Sisters of the Valley – Nonnen auf heilender Mission

Titelbild: Pit Karges auf Pixabay

Armut und der Mangel an Wasser und Ressourcen waren der Auslöser für die heutige Bewegung der „Sisters of the Valley“. Die Welt braucht eine heilende, schützende Hand – und Cannabis. Somit beschlossen die Schwestern in Kalifornien Hanf auf eine spirituelle Art und Weise anzubauen und zuzubereiten, um damit die Welt zu heilen.

Die Mission der selbst ernannten Nonnen

Die selbst ernannten „Weed Nuns“ sind keine Nonnen im klassischen Sinn. Sie gehören keiner Kirche oder Religion an. Sich selbst bezeichnen die Schwestern nicht direkt als Aktivisten, sie wollen auch keine neue Religion formen. Es geht vielmehr um die Mission und Vision der Frauen: Menschen zu befähigen, sich selbst zu heilen. Religion hat in ihren Augen viel Schaden innerhalb der Menschheit sowie an unserem Planeten selbst angerichtet und hinterlassen.

Der Ort ihrer Farm stand repräsentativ für Armut, fehlenden Bildungssystemen, schlechten Umweltbedingungen und schweren Zuständen für die dort lebenden Menschen. Sie sehen ihre Aufgabe als Nonnen darin, das kalifornische Längstal („the Central Valley“) zu einem ertragreichen Anbaugebiet für Kräuter, Hanf und Cannabis umzufunktionieren. Eine Welt zu schaffen, in der pflanzenbasierte Ernährung und Heilung gelebt und gelehrt werden kann. Ihre Philosophie beschreibt das tägliche einfache und bescheidene Leben und Arbeiten miteinander sowie füreinander. Sie beten, lieben und stellen gemeinsam Medizin aus den Ressourcen her, die Mutter Natur ihnen gibt. In diesem Sinne kann man die Schwestern durchaus als Aktivistinnen beschreiben, die ihren eigenen Weg gefunden haben, um sowohl den Menschen vor Ort als auch unserem Planeten zu helfen. Orientieren tun sich die Schwestern dabei an den Beginen. Damit knüpfen sie an eine mittelalterliche Tradition an, Selbstentfaltung in der Gemeinschaft – ohne Männer. Die Beginen beschreiben einen Frauenorden, der die ersten Krankenschwestern organisierte. Zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Geschichte operierten die Beginen in allen großen Schlössern Europas. Sie lebten in Höfen und Konventen, fern von Kloster und Ehe. Auch das Anbauen von Hanf war damals schon Thema. Die spirituellen Frauen stellten daraus Textilien und Medikamente her, boten armen Frauen in Not Wohnraum, Essen und Arbeit an.

Die Entstehung der Schwesternschaft

Schwester Kate, heutige Äbtissin der „Sisters oft he Valley“, erklärte sich selbst in Folge der bankenkritischen Occupy-Bewegung im Herbst 2011 zur Nonne. Der Aktivismus der alleinigen anarchistischen Schwester wurde begrüßt. Sie baute ihre erste Cannabisernte selbst an und stellte 2014 ihre erste Produktcharge her. Der Grund für diese Bewegung war ursprünglich die Suchtkrankheit ihres Neffen. Mithilfe von Cannabis konnte sie ihn von seiner Heroinsucht befreien. Im Januar 2015 begann das Unternehmen dann offiziell mit dem Verkauf von Produkten und weitere Schwestern haben sich der Bewegung angeschlossen. Die Mitglieder hatten zuvor ganz alltägliche Jobs und Lebensentwürfe. Schwester Darcy beispielsweise arbeitete in einem Diner, bevor sie sich dazu entschlossen hat, sich Kate anzuschließen. Schwester Sydney kam aus Oregon dazu. Patienten mit einer sehr geringen Überlebenswahrscheinlichkeit fragten bei ihnen nach Rat, da Ärzte in Kalifornien Cannabis nur äußerst kranken und im Sterben liegenden Patienten verschrieben haben. Damit begann die Reise der Nonnen und die Recherche, wie man Parkinson- und Epilepsie- Patienten noch unterstützen kann. Es wurden Tinkturen angefertigt und Tees zusammengestellt, um die medizinische Eigenschaft von Cannabis weiterzugeben, ohne dass man das Kraut dazu rauchen muss. Sie machten es sich zur Lebensaufgabe, natürliche und pflanzliche Medizin aufleben zu lassen. Bis Ende 2019 sind rund 25 Mitglieder weltweit aktiv.

