebildeten Hanfblatt auf dem Rucksack – zumindest war das einmal cool. Wieder andere verteufeln die Pflanze eben genau aus diesem Grund und reduzieren den Hanf lediglich auf den psychedelischen Inhaltsstoff THC. In diesem Beitrag wollen wir ein bisschen Aufklärungsarbeit leisten zum Thema Hanf und schauen uns die Pflanze einmal ganz genau an.

Wo der Hanf herkommt

Hanf (Cannabis sativa L.) gehört zur Familie der Cannabinaceae (Hanfgewächse). Der nächste Verwandte von Cannabis ist der Hopfen (lat. Humulus lupulus). Des Weiteren gehört Hanf zur Ordnung Urticales (Bäume, Sträucher, verholzte und krautige Kletterpflanzen). Ursprünglich stammt die Pflanze aus Zentralasien. Dort gilt sie als besonders alte Kulturpflanze. Bereits seit Jahrtausenden wird der Hanf auch im Orient angebaut. Die wilde Form der Pflanze findet man im Altai-Gebirge, an der Grenze zwischen China, der Mongolei und Russland. Da Hanf die Menschheit schon immer auf ihrem Weg auf der Erde begleitet hat, gilt er als sogenannte „kulturbegleitende Pflanze“. Vermutlich handelt es sich in diesem Fall um die erste vom Menschen kultivierte Pflanze. Erste hanfkultivierende Ackerbaugesellschaften entstanden zwischen Euphrat und Tigris, im Nildelta in Ägypten und in China. Im Zuge der Völkerwanderungen verbreitete sich der Hanf um die ganze Welt. Der Hanf wurde damals für den Schiffsbau verwendet. Seile, Tau und Segel wurden aus Hanffasern hergestellt. Überall da, wo die Seefahrer landeten, wurde Hanf angebaut. Laut Vermutungen brachten die Skythen das Gewächs schließlich nach Europa. Doch neben den Menschen war es auch die Tierwelt, die die weltweite Verbreitung von Hanf unterstützte. Die Samen des Hanfs stellen eine beliebte und nährreiche Futterquelle für die meisten Vogelpopulationen dar.

Wie die Hanfpflanze aufgebaut ist

Bei der Hanfpflanze handelt ist sich um eine einjährige Pflanze. Sie wächst schnell und hoch. Innerhalb von vier Monaten kann die tiefwurzelnde Pflanze schon mal vier Meter hoch werden. Diese überzeugende Wuchshöhe hat einen klaren Vorteil: Unkraut ist machtlos. Es ist somit nicht notwendig, die Pflanze mit Unkrautvernichtungsmitteln sowie anderen Ackergiften in Kontakt zu bringen. Die Wurzeln der Pflanze können wenn nötig ohne Probleme eineinhalb Meter tief in die Erde vordringen. Die Bewässerung von Hanf ist also ebenfalls nicht notwendig. Der Stängel steht meist einzeln und aufrecht. Erst im Bereich der Blüten verzweigt er sich. Entlang der Seitentriebe spürt man dichtes weißes Haar. Das bekannteste der Hanfpflanze sind wohl ihre Laubblätter. Diese charakteristischen lanzettlichen Blätter sind wechselständig angeordnet. Der Blattrand sieht aus, als hätte man die Blätter mit einer Säge zurecht geschnitten. Die Hanfpflanze ist zweihäusig. Das heißt, sie bildet weibliche und männliche Pflanzen mit unterschiedlichen Blüten aus. Die weiblichen Blüten sind in Trauben angeordnet und erscheinen in grüner Farbe. Der Kelch ist leicht behaart und schmiegt sich eng um den runden Fruchtknoten.
Die männlichen Blüten lose in Rispen und hängen an einem 2 bis 4 Millimeter langen Blütenstiel. Der Blütenstand ist ca. 25 Zentimeter lang und blüht gelblich grün. Bestäubt werden die Blüten durch den Wind, welcher die Pollen der einen Pflanze zur nächsten trägt. Im Juli liegt die Reifezeit der Früchte. Dabei handelt es sich um flache eiförmige Achäne (einsamige Schließfrucht, eine Sonderform der Nuss).

