Mögliche Wechsel- und Nebenwirkungen mit und durch CBD – das sagt die WHO dazu

Titelbild: Terre Di Cannabis auf Pixabay

Die positiven Effekte von CBD als Heilmittel scheinen äußerst vielfältig zu sein. Etliche Studien berichten über eine erfolgreiche Behandlung von Krankheitsbildern wie Multiple Sklerose, Depression oder Alzheimer durch CBD. Bei Fitness Coaches ist CBD im Gespräch um die Regeneration der Muskeln zu beschleunigen. Auch bei Tieren soll CBD zur Verbesserung des Allgemeinzustandes beitragen und bei diversen Krankheitsbildern unterstützen. CBD gilt somit als hilfreicher Allrounder bei den unterschiedlichsten Beschwerden.

Doch wo ist da der Haken? Welche Nebenwirkungen erwarten mich? Gibt es mögliche Wechselwirkungen, die ich vor der Einnahme abklären muss? Und besonders interessant: Was sagt eigentlich die World Health Organization (WHO) dazu?

Die stetige Verbesserung der Gesundheit aller Menschen im Blick – dafür steht die WHO

Die Weltgesundheitsorganisation ist für die öffentliche Gesundheit im Rahmen der Vereinten Nationen (UNO) zuständig. 1948 wurde die Organisation ins Leben gerufen. Dahinter steht der Grundsatz, „dass Gesundheit ein Menschenrecht ist und alle Menschen ein Anrecht auf ein Höchstmaß an Gesundheit haben.“ Der Leitgedanke der WHO bündelt sich darin, nach einer besseren Gesundheit für alle Menschen dieser Welt zu streben. Durch die Arbeit der WHO konnten bereits einige Erfolge erzielt werden. Dazu zählt die allgemein gestiegene Lebenserwartung von Männern und Frauen, die Verbesserung der Gesundheit von Müttern während der Schwangerschaft und Entbindung sowie der Rückgang von Tuberkuloseanfällen in WHO-Gebieten.

Aus diesem Grund ist es natürlich wichtig zu wissen, was die Weltgesundheitsorganisation zu dem Thema CBD sagt und wie sie die Wirkung des Cannabinoids einschätzt.

Die WHO steht hinter dem Wirkstoff CBD

Bereits im November 2017 hat die WHO Cannabidiol als prinzipiell ungefährlich eingestuft. Es wurde entschieden, dass reines CBD keine Gefahr für die öffentliche Gesundheit darstellt und damit auch das internationale Verbot dieser Substanz nicht gerechtfertigt ist. 2018 sollte dann ein vollständiger Bericht über CBD folgen. Der Sachverständigenausschuss für Drogenabhängigkeit kam also im Juni 2018 noch einmal zusammen um CBD und die damit verbundenen Wirkungen auf unseren Körper genauer zu untersuchen. Das Ergebnis ist positiv. CBD weist laut der WHO kein Potential auf, in irgendeiner Weise missbräuchlich verwendet werden zu können. Auch besteht keine Gefahr von dem natürlichen Cannabinoid abhängig zu werden. Außerdem wurde durch die Organisation bestätigt, dass es viele Anwendungsmöglichkeiten als Heilmittel gibt. Als Beispiel wurde unter anderem die erfolgreiche Behandlung von Epilepsie mittels Epidiolex (ein CBD-Produkt) erwähnt. Diese Behandlungsmethode wurde übrigens im Juli dieses Jahres auch in Deutschland durch den Ausschuss für Humanarzneimittel freigegeben. 1

Nebenwirkungen von CBD

Die Wirkung von CBD beim Mensch oder Tier ist auf das körpereigene Endocannabinoid-System zurückzuführen. Der Körper wird durch die Zugabe von CBD dabei unterstützt, sich selbst zu regulieren. Nebenwirkungen von CBD sind deswegen kaum bekannt. Auch die WHO bestätigt, dass der Wirkstoff ein gutes Sicherheitsprofil aufweist und allgemein gut verträglich ist. Es gibt bis heute keine Nachweise für öffentliche Gesundheitsprobleme, welche auf den Konsum von CBD zurückzuführen wären. Allerdings gibt es ein paar Fälle, in denen es unbedingt der Absprache mit einem kompetenten Arzt bedarf.

  • Schwangere sollten auf den Konsum von CBD verzichten, da dieses die normale Funktion der Plazenta ungünstig beeinflusst.
  • Ebenso ist Vorsicht geboten bei Patienten, die einen Leberschaden oder erhöhte Leberwerte aufweisen.
  • Besonders vorsichtig sollten Glaukom-Patienten sein. Es existieren Forschungsergebnisse, die Rückschlüsse zulassen, dass CBD den Augeninnendruck anhebt. 2

Es müssen allerdings weitere Studien durchgeführt werden um über diese Einzelfälle bessere Aussagen treffen zu können.

