Textilien

Textilien aus Hanf ist nicht neu. Hanfgewebe wurde in einigen der ältesten erhaltenen Artefakte entdeckt, mit denen sich Könige und “normale” Bürger gleichermaßen umwickelten. Hanffasern sind natürlich und biologisch abbaubar. Es ist eng gewebt, aber sehr atmungsaktiv und überraschend weich und schont dazu die Umwelt.

Hanf zählt zu den ältesten Kulturpflanzen der Menschheitsgeschichte. Es gibt fast niemanden, dem die Pflanze nicht bekannt ist. Doch dass man mit Hanf viel mehr machen kann, als ihn zu rauchen oder zu Lebensmitteln weiterzuverarbeiten, ist vielen nicht bekannt.

Bereits 2.800 v. Chr. hat man in China aus den Hanffasern Seile hergestellt. Auch Papier, Segel, Säcke und eben auch Textilien wurden mit Hilfe von Hanf produziert. Sogar die Gutenberg-Bibel wurde auf Hanfpapier gedruckt und Rembrandt und van Gogh zeichneten ihre Kunstwerke auf Hanfleinen. Die Hanf Textilien Herstellung wurde durch Levi Strauss im Jahr 1870 eingeführt. Er nutzte ein Segeltuch aus Hanfstoff um daraus seine als Jeans bekannt gewordenen Goldwäscherhosen herzustellen.

Lange Zeit war Hanf ein unverzichtbarer Rohstoff, bis er auf die berauschende Wirkung THC haltiger Hanfgewächse reduziert wurde. In Deutschland herrschte daraufhin zwischen 1982 bis 1996 sogar ein striktes Hanfanbauverbot. Inzwischen hat man die Potentiale des Hanfs und insbesondere der Hanffaser wiederentdeckt.

Die Hanffaser fungierte bereits lange Zeit vor der Baumwolle als essentieller Rohstoff in der Textilindustrie. Die Baumwollfaser kam erst im 19. Jahrhundert nach Europa, verdrängte dann aber die Hanffaser wie im Nu. Die Bedeutung der Hanffaser für die Textilindustrie verschwand durch die Industrialisierung schnell. Die neuen Maschinen halfen bei der Baumwollverarbeitung, weshalb die Kosten der Herstellungsverfahren von Baumwollstoffen zunehmend günstiger wurden. So wurde also die Baumwolle mit dem Schiff, für welches man übrigens weiterhin große Mengen Hanffasern verwendete, nach Europa transportiert. Bis heute zählt Baumwolle zu den bedeutendsten Textilfasern. Etwa die Hälfte aller Textilien weltweit besteht laut WWF aus Baumwolle. 43 Prozent aller Textilfasern für Kleidung werden innerhalb der EU durch die Baumwollfaser abgedeckt.

In Sachen Nachhaltigkeit schneidet der Rohstoff allerdings nicht so gut ab. Die Baumwolle wächst in über 80 Ländern in tropischen und subtropischen Gebieten. Zum Gedeihen braucht sie nämlich ausreichend Wasser. 7.000 bis 29.000 Liter Wasser sollen laut WWF nötig sein, um ein einziges Kilogramm Baumwolle zu produzieren. Aus diesem Kilo Baumwolle können in etwa eine Jeans und ein T-Shirt gefertigt werden. Immer noch viel Wasser, dennoch weniger als beim Anbau konventioneller Pflanzen, braucht die Bio Baumwolle. Grund dafür sind unter anderem die Böden, welche im Bio-Anbau aufgrund der üblichen Fruchtfolge (wechselnde Pflanzen) mehr organische Substanz enthalten und dadurch mehr Wasser speichern können. Außerdem wird zur Bewässerung von Bio-Feldern häufig aufgefangenes Regenwasser verwendet. Die Verwendung von chemisch-synthetischen Dünge- und Pflanzenschutzmitteln ist im Bio-Anbau ebenfalls verboten. Ganz im Gegensatz zum konventionellen Anbau. Eigentlich zählt die Baumwolle zu den Pflanzen, welche am stärksten mit Pflanzenschutzmitteln aller Art behandelt werden. Tatsächlich ist allein der Anbau von Baumwolle für 10 bis 20 Prozent des weltweiten Pestizideinsatzes verantwortlich. Auch an dem Anstieg genmanipulierter Baumwollpflanzen ist der konventionelle Anbau schuld. Diese Pflanzen sollen resistent gegen bestimmte Schädlinge und Pestizide sein. Darüber hinaus sind sie widerstandsfähiger und trotzen auch herausfordernden Umweltbedingungen. Allerdings steigt dadurch der Verlust der genetischen Vielfalt, da sich die Pflanze unkontrolliert ausbreitet. Bildungen von Resistenzen bis zu Abhängigkeiten der Farmer von den Saatgut- und Pestizidherstellern sind ebenfalls Konsequenzen des Einsatzes genmanipulierter Baumwollpflanzen. Im Bio-Anbau ist die Verwendung solcher Samen verboten.