Hanf, Marihuana, Cannabis, Weed – alles eins?

In der Hanfbranche begegnen einem diverse Bezeichnungen und Begriffe zur Beschreibung der Hanfpflanze. Als Laie ist vielleicht nicht immer gleich ersichtlich, ob es sich dabei um die gleiche Pflanze handelt oder ob die Bezeichnungen unterschiedliche Gewächse meinen.

Der Begriff “Cannabis” ist im Griechischen und Lateinischen das Wort für Hanf. Im wissenschaftlichen Sprachgebrauch verwendet man diesen auch für jegliche Hanfsorten, die eine psychedelische Eigenschaft aufweisen. Diese werden primär für medizinische Zwecke oder als bekannte Freizeitdroge verwendet, da sie eine hohe Menge des psychoaktiven Cannabinoids Δ9-Tetrahydrocannabinol (THC) enthalten. Weitere Hanfsorten werden für die Produktion von Saatgut und Fasern angebaut und enthalten geringe Mengen an THC. Dieses Hanfgewächs, welches somit kaum eine psychedelische Wirkung aufweist, wird als Hanf bezeichnet. Somit bestehen Unterschiede in den jeweiligen Bezeichnungen der Hanfpflanze in Bezug auf die jeweilige Wirkung.

Bei Marihuana spricht man von den getrockneten Blüten der weiblichen Cannabispflanze. An den Drüsenhaaren dieser Blüte befindet sich das Harz, welches wiederum THC enthält. Somit steht der Begriff Marihuana für die Droge, welche aus Cannabis gewonnenen wird. Übersetzt man das Wort Weed ins Deutsche, erhält man den Begriff Unkraut. Tatsächlich gemeint ist aber Marihuana. Sowohl im englischsprachigen als auch im deutschsprachigen Raum. Wird das Harz der weiblichen Cannabispflanze gepresst, spricht man von Haschisch. Eine weitere Droge, die in Deutschland illegal ist.

Bei allen Ausprägungen handelt es sich jedoch um ein Gewächs bzw. um Bestandteile von diesem – Cannabis.

Vielfalt innerhalb der Cannabisarten

Der Hanf ist eine sehr dankbare Pflanze. Er ist genügsam und robust, kann Kälte und Hitze ertragen und gedeiht auf fast jedem Untergrund. Und das fast überall auf der Welt. Angepasst an die jeweiligen klimatischen Bedingungen, gibt es zahlreiche unterschiedliche Hanfsorten. Trotz ihres Anbaus als Nahrungs-, Faser- und Medizinquelle und ihres weltweiten Status als die am meisten konsumierte illegale Droge, hat die Gattung Cannabis eine nicht schlüssige taxonomische Organisations- und Evolutionsgeschichte. Viele Hanfarten haben Sortennamen, während Cannabisarten kein organisiertes gartenbauliches Registrierungssystem haben und als Stämme bezeichnet werden. Cannabis Sativa und Cannabis Indica, diese Einteilung soll dazu dienen, die verschiedenen Cannabissorten zu klassifizieren. Cannabis Sativa beschreibt den wilden Hanf, welcher zuerst Mitte des 17. Jahrhundert entdeckt wurde. Einige Zeit danach wurde Cannabis Indica erstmals in Indien entdeckt. Äußerlich unterscheiden sich die Pflanzen in ihrer Farbintensität, der Dicke der Blätter sowie der Blütezeit. Die zwei Genpools werden somit häufig zur Beschreibung des Stammbaums oder des Aussehens von kultivierten Cannabispflanzen verwendet. Außerdem schreiben Cannabis-Konsumenten der Sativa Art eine aufputschende, erheiternde Wirkung zu, während Cannabis Indica eine eher beruhigende und entspannende Wirkund auf den Körper haben soll. Der Entwurf des Genoms und das Transkriptom von Cannabis Sativa wurden 2011 veröffentlicht, jedoch gibt es bis jetzt keine publizierte Untersuchung der Struktur dieser Cannabispopulation mittels Genotypisierungsmethoden. Tatsächlich ist diese Einteilung laut Wissenschaftlern nicht nachvollziehbar und gilt als willkürlich. Anhand der enthaltenen Terpene und Cannabinoide soll keine Unterscheidung zwischen Cannabis Sativa und Cannabis Indica möglich sein. Eine Studie aus Kanada untersuchte dazu 81 Cannabisproben und 43 Hanfproben. Das Ergebnis zeigt, dass Cannabis und Hanf auf genomweiter Ebene signifikant verschieden sind. Eine Unterscheidung zwischen diesen Populationen ist nicht auf solche Gene beschränkt, die der THC-Produktion zugrunde liegen. Es wird deutlich, dass die Namen der Cannabis-Stämme oft keine aussagekräftige genetische Identität widerspiegeln. Für eine aufschlussreichere Unterscheidung der Sorten ist viel mehr das Terpen- und Cannabinoid-Profil ausschlaggebend. Diese geben Aufschluss über Geschmack und Wirkung.