Schwestern statt Nonnen

Laut Definition im Wörterbuch handelt es sich bei den „Sisters of the Valley“ um echt Nonnen. Sie leben, arbeiten und beten zusammen und legen lebenslange Gelübde ab. Diese sechs Gelübde sind

  • Knechtschaft (oder Hingabe) gegenüber der Menschheit durch ihre Arbeit
  • Gehorsam (gegenüber den Zyklen des Mondes)
  • Einfaches Leben
  • Aktivismus
  • Keuschheit
  • Ökologisches Handeln

Unabhängig von der zutreffenden Definition einer Nonne, bevorzugen die „Sisters of the Valley“ den Titel Schwestern oder Schwesternschaft.
Die Schwestern leben keusch, aber nicht im Zölibat. Sie glauben außerdem an Männer- und Frauenarbeit und daran, dass die Beginen die Arbeit bewusst anhand des Geschlechtes organisiert haben. Allerdings liegt es auch an der Gemeinschaft, das Volk zu achten und ein Mann, der unbedingt mit Medikamenten arbeiten möchte, soll diese Tätigkeit gestattet werden. Vor allem aufgrund der Tatsache, dass sich nicht jeder mit dem Geschlecht identifiziert, in dem er geboren wurde.

Mehr Prinzipien als Religion

Das Christentum hat viel zur Entmachtung von Frauen und People of Colour beigetragen. Gewachsen ist das Glaubenssystem durch Abschlachtungen und Beschlagnahmungen von Land und Reichtum. Die Schwesternschaft positioniert sich klar gegen diese Fehltritte des Christentums. Sie zeigen Zusammenhänge zwischen der Bibel und dem Christentum auf, welches Frauen als spirituelle Führer entmachtet, den Planeten nicht respektiert und letztendlich auch zur Degradierung der pflanzlichen Medizin und der pflanzlichen Ernährung beigetragen hat. Die „Sisters of the Valley“ glauben zwar, dass das Universum von einem Gott geschaffen wurde, allerdings folgen sie nur den wenigstens christlichen Prinzipien. Auch sitzt Gott in ihrer Welt nicht auf einem Thron im Himmel und dirigiert von dort aus die Menschen auf dem Planeten. Sie sind davon überzeugt, dass Gott in jedem von uns manifestiert ist und lebt – wir sind eins mit ihm/ihr.

Dadurch und durch das Leben, welches sie führen, entsteht eine neue und modernere Form der christlichen Nonnen – eine gebildete, spirituelle und absichtliche Gemeinschaft. Außerdem glauben sie an Frauen mit Privateigentum, weshalb die Schwestern untereinander auch durch Geschäftseigentum gestärkt werden sollen. Frauen stellen in ihrer natürlichen Art Wegweisende und auch Geschäftsfrauen dar. Gleichzeitig stehen die Heilkräfte pflanzlicher Ernährung und pflanzlicher Medizin im Fokus. Diese Konzepte widerstreben dem klassischen Christentum. Dennoch soll die Schwesternschaft keine eigene Religion darstellen. Sie sind nicht daran interessiert, ihre spirituellen Überzeugungen zu verbreiten und um – überspitzt ausgedrückt – Geld durch den Verkauf ihrer Worte einzusammeln. Sie wollen den Menschen mehr bieten. Die Schwestern richten ihr Leben anhand von acht Grundüberzeugungen aus.