Achtung bei qualitativ schlechten Produkten

Auch wenn bisher keine öffentlichen Gesundheitsprobleme durch die Zugabe von CBD bekannt sind, kann es durch den Konsum zu negativen Folgen kommen. Dies liegt aber dann mit großer Wahrscheinlichkeit an den weiteren Inhaltsstoffen, welche durch eine schlechte Verarbeitung oder Herstellung in den CBD-Präparten vorkommen. Sind die Präparate mit Chemikalien belastet, kann es schnell zu gesundheitlichen Problemen kommen. Deswegen ist es äußerst wichtig, auf die Qualität des Produktes zu achten. Es empfiehlt sich daher auf das BIO-Siegel zu achten. Dies stellt sicher, dass die verarbeiteten Blüten nicht mit Pestiziden belastet sind. Auch sollte das Herstellungsverfahren genauer unter die Lupe genommen werden. Die Extraktion mittels CO2 ist für die Umwelt von Vorteil, da kein Butan eingesetzt wird. Außerdem werden für dieses Verfahren nur geringe Temperaturen benötigt, weshalb es energiesparender ist. Wichtig ist, dass es sich vollständig vom Extrakt löst, weshalb eine Verunreinigung ausgeschlossen ist. Ein vorhandenes Analyseprofil kann dir bei der Suche nach einem qualitativ hochwertigen Produkt helfen.

CBD wird medizinisch anerkannt

Aufgrund der bisherigen Erkenntnisse, wird CBD für die Forschung und den Einsatz in der Medizin immer beliebter. Dafür sprechen auch die Tatsachen, dass CBD weder psychoaktiv noch toxische Auswirkungen haben soll.

Wenn Cannabidiol durch verschiedene Verfahren aus der Pflanze extrahiert wird, ist der THC so gering, dass es nicht möglich ist, durch den Konsum high zu werden. Die WHO verweist auf sämtliche Studien, die auch bei einer sehr hohen Dosierung von CBD keinerlei psychoaktive Wirkung feststellen konnten. Auch die möglichen toxischen Auswirkungen von CBD wurden durch die Weltgesundheitsorganisation mittels aktueller Literatur genau geprüft. Die Vergiftungsgefahr durch CBD ist nahezu ausgeschlossen. Es wirkt sich hemmend auf das Wachstum von Tumorzellen aus. Gesunde Zellen werden dadurch allerdings in den meisten Fällen nicht beeinflusst. Auf die embryonale Entwicklung nimmt es ebenfalls keinen Einfluss.

Der medizinische Nutzen von CBD wurde durch die WHO in ihrem Abschlussbericht anerkannt. Solche Produkte, deren THC-Gehalt unter 0,2% liegen, sollten generell aus dem Einheitsabkommen über die Betäubungsmittel (Single Convention) entfernt werden. Das fordert die WHO in ihrem Abschlussbericht. Auch empfiehlt die WHO nach der erneuten Analyse von Cannabisprodukten den Mitgliedsstaaten eine generelle Neuklassifizierung von Cannabis. 3 Ob dies tatsächlich geschieht, wird sich 2020 zeigen.

Mögliche Wechselwirkungen mit CBD

Eben auch durch dieses Statement der WHO steigt der Einsatz von CBD in der Medizin. Für Patienten und Ärzte stellt sich demnach berechtigterweise die Frage: Was ist, wenn durch den Patienten bereits wichtige Medikamente eingenommen werden müssen? Man weiß, dass Cannabis an sich mit Medikamenten in Wechselwirkung tritt. In positiver wie in negativer Hinsicht. Als positiv kann man beispielsweise die Wechselwirkung zwischen schmerzlindernden Medikamenten und Cannabis Präparaten nennen. Studien zeigen, dass Patienten mit chronischen Schmerzen weniger Schmerzmittel einnehmen müssen, wenn sie gleichzeitig Cannabis konsumieren. Außerdem wirkt Cannabis in dem Fall auch gegen die durch die Medikamente aufkommende Übelkeit und das Erbrechen. Eher weniger schön ist allerdings die Wechselwirkung von Cannabis und Beruhigungs- und Schlafmitteln sowie muskelrelaxierenden Medikamenten. Hier kann es zu einer Wirkungsverstärkung kommen. Starke Benommenheit, Schwindel und Sturzgefahr können die Folge sein. Dies ist nur ein kleiner Ausschnitt möglicher Wechselwirkungen zwischen verschreibungspflichtigen Cannabispräparaten und Medikamenten.

Doch wie ist das bei CBD? Können die Wechselwirkungen auch bei den frei käuflichen CBD Produkten auftreten?