Das Merkmal, in dem sich die meisten Sorten unterscheiden, ist der Anteil an THC. Manche Arten weisen einen besonders hohen Anteil auf und haben demnach eine stark berauschende Wirkung. Andere wiederum haben nur einen sehr niedrigen THC-Gehalt. So der Industriehanf, welcher auch als Nutz- oder Faserhanf bezeichnet wird. Im Gegensatz zu den medizinischen Cannabissorten, enthält der Nutzhanf lediglich einen Wirkstoffgehalt von unter 0,2 Prozent. Eine berauschende Wirkung soll dadurch ausgeschlossen werden. Die Pflanze dient somit primär als Rohstoffquelle für diverse Produkte.

Industriehanf – legal in Deutschland

Der Anbau der Hanfpflanze war lange Zeit verboten. Zu Teilen ist er das heute noch. Lediglich der zuletzt genannte Nutzhanf darf seit 1996 in Deutschland angebaut werden. Dabei muss allerdings sichergestellt werden, dass man aus dieser Sorte kein Drogen herstellen kann.

Obwohl es in Deutschland erlaubt ist, Nutzhanf anzubauen, tuen das nur wenige. Schuld daran sind vielleicht die Auflagen bei diesem Vorhaben. Der Aufwand und die Hürden bei diesem Vorhaben stehen kaum im Verhältnis zum Gewinn. Bei keiner anderen Nutzpflanze herrschen so strenge Auflagen wie beim Anbau von Hanf. Bauern, die ihre Felder mit Nutzhanf bewirtschaften, werden streng kontrolliert. Jedes Jahr müssen die Samen neu erworben werden. Wenn der Hanf dann im Juli beginnt zu blühen, werden Proben genommen. Stimmt der Wert, darf der Bauer den Hanf schließlich abernten. Sollten die Proben ein anderes Ergebnis zeigen, werden die Felder vernichtet und die Ernte bleibt aus.

Die Hanfernte in Deutschland

Die Ernte der Hanfpflanze gestaltet sich in großen Mengen schwierig. Die üblichen Maschinen, welche für die Ernte von Mais oder Weizen herangezogen werden, sind nicht auf die langen Stängel der Hanfpflanze ausgerichtet. Es kommt vermehrt zu notwenigen Reparaturen und damit Verzögerungen in der Ernte. Die Maschinen mähen zuerst die Stängel ab und schneiden diese anschließend in kurze Stückchen. Idealerweise würde dieser Vorgang ausbleiben. Somit wären die Fasern deutlich länger. In China ist dies möglich, in Deutschland schwieriger bis nahezu unmöglich. Die Geräte sind nicht auf die Hanfpflanze ausgelegt.

Gleichzeitig wird versucht, die ölhaltigen Samenkörner der Pflanze einzusammeln. Auf die Samen zu verzichten, macht finanziell keinen Sinn für die Bauern. Die Weiterverarbeitung zu Hanföl ist bislang mit einer größeren Wertschöpfung verbunden, als der Weiterverkauf der Fasern. Allerdings liegt der Erntezeitpunkt feiner Fasern deutlich vor dem der reifen Samen.

Das Hanfstroh wird nach der etwa dreiwöchigen Feldröste als Ballen zusammengepresst. Bakterien haben in der Zeit begonnen, die Fasern vom Holzkern zu lösen. Durch das Brechen der Holzstängel können die Fasern letztlich von den Stängeln getrennt werden.