  1. Mondzyklen zur Orientierung für einen natürlichen Lebensrhythmus
  2. Leben in Harmonie mit der Natur
  3. Glaube an Gott/ Göttin als Schöpfer / Schöpferin
  4. Glaube an eine verborgene, geistige Welt
  5. Kontrolle der dunklen Kräfte in einem selbst
  6. Achtsamkeit gegenüber der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft
  7. Meiden derjenigen, die Macht durch das Leiden anderer suchen
  8. Respektvoller Umgang mit Menschen und deren spirituellen Überzeugungen (ausgenommen diejenigen, die das Volk zum Opfer machen)

Cannabis im Kloster erlaubt

Die erste Farm in Merced County, ein County im Zentrum des US-Bundesstaates Kalifornien, hat zwei Häuser. Eines davon ist das Kloster, in welchem die Medizin hergestellt wird. Die Küche in diesem besonderen Kloster wurde darauf ausgelegt, einen spirituellen Raum darzustellen, in welchem es möglich ist, sämtliche Tinkturen herzustellen. Zur Herstellung wird medizinisches Cannabis verwendet, welches einen hohen Anteil an CBD aufweist und einen möglichst geringen Anteil THC. Demnach werden die heilenden Eigenschaften in den Vordergrund gestellt und weniger die psychedelischen. Das Gefühl des ‚high‘ Werdens bleibt aus. Die Pflanzen werden durch die Nonnen selbst angebaut und das alles auf legalem Weg.

In Kalifornien ist es Patienten seit 1996 gestattet, Cannabis für medizinische Zwecke zu erwerben. Acht Jahre später eröffneten die ersten Läden, sogenannte Dispensaries, in denen man nach Vorlage eines entsprechenden Ausweises Cannabisknospen und andere Produkte kaufen konnte – unabhängig von dem Anteil des psychedelischen Wirkstoffes THC. Seit dem 1. Januar 2018 darf, aufgrund des Inkrafttretens eines neuen Gesetzes, jeder Erwachsene über 21 Jahre Cannabis konsumieren. Der Besitz, Transport und das Verschenken wird bis zu acht Gramm pro Person gestattet. Der Anbau ist pro Person auf sechs Pflanzen begrenzt. Um Cannabis zu gewerblichen Zwecken anbauen zu dürfen, bedarf es einer Lizenz, welche zu hohen Auflagen erworben werden muss. Die Schwesternschaft hat eine solche Lizenz und darf somit Cannabis aus medizinischen Gründen anbauen.

Der Alltag der „Sisters of the Valley“

Der Tagesablauf der einzelnen Schwestern ist individuell und abhängig von äußeren Faktoren. Jeder hat seine Verantwortlichkeiten und entsprechende Arbeiten zu erledigen. Das Leben in einer Gemeinschaft setzt die Einbehaltung verschiedener Regeln voraus – so auch bei den „Sisters oft he Valley“.

Sie arbeiten niemals in einer unordentlichen Umgebung. Sauberkeit steht in einem heiligen Raum, in dem Medikamente hergestellt werden, an erster Stelle. Die Beginen-Vormütter waren für ihre hervorragenden Leistungen bekannt, was in den Augen der Schwesternschaft auf disziplinäre Sauberkeit zurückzuführen ist. Sie glauben, dass man nur dann Spitzenleistungen erbringen kann, wenn man ein sauberes und geordnetes Leben führt. Nicht geduldet werden Anzeichen von Verachtung, beispielsweise in Form von Unterbrechungen, dazwischen Reden, Augenrollen oder Seufzen. Außerdem bezeichnen sie sich selbst als heilenden Stamm, der um Rat fragenden Menschen Medikamente zur Verfügung stellt. Es geht vielmehr darum die Menschen zu bedienen anstatt Produkte zu verkaufen. Die ganzheitliche Problemlösung steht im Fokus der Schwesternschaft. Lediglich die Problembekämpfung ist nicht zielführend. Der Konsum von Alkohol und Drogen in der Nähe des Arbeitsplatzes ist streng verboten. Außerdem wird dazu ermutigt, begonnene Projekte abzuschließen. Unvollendete Taten seien eine Form der Tyrannei gegen die Ordnung.

Die Schwestern tragen eine einheitliche Kluft um der Pflanze Respekt zu zeigen, die seit geraumer Zeit keinen empfängt. Zudem stellt eine einheitliche Kleidung einen Teil ihrer Meditation dar, um mit heiligen Vorfahren in Kontakt zu treten. Es soll die eigene Präsenz unterstreichen und die Solidarität mit muslimischen Frauen zeigen, die sich als einzige Frauen auf unserem Planeten wie die ernannten Vorfahren der Schwesternschaft kleiden. Bei der Arbeit verständigen sich die Schwestern untereinander in Form von Blicken und Gesten. Ein geneigter Kopf und kein Augenkontakt bedeutet so viel wie: “Sprich nicht mit mir, ich denke”.

