Räuchern für mehr Wohlbefinden

Titelbild: Vasilijus Bortnikas auf Pixabay

Das Verbrennen von Pflanzen – das Räuchern – wird heute häufig in die Schublade der Esoterik gesteckt. Rituelle Räucherungen finden vor allem in der Kirche statt. Allerdings soll der Akt der Räucherns viel mehr eine traditionelle Heilanwendung darstellen. Durch das Einatmen der Düfte können die Pflanzen eine entspannende Wirkung auf unseren Körper haben, indem die Gefühlsebene angesprochen wird. Eine bereichernde Zutat von Rauchermischungen kann unter anderem auch Hanf sein.

Räuchern als lange Tradition

Das Räuchern bezeichnet den Brauch bzw. das Ritual des Verbrennens von bestimmten Stoffen. Dazu werden Pflanzenmaterialien wie zum Beispiel Harze, Hölzer, Blätter und Blüten verwendet. Dieser Brauch dient der Freisetzung von Duft- und Wirkstoffen und ist der Menschheit bereits seit prähistorischer Zeit bekannt. Räuchern zählt somit zu den ältesten Methoden der Anwendung von Düften mit unterschiedlichen Zielsetzungen. Häufig war es ein essentieller Bestandteil kultischer Handlungen zu jahreszeitlichen wie auch persönlichen Anlässen. Darunter fallen beispielsweise Feierlichkeiten zum Jahreszeitenwechsel, Geburten und Todesfälle. Somit wurden auch in Gräbern Räucherwerke als Beigaben gefunden. Seit 800 Jahren gehört das Weihrauch Räuchern im Christentum zum Kultischen, so wie in vielen anderen Religionen auch. Das Verräuchern von duftenden Substanzen bzw. Materialien wie Tiersekreten, Mineralien und natürlich Pflanzenteilen zählte zu nahezu allen Zeiten und in den unterschiedlichsten Kulturen zum festen Bestandteil eines religiösen und profanen Lebens. In diesem Brauch sehen die Menschen neben der aromatischen Wirkung auch eine reinigende Bedeutung. Sowohl von innen, als auch von außen. Der Einsatz von Rauch wurde unter anderem zur Desinfektion von Bekleidung und Räumen genutzt. Insbesondere dann, wenn sich in den Räumlichkeiten zuvor erkrankte Menschen aufgehalten haben. Wacholder sollte als Räucherholz beispielsweise dabei unterstützen, die Pest zu vertreiben. Zudem wurden verschiedene Pflanzen zur Schädlingsbekämpfung und zum Vertreiben von Motten verräuchert. Bis heute besteht der Einsatz von Räucherwerk zur Konservierung bzw. Aromatisierung von Lebensmitteln. Dazu zählen hauptsächlich Fleisch, Geflügel, Fisch und Käse. Über einen längeren Zeitraum hinweg setzt man die Lebensmittel dem Rauch von Holzfeuer aus, wodurch diese anschließend länger haltbar sind.

Die Kontaktaufnahme mit dem Transzendenten gilt wohl als meistverbreitetes Ziel des Räucherns, weshalb die Praktiken oft als esoterischer Humbug abgetan werden. Einige Völker glaubten daran, dass dem Räucherwerk eine pflanzliche Seele innewohnt, die beim Verbrennen freigesetzt wird. Diese soll bei den unterschiedlichsten Anliegen helfen. Vor allem die Schamanen und PriesterInnen der alten Völker versetzten sich mit Hilfe des aufsteigenden Rauches von geeignetem Räucherwerk in Trance und reisten in andere Welten und Sphären. Sie gaben an, dadurch in die Zukunft schauen zu können und waren als Heiler im Einsatz. Im Laufe der Geschichte hat sich eine Vielzahl an Räucherritualen und Praktiken herausgebildet. Der Weihrauchgeruch aus der Kirche soll beispielsweise mit den Gebeten nach oben in die göttliche Sphäre ziehen und schafft dadurch eine Verbindung zwischen dem Irdischen und Gott. In der Zeit zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag haben unsere Vorfahren besonders intensiv geräuchert. Man spricht deshalb auch von der Zeit der Rauhnächte. Der Hintergrund war der Glaube daran, dass die Geister zu dieser Zeit um Licht und Dunkelheit kämpften. Zum Schutz vor bösen Geistern hat man somit Haus, Hof und Viehstall ausgeräuchert.