Verwendete Teile der Hanfpflanze

Das Potential, welches in dieser Pflanze steckt, ist groß und vielversprechend. Die erste Jeans der Welt wurde aus Hanf hergestellt, ebenso die Guttenberg Bibel aus dem Spätmittelalter. Die Verwendung und den gleichzeitigen Einsatz der Hanfpflanze ist vielseitig. Es gibt fast nichts, was man nicht aus Hanf herstellen kann. Die Reduzierung auf eine psychedelische Droge würde verschenktes Potential bedeuten.

Es ist möglich, alle Pflanzenbestandteile der Hanfpflanze zu verwerten. Die Blätter und Blüten sind reich an Inhaltsstoffen. Eben diese Inhaltsstoffe sind je nach Zusammensetzung bei einem Konsum für unterschiedlichste Wirkungen auf den Körper verantwortlich. Das durch Cannabis verursachte “High”-Gefühl reicht von Euphorie bis zur Niedergeschlagenheit. Man kann vermehrt Lust verspüren, Entspannung und Beruhigung. Oder es äußert sich genau in entgegengesetzter Richtung durch Gereiztheit, Unruhe und Depression. Die Berauschende Wirkung als illegale Droge beiseite genommen, spielen die Blüten der Cannabispflanze eine große Rolle in der Medizin. Die heilende und lindernde Wirkung des darin enthaltenen Stoffes THC ist seit Jahrtausenden bekannt. Demnach wird Cannabis vermehrt als Entzündungshemmer und zur Schmerzlinderung eingesetzt. Inzwischen hat man unter anderem bei Multiple Sklerose, Grünem Star, dem Tourette-Syndrom, Rheuma, chronischen Darmerkrankungen und Depressionen einen erfolgreichen Effekt durch den Konsum von THC festgestellt. Doch nicht nur das Cannabinoid THC ist in den Blüten bzw. de Harz vorhanden. Die Pflanze umfasst ungefähr 100 verschiedene Cannabinoide. Dazu zählt auch die antagonistisch wirksame Substanz Cannabidiol (CBD), welches ebenfalls von medizinischem Interesse ist. Außerdem sind ätherische Öle (Terpene) enthalten. Terpene bilden die größte Gruppe von chemischen Substanzen im Pflanzenreich. Sie sind unter anderem für den Geruch der Cannabispflanze vorhanden. In ihr wurden bereits über 200 ätherische Öle nachgewiesen. Eingenommen werden können die Inhaltstoffe über unterschiedliche Art und Weisen, abhängig von dem entsprechenden Leiden.

Die Samen der Pflanze können entweder in ihrer ursprünglichen Form in der Küche verwendet werden oder zu Hanfsamenöl gepresst werden. Dieses Öl kann ebenfalls eine Bereicherung für die Küche oder als Kosmetikartikel hilfreich für Haut und Haar sein. Sie sind reich an einer Vielzahl an Nähr- und Vitalstoffen, die dem Körper gut tun. Der psychoaktive Inhaltsstoff THC ist allerdings kaum in den Samen enthalten, weshalb man ohne Bedenken zu Hanfsamen greifen kann. Die psychedelische Wirkung bleibt in diesem Fall aus.

Seile, Kleidung und Papier kann man aus den Fasern herstellen. Die Verwendung von Hanffasern in der Textilindustrie ermöglicht regionales und saisonales Einkaufen von Kleidungsstücken. Die heimischen Naturfasern können nämlich den Einsatz von Baumwolle ersetzen. Verarbeitet man die Hanffasern weiter zu Pellets, können diese in der Kunststoffindustrie eingesetzt werden, um diesen umweltfreundlicher zu machen.

Die Hanfpflanze hat bereits eine lange Geschichte hinter sich, nun ist die Frage, welche Zukunft ihr bevorsteht. Wird man beim Anbau von Hanf weiterhin als Drogenbaron beschimpft oder endlich als Öko-Pinoier gefeiert? Dazu ist es wohl endlich an der Zeit, das Image von Hanf wieder aufzupolieren.