Ein Segen für das CBD Öl

Die Cannabis Pflanzen werden im Garten angepflanzt und nach der Ernte zu verschiedenen Tinkturen, Salben oder Ölen weiterverarbeitet. Dieser Aufgabe widmen sich die Schwestern mit enorm viel Zeit und Mühe. All die positive Energie und harte Arbeit fließen in die pflanzliche Medizin.

Die Schwestern bereiten alle ihre Produkte während der Mondzyklen zu, inspiriert durch alte Weisheiten der Begine. Außerdem ist es Teil ihres Kernglaubenssystems, das Leben nach den Zyklen des Mondes auszurichten. Die Produkte werden somit unter äußerst spirituellen Gegebenheiten hergestellt und auch verpackt. Jedes Paket erhält seinen Segen und kauft man nur ein einzelnes Produkt, wird das Paket mit einem zusätzlichen Geschenk durch die Schwestern versehen. Diese glauben nämlich daran, dass ihre alten Mütter die Medizin von Hand ausliefern oder an ein vertrauenswürdiges Stammesmitglied übergeben würden. Die Medizin sollte demnach niemals alleine reisen, weshalb bei einzelnen gekauften Artikel ein repräsentativer Schutzbegleiter mitgesandt wird.

Weltweiter Verkauf der gesegneten CBD Produkte

Es gibt eine Vielzahl an Erkrankungen, die mit Hilfe von CBD behandelt werden können. Immer wieder bekommen die Schwestern gespiegelt, welche gesundheitlichen Erfolge durch das Einnehmen der alternativen Medizin erzielt wurde. Beispielsweise ist die Einnahme von Schlafmitteln nicht mehr notwendig und die Dosis an Schmerztabletten kann gesenkt werden. Dieses Feedback zeigt, dass die pflanzliche Medizin die Konsumenten in einer Art bedient, die die Schwestern zuerst gar nicht erwarteten. Sie sind lediglich einfache Frauen, die mit der Kraft der Natur arbeiten und mit diesem gestärkten Gefühl bereit dafür sind, das ganze System zu verändern – für die Menschen und für die Natur. Inzwischen verschicken die Schwestern ihre Produkte von den Farmen in Kalifornien aus in die ganze Welt und bauen verstärkt ihr Vertriebsnetzwerk aus.

Die Zukunft für die Schwesternschaft

Bisher hatten die Schwestern mit sehr viel Kritik zu kämpfen. Ihnen wurde nachgesagt, illegal Cannabis mit einem erhöhten THC-Anteil an der Straße zu verkaufen und Jesus zu leugnen. Alles daran ist jedoch Irrsinn. Sie wurden mit Aussagen konfrontiert, dass ihre heilige Dreifaltigkeit die Cannabispflanze sei. Zudem mussten sie sich gegen ein damals zur Debatte stehendes Cannabis-Verbot wehren. Doch für die Zukunft der Schwesternschaft wird weiterhin einheitlich gekämpft. Ihr langfristiges Ziel ist es, viele Frauen darin zu bestärken, ihrem Weg zu folgen und eigene Medizin aus selbst geernteten Pflanzenteilen herzustellen. Denn gerade jetzt ist es wichtiger als je zuvor, zurückzukehren zu fast vergessenen Methoden, um unseren Planeten zu retten.

Schwester Kate wünscht sich für die Zukunft eine weltweite Organisation von Heilerinnen und dass die »Sisters of the Valley« anhand ihrer violetten Tracht durch Leute auf der ganzen Welt als solche erkannt werden. Ausgebaut werden soll die Schwesternhaft durch ein größeres Angebot ehrenwerter und spiritueller Jobs für Frauen sowie den Wachstum durch den Großhandel. Frauen und Männer mit derselben Berufung sollen verbunden werden um mehr Menschen zu befähigen, sich selbst zu heilen. Wirtschaftliche Unabhängigkeit und die Förderung politischen Engagements von Frauen zählt ebenfalls zu den angestrebten Zielen der Schwesternschaft. Ebenso das Entstehen einer neuen Generation, die sich für Aktivismus einsetzt und die lokale, nationale und internationale Politik versteht.