Das Vertrieben von bösen Geistern steht heute nicht mehr im Vordergrund beim Räuchern. Trotzdem soll das Ausräuchern von Räumen symbolisch dazu beitragen, Altlasten abzutransportieren um damit Raum für Neues zu schaffen. Auch heute gibt es im Laufe des Jahres noch einige Anlässe zum Räuchern, die sich über die vielen Jahrzehnte hinweg gehalten haben. Beispielsweise zum Frühjahrsputz im Frühling, zur Sommersonnenwende im Juli oder zur Erzeugung einer besinnlichen Atmosphäre in der Adventszeit.

Räuchern im Alltag

Doch nicht nur zu bestimmten traditionellen Anlässen, werden diese Rituale aufgelebt. Egal ob am Arbeitsplatz im Büro oder zuhause im Wohnzimmer, das Räuchern kann auch im Alltag seinen Nutzen haben. Der Verräuchern von aromatischen Pflanzen und das damit verbundene Einatmen der Duftstoffe schafft eine Atmosphäre von geistigem und körperlichen Wohlbefinden und wird dadurch gerne in der Wellness-Branche verwendet. Der Raumduft für zuhause wirkt harmonisierend und bringt Ruhe und Entspannung in die eigenen vier Wände. Die Gerüche der Räucherstoffe dringen in die tiefen Schichten des Unterbewusstseins ein und entfalten hier ihre ganze Wirkung. Durch das Verbrennen von Harzen, Hölzern und Kräutern werden diesen ihre eigentliche Essenz entlockt. Meistens sind es die enthaltenen ätherischen Öle, die für ein wundervolles Wohlgefühl sorgen und über die Nase zum Geist emporsteigen. Das Räuchern beruht somit auf dem Prinzip der Aromatherapie, welche mit den aus Pflanzen gewonnen ätherischen Ölen arbeitet, um das Wohlgefühl zu steigern oder Krankheitsbeschwerden zu lindern.

Verschiedene Räuchermethoden

Als Pflanzenteile eignen sich Blumen, Gräser, Kräuter zum Räuchern. Auch Harze stellen ein gutes Räucherwerk dar. Der verwendete Weihrauch aus der Kirche stammt beispielsweise vom Harz des Weihrauch Baums. Dieser ist vor allem im Orient oder Somalia stark vertreten. Doch auch der Harz von der Fichte aus dem heimischen Wald kann verwendet werden. Je nachdem was geräuchert wird, bieten sich unterschiedliche Methoden an.

Räucherstäbchen

Die einfachste Variante ist das Räuchern mit Räucherstäbchen beziehungsweise Räucherkegel. Solche findet man häufig in Drogeriemärkten und Teegeschäften wieder. Es handelt sich dabei um pulverisiertes Räucherwerk, welches in eine bestimmte Form gepresst wird. Es entsteht ein sanfter Rauch, der sich im ganzen Raum ausbreitet. Die Problematik dahinter ist das fehlende Wissen über die Verarbeitung des Räucherwerks und eventuell enthaltene synthetische Stoffe, die eher weniger Eingeatmet werden sollten. Somit ist es essentiell, das Produkt vor dem Kauf hinsichtlich der Qualität zu überprüfen.

Räuchern mit Kohle

Beim Räuchern mit Kohle handelt es sich um eine sehr intensive Methode, bei welcher die Rauchentwicklung extrem hoch ist. Die extra für diesen Zweck hergestellten Räucherkohlen weisen in der Mitte eine Vertiefung auf. In diese Vertiefung wird bei Verwendung das Räucherwerk platziert. Man findet die Räucherkohlen in fast jedem Drogeriemarkt oder in Bioläden. Ist die Kohle erstmal durchgeglüht, wird sie in einem feuerfesten, mit Sand gefüllten Gefäß platziert. Das Räucherwerk wird dann in der Mitte platziert, wenn sich der Rand der Kohle weiß verfärbt hat. Aufgrund der hohen Rauchentwicklung ist bei dieser Methode das Lüften während oder direkt nach dem Räuchern ganz wichtig, da sonst die Atemwege gereizt werden können oder Kopfweh entsteht. Der Rauch zieht durch das Lüften aus dem Zimmer raus, der Duft aber bleibt. Außerdem ist es empfehlenswert, die Rauchmelder in den Räumen für den Zeitraum der Räucherung auszuschalten.