Der Einsatz von Bio Baumwolle statt konventioneller Baumwolle weist daher viele Vorteile auf, auch wenn er noch nicht perfekt ist. Allerdings wird die nachhaltigere Baumwollvariante derzeit nur in 18 Ländern angebaut. Grund dafür könnte der geringere Ertrag für die Bauern sein. Sie müssen in Kauf nehmen, dass sie beispielsweise saisonal gar keinen Ertrag erwirtschaften können und die Ernte wesentlich länger dauert, als bei konventioneller Baumwolle, da die Bio Baumwollte per Hand gepflückt wird.

Da die Textilindustrie einen riesigen Einfluss auf unsere Umwelt und unser Klima hat, liegt es im Interesse der Allgemeinheit, dass wir diesen Einfluss so bewusst wie möglich versuchen zu minimieren. Hanf gilt als einer der nachhaltigsten Rohstoffe der Zukunft, weshalb das Interesse steigt. Doch ist er das wirklich?

Bio Baumwolle benötigt zwar weniger Wasser als konventionelle Baumwolle, dennoch lässt sich das Problem des hohen Wasserverbrauchs nicht von der Hand weisen. Dazu kommt, dass unabhängig davon, ob es sich um Bio Baumwolle handelt oder nicht – der Umstand, dass die Pflanze lediglich in tropischen Gebieten wächst und gedeiht, zu einer hohen CO²-Emissione aufgrund des Transportes führt. Hauptanbauländer von Baumwolle sind China, Indien, Pakistan und die USA. Von dort aus muss der Rohstoff erstmal zur Weiterverarbeitung gelangen um dann am Ende seiner langen Reise bei uns in die Regale einsortiert oder auf dem Kleiderbügeln aufgehängt zu werden.

Dies ist der erste Punkt, in dem die alte Naturfaser Hanf die Baumwolle nach langer Zeit vom Thron stoßen könnte. Hanf ist in vielerlei Hinsicht nachhaltig – die Möglichkeit des Anbaus in Deutschland ist dabei ein ausschlaggebendes Kriterium. Die genügsame Pflanze ist eine der ältesten Nutzpflanzen in Europa und erzielt in Deutschland Erträge bis zu acht Tonnen pro Hektar. Der Import aus anderen Ländern ist daher nicht notwendig. Die CO²-Emission beschränkt sich demnach lediglich auf die Aussaat und Ernte des heimischen Rohstoffes. Ein weiterer Vorteil in Sachen Nachhaltigkeit ist die Widerstandsfähigkeit der Pflanze. Kaum ein andere Nutzpflanze wird so selten von Krankheiten und Schädlingen befallen wie die Hanfpflanze. Aufgrund ihres intensiven Eigengeruchs durch die enthaltenen Terpene schreckt die Pflanze die Parasiten in die Flucht. Dazu kommt, dass die Pflanze eine beachtliche Wuchshöhe von bis zu vier Metern aufweist. Dadurch wirft sie einen großen Schlagschatten und macht es dem Unkraut und jeglichen anderen Pflanzen unter ihr sehr schwer, sich auszubreiten. Eine Behandlung mit Pestiziden ist demnach nicht notwendig, was wiederum einen erheblichen Vorteil für Mensch und Natur mit sich bringt. Viele Bauern nutzen die Hanfpflanze außerdem gerne als Zwischenfrucht, um die Qualität des Bodens zu verbessern. Aufgrund ihrer Wurzeln, die teilweise bis zu 140 Zentimeter Länge aufweisen, ist die Hanfpflanze dazu in der Lage, festen Boden bis in die Tiefe von ganz alleine wieder aufzulockern. Die langen Wurzeln bringen einen weiteren großen Vorteil mit sich: Das verzweigte Wurzelsystem kommt in sehr tiefe Erdschichten, weshalb eine zusätzliche Bewässerung der Pflanze kaum notwendig ist. Im Gegenteil, bei zu viel Wasser könnten sie verfaulen. Selbst in niederschlagsarmen Anbaugebieten mit einem Jahresniederschlag von nur 579 Millimetern, kann die Pflanze ertragreich angebaut werden. Man hat herausgefunden, dass Hanfpflanzen Wasser sechsmal effizienter verwerten als Baumwolle. Selbst bei Trockenheit produziert die Pflanze ausreichend Biomasse und Fasern.

