Organischer Dünger statt Windpinkeln in Amsterdam

Titelbild: djedj auf Pixabay

Ein niederländisches Startup installiert nachhaltige Urinale in Amsterdam. Dadurch soll der enormen Rate an Wildpinklern entgegengewirkt werden. Tatsächlich ist in Folge dessen die Anzahl bereits 2018 um die Hälfte gesunken. Der Urin vermischt sich mit den Hanffasern im Inneren der Pissoirs und bildet organischen Dünger. Dieser kann wiederum zur ökologischen Pflege von Grünanlagen genutzt werden.

Amsterdam kämpft gegen feierwütige Touristen

Die Grachtenstadt Amsterdam hat jährlich mit einem großen Ansturm von Touristen zu kämpfen. Auch in diesem Jahr rechnet man aufgrund der Lockerungen der Corona-Regeln mit einem vermehrten Ansturm. Durch das „Sex & Drugs & Rock ’n’ Roll“ Image der Stadt, kommt es jedoch auch vermehrt zu schlechtem Benehmen. Alkoholkonsum und grölende Menschen auf der Straße, unbedacht entsorgter Müll und Wildpinkeln in der Altstadt sind dabei keine Seltenheit. Inzwischen hat die Stadt Maßnahmen getroffen, um dieses Benehmen zu unterbinden. Ordnungskräfte sollen somit auch bei kleineren Vergehen hart durchgreifen und Geldbußen sofort kassieren. Einmal Wildpinkeln wird mit 140€ Strafe geahndet.

Nachhaltige Pissoirs für eine saubere Stadt

Das Unternehmen GreenPee produziert nachhaltige Urinale um dem Problem der Wildpinkler entgegenzuwirken. Durch ihre Expertise im Bereich der Umweltpsychologie konnte ein Produkt geschaffen werden, welches sowohl das Problem angeht als auch gleichzeitig optisch ansprechend ist. Das schlanke Design der Pissoirs in Kombination mit einer zusätzlichen Grünfläche verwandelt ein gewöhnliches Urinal in einen funktionalen Blumenkasten im öffentlichen Raum. Mit Hilfe eines eingebauten In-Hydro-Systems wird in einem 30-Liter-Reservoir Regenwasser aufgefangen, weshalb die Pflanzen selbst bei Trockenheit nur selten gegossen werden müssen. Außerdem benötigt das GreenPee auch für die Verwendung als Urinal keinen Wasser- oder Abwasseranschluss, wodurch die Umwelt deutlich weniger belastet wird. Durch intelligente Sensoren wird der Füllstand des Tanks gemessen. Ist dieser fast voll, wird automatisch eine SMS an den Verantwortlichen gesendet.

Darüber hinaus wird ein Beitrag zur Wiederverwertung von Rohstoffen geleistet. Der Tank des GreenPee ist mit Material aus Hanffasern gefüllt, welches den Urin auffängt. Diese Mischung kann im Anschluss kompostiert werden. Es entsteht ein phosphatreiches organisches Düngemittel, womit Grünflächen auf natürliche Weise gedüngt werden können. Durch die Verwendung der geruchsabsorbierenden Hanffasern ist die Benutzung vollständig geruchsneutral.

Vorteile von organischem Dünger

Organischer Dünger gewinnt immer mehr an Beliebtheit. In der Landwirtschaft wird organischer Dünger in Form von Abfallstoffen verwendet. Mist von Kuh, Schwein und Huhn wird auf den Feldern verteilt und hinterlässt einen strengen Geruch. Abfälle von Biogasanlagen werden ebenfalls verwendet. Hierbei handelt es sich beispielsweise um ein Gemisch aus Maispflanzen und Gülle. Wichtige im Dünger enthaltenen Stoffe sind dabei Stickstoff, Phosphat und Kalium.

Diese sind ebenfalls im mineralischen Dünger vorhanden. Hierbei handelt es sich allerdings zum Großteil um Salze, die aus dem Bergabbau gewonnen werden oder chemische Verbindungen, die durch Syntheseprozesse entstehen. Im Gegensatz zu organischem Dünger kommen zur Herstellung von mineralischem Dünger somit diverse aufwändige chemische Verfahren zum Einsatz. Insgesamt ist der Energieaufwand bei der Produktion sehr hoch. Die Synthese von Luftstickstoff zur Herstellung von Nitrat trägt außerdem zur Veränderung des globalen Stickstoffkreislaufes bei. Kommt es zu einer Überdüngung des Pflanzenreichs, sickern die Stoffe in tiefere Bodenschichten und belasten dadurch das Grundwasser, Seen und Meere.

Die Verwendung von organischem Dünger hat zwar eine langsamere Wirkgeschwindigkeit als mineralische Düngemethoden, jedoch ist die Düngewirkung langanhaltender. Sie enthalten neben den üblichen Hauptnährstoffen zudem viele Vitamine, Spurenelemente und Wirkstoffe. Außerdem wird das Bodenleben gefördert, die Bodenstruktur verbessert und der pH-Wert nicht beeinflusst. Nicht zuletzt sind die Gefahren durch eine zu hohe Konzentration von organischem Dünger viel geringer als im Fall von mineralischem. Es treten keine Blatt- und Wurzelverbrennungen auf und eine Gefährdung der Gesundheit von Kindern und Haustieren ist nicht gegeben.

Zu den bekanntesten organischen Düngern zählen Kompost und Mist. Man verwendet somit nur die Nährstoffe, die ohnehin im Nährstoffkreislauf vorhanden sind. Dadurch sind organische Düngemethoden nicht nur besser für die Umwelt, sie sind auch nachhaltiger als mineralische Dünger. GreenPee ist mit seinem Urinal also auf dem besten Wege nicht nur die Städte frei von Wildpinklern zu halten sondern auch noch einen positiven Beitrag für die Umwelt zu leisten.