Räuchern mit einer Kerze

Für die dritte Variante benötigt man ein Stövchen, ein Metallsieb und natürlich eine Kerze. Die Kerze brennt in dem Stövchen und erhitzt das darauf liegende Metallsieb, welches mit dem Räucherwerk bestückt werden kann. Sobald das Metallsieb heiß genug ist, steigt der Rauch auf. Diese Methode ist in der Rauchentwicklung deutlich sanfter als beim Räuchern mit Kohle und eignet sich optimal für das Räuchern von Kräutern. Wenn man Harze verwenden möchte, sollte man das Sieb vorher mit einem Stück Alufolie bedecken, damit das flüssige Harz nicht in die Flammen tropft.

Räuchern mit Räucherbündel

Beim Räuchern mit Räucherbündeln kann man auf fertige Produkte zurückgreifen oder die Bündel auch einfach selbst herstellen. Das Bündel wird an der Spitze angezündet und soll somit anfangen zu glimmen. Entsteht eine Flamme, sollte diese vorsichtig ausgepustet werden.

Medizinische Räucherungen

Neben der reinigenden und aromatischen Wirkung des Verräucherns bestimmter Pflanzenteile, sehen viele Menschen darin auch eine heilende Wirkung. Auf dem asiatischen Kontinent gilt das Räuchern zum Beispiel als Teil der ayurvedischen Medizin. Auch in China, Tibet, Nepal oder Bhutan praktiziert man schon lange Räucherrituale zur Heilung diverser Krankheiten. Beliebt sind hierbei bestimmte Heilpflanzen, die zugleich auch als Räucherwerk fungieren. Die Methode stellt eine zusätzliche Art dar, die Heilkraft der Pflanzen wirken zu lassen. Seit geraumer Zeit ist die Wirkung von Gerüchen auf unser psychisches und physisches Wohlbefinden wissenschaftlich nachgewiesen. Dies ist auch nicht verwunderlich wenn man bedenkt, dass Pflanzen mit Hilfe ihrer ätherischen Öle untereinander kommunizieren, Schädlinge abwehren oder Insekten als Helfer anlocken. Durch das Räuchern werden eben diese Duftstoffe freigesetzt. Je nach Pflanze und Pflanzenteil haben die ätherischen Öle eine bestimmte Wirkungen auf den menschlichen Körper. Manche wirken beruhigend und entspannend, während andere wiederum den Körper anregen und energetisch aufladen. Somit kann man durch die Verwendung der entsprechenden Zutaten das Wohlbefinden steigern, Krankheiten entgegenwirken, zu einer entspannten Atmosphäre beitragen oder der tiefsitzenden Frühjahrsmüdigkeit entgegenwirken.

Passendes Pflanzenmaterial zum Räuchern

Demnach ist die Wahl der Kräutermischung ausschlaggebend, um die gewünschte Wirkung zu erzielen. Beliebt sind besonders solche Kräuter, die eine desinfizierende und antibakterielle Wirkung aufweisen.

Eine Mischung für mehr Wohlbefinden beinhaltet beispielsweise Beifuß, Fichte und Wacholder. Während Beifuß Schutz bietet und Räume reinigen soll, eliminiert das Harz der Fichte Viren und Bakterien in der Luft. Die Nadeln der Fichte stecken voller ätherischer Öle, welche erfrischen und Kraft schenken. Der Wacholder wirkt klärend, reinigend und desinfizierend. Für eine Gute-Laune-Mischung wird das Harz des orientalischen Amberbaums – Styrax- mit Rosen kombiniert. Styrax duftet vanillig-blumig, entspannt und zaubert ein Lächeln ins Gesicht. Die Waldmischung aus Engelwurz und Dost erdet. Während der Engelwurz eine ausgleichende Eigenschaft aufzeigt, wirkt der Dost entzündungshemmend.

Räuchern mit Hanf

Das Räuchern mit Hanf ist eine Anwendungsmöglichkeit in der Hanfbranche, die jenseits von Joint und Vaporizer liegt und deswegen kaum bekannt ist. Dabei handelt es sich hierbei ebenfalls um eine Pflanze, welche aufgrund ihrer Inhaltsstoffe großes Potential aufweist und bereits seit vielen Tausend Jahren geräuchert wird. Getrocknete Hanfblätter, -blüten oder Schnittreste in Kombination mit anderen Pflanzen können wirkungsvolle Synergien bilden. Herodot (ca. 490–430 v. Chr.) war ein griechische Historiker und stellte in seinem Geschichtswerk als Erster die schamanische Cannabis-Anwendung als Räuchermittel dar.