Auszuschließen ist dies nicht, allerdings ist bisher nur sehr wenig über mögliche Wechselwirkungen mit CBD bekannt. Man weiß aber, dass durch die Verarbeitung von CBD die Leber gut beschäftigt ist. 7 von insgesamt 14 CYP Enzymen der Leber sind daran beteiligt. Bei Medikamenten, für deren Stoffwechsel diese Enzyme erforderlich sind, kann es folglich zu Wechselwirkungen kommen. Hier folgt eine kleine Auflistung der betroffenen 7 Enzyme:

  • CYP1A1: Ebenfalls darauf angewiesen ist der Wirkstoff Theophyllin, welcher häufig bei Asthma eingesetzt wird.
  • CYP1A2: Dieses Enzym ist für die Oxidation von Umweltgiften (Alkohol & Zigaretten) sowie verschiedenen Medikamenten (z.B. Paracetamol) verantwortlich.
  • CYP2C9: Schmerzmittel mit entzündungshemmender Wirkung beanspruchen dieses Enzym ebenfalls.
  • CYP2C19: Dieses Enzym ist für die Verarbeitung von Protonenpumpen-Hemmer und zahlreiche Psychopharmaka zuständig.
  • CYP2D6: Das wichtigste Enzym beim Stoffwechsel von Medikamenten. Fast 1/3 der meistverbreiteten Wirkstoffe ist darauf angewiesen.
  • CYP3A4: Dieses Enzym ist hauptsächlich an dem Stoffwechsel von endogenen Steroiden und Xenobiotika beteiligt.
  • CYP3A5: Dieses Enzym ist innerhalb der kaukasischen Bevölkerung kaum aktiv.

Werden also neben dem Konsum von CBD Produkten zusätzlich Medikamente verabreicht, deren Wirkstoffe auf die sieben Enzyme angewiesen sind, kann die Wirkung des jeweiligen Medikamentes entweder verstärkt oder geschwächt werden. Betroffene Medikamente können Antibiotika (z.B. Rifampicin) oder Gerinnungshemmer (z.B. Warafin) sein. Auch die Neuroleptika Clobazam und Risperidon weisen einen Stoffwechsel auf, an dem die beschriebenen Enzyme beteiligt sind. Klassische Säureblocker wie Pantoprazol und Omneprazol können ebenfalls Wechselwirkungen hervorrufen. Nicht zuletzt sollte Vorsicht bei nicht-steroidalen Schmerzmitteln wie zum Beispiel Ibuprofen und Paracetamol geboten sein. Solltest du also über einen längeren Zeitraum Medikamente zu dir nehmen, ist eine Absprache mit dem Arzt zwingend notwendig. Auch dürfen natürlich keine Medikamente ohne Rücksprache mit dem Arzt zu halten einfach abgesetzt werden.

Es kann durch die entstehenden Wechselwirkungen dazu kommen, dass die Wirkung des Medikaments verstärkt wird und demnach die Dosierung reduziert werden kann. Patienten berichten zum Beispiel über einen niedrigeren Blutzuckerspiegel in Kombination mit der Zugabe von CBD. Aber auch CBD ist kein Wundermittel und verträgt sich nicht immer zu 100% mit weiteren Medikamenten. Allerdings sind diese Wechselwirkungen deutlich geringer als die Wechselwirkung zwischen den konventionellen Medikamenten unter sich. Eine Generalisierung von möglichen Wechselwirkungen ist jedenfalls nicht möglich. Jeder Mensch verstoffwechselt aufgrund der individuellen Enzymbesetzung Medikamente anders, ebenso das CBD. Nichts desto trotz sollte man die Zugabe von CBD bei starken Effekten wie Schwindel, Benommenheit oder Mundtrockenheit pausieren. 4

Fazit

Einen Haken hat die Einnahme von CBD nicht, wie die Weltgesundheitsorganisation bestätigt hat. Es ist lediglich wichtig zum einen auf die Qualität des Produktes Wert zu legen und die Kombination mit weiteren Medikamenten mit dem Arzt deines Vertrauens abzusprechen, solltest du diese über einen längeren Zeitraum einnehmen müssen. Hierbei ist es einfach wichtig, offen zu kommunizieren und keine Selbstversuche zu starten. Vor allem wenn du aus gesundheitlichen Gründen auf diese Medikamente angewiesen sein solltest. Schwangere sollten die Selbstbehandlung mit CBD nicht einfach eingehen, da das Risiko für das Baby zu hoch ist. Ebenso Menschen mit Leberschäden oder Glaukom-Patienten müssen zuvor mit ihrem Arzt Rücksprache halten. Solltest du deine Tiere mit CBD behandeln wollen, gilt das Gleiche. Halte bitte zuerst Rücksprache mit deinem Tierarzt um mögliche Wechselwirkungen auszuschließen. Besondere Vorsicht ist auch bei Katzen geboten, da deren Enzyme anders aufgestellt sind.

Ansonsten bleibt nur zu sagen: Höre gut auf deinen Körper und die Signale die er sendet.

Quellen:

1 https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2019/07/29/cbd-in-epidyolex-auch-in-europa-zur-zulassung-empfohlen

2 https://www.naturheilkunde-krebs.de/cannabidiol-cbd-bei-krebs/nebenwirkungen-und-wechselwirkungen-von-cannabidiol-cbd/

3 https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/100925/Welt%C2%ADgesund%C2%ADheits%C2%ADorgani%C2%ADsation-empfiehlt-Neuklassifizierung-von-Cannabis

4 https://www.cbd-vital.de/magazin/cbd-allgemein/wechselwirkungen-von-cbd-mit-medikamenten