Die vielen Vorteile gegenüber der Baumwolle kann der Hanf erst ausspielen, wenn dieselbe Produktivität wie bei Baumwollfasern verzeichnet werden kann. Damit ist insbesondere der Energieeinsatz pro Kleidungsstück gemeint. Noch liegt die Baumwolle auf dem vorderen Platz. Bereits bei der Ernte stoßen viele Bauen beim Hanf an ihre Grenzen. Die herkömmlichen Maschinen sind kaum dazu in der Lage, die meterhohen Hanfpflanzen abzuernten. Auch die Weiterverarbeitung gestaltet sich schwierig. Während die Baumwollfasern aufgrund ihrer technischen Eigenschaften mittels hochproduktiver Baumwollspinnmaschinen verarbeitet werden können, gibt es in Deutschland kaum Unternehmen, die sich auf die Verarbeitung von Hanffasern spezialisiert haben. Vielmehr werden die Hanfsamen genutzt, um daraus Öle zu pressen oder Lebensmittel herzustellen. Auf Seiten der Unternehmen müssten nämlich zuerst extrem hohe Investitionen getätigt werden, damit die Ernte und Verarbeitung von Hanffasern optimal verlaufen kann. Doch kaum einer möchte diese Investition tätigen, solange sich die Baumwolle unangefochten auf Platz eins hält. Solange müssen qualitäts- und nachhaltigkeitsbewusste Kund:innen für den höheren Tragekomfort und die ökologischen Vorteile von Hanftextilien tiefer in Tasche greifen.

Wenn man sich Hanfstoffe in Gedanken vor Augen führt, denkt man womöglich an grobe Stoffe, die auf der Haut kratzen und unangenehm zu tragen sind. Das ist allerdings ein Mythos. Es war schon immer möglich, eine Vielzahl an strapazierfähiger aber auch hochwertiger und feiner Stoffe aus Hanf herzustellen. Dazu kann man sowohl 100 Prozent Hanffasern verwenden oder diese mit anderen Naturfasern wie Flachs oder Seide kombinieren. Daraus ergibt sich eine Vielzahl an Vorteilen, die die Hanffaser neben dem ökologischen Aspekt noch attraktiver machen:

  • Langlebig, leicht und atmungsaktiv: In Kombination mit Flachs kann man aus Hanf sehr leichte Textilien herstellen, die insbesondere heißen und feuchten Bedingungen optimal standhalten. Grund dafür ist die Absorptionsfähigkeit von Hanf.
  • Absorptionsfähig: Hanf weist bemerkenswerten Absorptionseigenschaften vor. Kleidung aus Hanf trocknet viel schneller und eignet sich deswegen insbesondere für Menschen, die dazu neigen, viel zu schwitzen. Die unangenehmen Gerüche werden dabei ebenfalls absorbiert, da der Sauerstoffgehalt in Hanffasern die Entstehung von Bakterien verhindert. Aufgrund der Absorptionsfähigkeit eigenen sich Hanffasern auch ideal zur Weiterverarbeitung zu Frottee. Ein Material, das hauptsächlich zur Herstellung von Handtüchern oder Bademänteln verwendet wird.
  • Antibakteriell und antimikrobiell: Im Kombination mit Baumwollfasern werden aus Hanffasern gerne Stoffwindeln hergestellt. Neben der hohen Absorptionsfähigkeit von Hanf, soll dieser auch länger haltbar sein. Zudem können die antibakteriellen und antimikrobiellen Eigenschaften im Hanf Windelausschlag und die damit verbundenen Hautprobleme verhindern. Baumwolle wird der Weichheit halber hinzugefügt.
  • Robust: Hanffasern sind in sich stärker als Baumwollfasern. Deswegen können nicht nur leichte Textilien aus Hanf hergestellt werden, sondern auch reißfeste Seile und Gewebe.
  • Vielseitig: Hanffasern können vielseitig verarbeitet werden. Man kann daraus verschiedene Arten der Köperbindung (Denim, Fischgrätenmuster und Flanell) sowie verschiedene Arten gestrickter Textilien, einschließlich Jersey und Velours herstellen. Im Kombination mit Seide, kann Hanf zu einem steifen, glänzenden Stoff verarbeitet werden, der vor allem für Ball- und Brautkleider eingesetzt wird.
  • Antiallergen: Da weder bei der Ernte von Hanffasern noch bei der Verarbeitung schädliche Chemikalien eingesetzt werden, sind die Textilien frei von Gift und Schadstoffen, weshalb Kleidung aus Hanf vor allem für Allergiker und Menschen mit empfindlicher Haut besonders empfehlenswert sind.

Nun stellt man sich die Frage, wie man Hanf Textilien waschen soll und kann? Hanfstoff ist, wie die Pflanze selbst auch, unkompliziert und pflegeleicht. Er kann mit haushaltsüblichen Waschmaschinen und Waschmittel gereinigt werden. In Bezug auf die Temperatur muss man individuell je nach Art des Textils entscheiden. Selbst dem Schonprogramm des Trockners hält der Hanfstoff in der Regel stand. Bei einer mäßig heißen Temperatur bis maximal 150 °C kann der Stoff auch gebügelt werden.

Man braucht somit keine Sorge haben, Hanfstoffe können wie andere Stoffe auch ganz einfach gereinigt werden. Durch eine sorgfältige und schonende Wäsche, bleibt einem das Hanf Textil lange erhalten.