Bei Begräbnis- und Reinigungsritualen bauten die Skythen über einem Feuer ein Filzdeckenzelt auf. In dieses setzten sie sich und warfen Cannabissamen auf die glühenden Steine. Die dabei entstandenen Dämpfe wurden dann zur Erzeugung eines Wohlgefühls inhaliert. Ähnlich ging es in Europa zu. Mittelalterlichen Quellen beschreiben, wie das ins Feuer werfen großer Mengen Hanf bei Festen dazu beigetragen hat, die Stimmung zu heben. Bis ins 19. Jahrhundert wurden solche Räuchereien in Deutschland bei der jährlichen Hanfernte ebenfalls durchgeführt. Zusätzlich räuchert man in Pakistan und Indien mit Haschisch als Gegenmittel bei einer Vergiftung.

Weiter bekannt ist die entspannende und beruhigende Wirkung von Hanf in Räucherwerken. Immer mehr Menschen leiden unter Schlafstörungen. Diese wiederum beeinträchtigen die Leistungsfähigkeit, die eigene Laune sowie die Lebenslust. Manche Menschen haben Probleme mit dem Einschlafen, andere pflegen einen unruhigen Schlaf und wachen bereits nach wenigen Stunden wieder auf. Das kann viele Gründe haben, einer davon kann unsere aufwühlende und immer schneller werdenden Welt sein. Synergetische Räucherungen mit Hanf können in diesem Fall kleine Wunder bewirken. „Nepali Sleeping Gas‟ ist eine traditionell aus Nepal stammende Räuchermischung pflanzlicher Stoffe, welche einen tiefen und ruhigen Schlaf fördern soll. Darin enthalten sind Maidalnuss (Catunaregam spinosa), Hanfkraut, Tabak und Stechapfelblätter.

Vorsicht ist jedoch geboten bei der Verwendung von THC haltigem Cannabis. Psychoaktive Räuchermischungen können bei entsprechender Anwendung den Geist ebenso erweitern wie gerauchtes Kraut oder Harz.

Die richtige Wahl des Räucherwerks

Der Handel weist bereits etliche Kräutermischungen auf, die sich zum Räuchern anbieten. Bei der Auswahl sollte jedoch auf die Qualität der Produkte geachtet werden. Besonders exotische Kräuter haben oft eine lange Anreise hinter sich und sind zum Teil mit synthetischen Stoffen versetzt. Herkunftsland und die genaue Zusammensetzung solcher Mischungen sind zu prüfen, ebenso wie eine vorhandene BIO-Zertifizierung. Solche Räuchermischungen mit Hanf können unter anderem im Online-Shop erworben werden.

Wer nicht auf das fertige Räucherwerk im Handel zurückgreifen möchte, kann die Räucherbündel auch selbst herstellen. Dazu ist jetzt die beste Zeit. Im Sommer blüht es an jeder Ecke und die Pflanzen sind dadurch meistens auch besser zu bestimmen. Bei der Auswahl kann man sich von seiner Nasen lenken lassen, sollte aber dennoch die beabsichtigte Wirkung im Hinterkopf behalten. Grundsätzlich ist zu beachten, dass nur Pflanzen verwendet werden sollten, die man selbst sicher bestimmen kann um auszuschließen, dass diese Giftstoffe enthalten. Pflanzen an stark befahrenen Straßen oder in der Nähe von umweltbedenklichen Fabriken sollte man ebenfalls nicht verwenden. Werden diese Kriterien berücksichtigt, eignen sich nahezu alle Teile der auserwählten Pflanze: Blätter, Blüten, Holz und sogar Wurzeln. Bevor diese nun weiterverarbeitet werden, bedarf es einer schnellen Säuberung. Das Harz beispielsweise muss von Pilzen und Holz befreit werden. Bis auf das Harz können die gesammelten Pflanzenteile anschließend zusammengepresst und mit einer Kordel ganz streng umwickelt werden. Das Bündel sollte an einem trockenen warmen Ort zum Durchtrockenen aufgehängt werden, damit sich kein Schimmel bildet. Das Harz eignet sich für Verräucherungen mit Hilfe von Räucherkohle und muss nicht weiterverarbeitet werden.