Hanfautomaten als neuer Cannabis-Marktplatz?

Titelbild: Michael Gaida auf Pixabay

Wenn man plötzlich akut Kopfschmerzen bekommt, kann man sich an jeder Apotheke mit einer Vielzahl an Schmerzmitteln ausstatten. Ähnlich verläuft es mit diversen anderen medizinischen Notfällen, solange es sich nicht um verschreibungspflichtige Arznei handelt. Wenn man aber zur Behandlung der Symptome auf die pflanzliche Alternative Cannabis zurückgreifen möchte, ist dies nicht einfach so möglich zu besorgen. Hanfblüten, Hanfbütentee, Hanfgetränke oder Öle sind zwar inzwischen vereinzelt in unterschiedlichen Geschäften zu finden, die sicherste Anlaufstelle mit einer gebündelten Auswahl an Hanfprodukten bleibt allerdings der Onlineshop. Ein spontaner Einkauf bleibt somit ausgeschlossen. Wieso eigentlich fragt man sich?

Gras to go – Neue Anlaufstelle für Hanfprodukte in Österreich

In Österreich gibt es inzwischen einen neuen Ansatz, wie die Hanfprodukte zu den Konsumenten kommen. Dazu werden sogenannte Hanfautomaten verwendet. Die Funktionsweise ist ähnlich der eines Snack-Automaten am Bahnhof und damit relativ simpel. Zu jeder Tages- und Nachtzeit kann man gegen das entsprechende Entgelt Hanfprodukte erwerben. Dazu zählen CBD-Öle, Hanfblütentee und bis zu drei Gramm CBD-Blüten. Ähnlich wie bei dem Kauf von Zigaretten an einem Automaten, muss auch hier zur Bedienung eines Hanfautomaten zuerst das Alter mittels Bankkarte bestätigt werden. Der Verkauf von Produkten an Konsumenten unter 18 Jahre soll damit ausgeschlossen werden. Natürlich sind in diesen Automaten nur die zulässigen Hanfprodukte mit einem maximalen THC-Gehalt von 0,2% (bzw. 0,3% in Österreich) enthalten. Damit ist eine psychoaktive Wirkung durch den Konsum ausgeschlossen. Lediglich der wertvolle und legale Wirkstoff CBD ist enthalten.

Das System scheint zu funktionieren und von den Anwohnern gut angenommen zu werden. Bis vor zwei Jahren beschränkte sich die Anzahl der Hanfautomaten auf 17 in ganz Österreich. Inzwischen wurden schon alleine in Salzburg 17 der Automaten gezählt. Die umsatzstärksten Automaten verkaufen im Schnitt 10 bis 15 Produkte pro Tag. Die Betreiber verfolgen die Vision, die positiven Eigenschaften der Cannabispflanze weitläufig bekannt zu machen mit dem Ziel vor Augen, so vielen Menschen wie möglich den Einkauf von CBD in verschiedenen Formen zu Verfügung zu stellen. Unabhängig von Zeit und Lieferkosten. 1 Gramm Bio-Hanfblüte aus regionalem Anbau kostet ca. 11 € im Automaten. Das Öl liegt ja nach Anbieter bei 25 € pro 10 Milliliter.

Apotheker und Ärzte üben Kritik

Die Betreiber solcher Automaten hinterlassen auf ihren Produkten den Vermerk, dass diese lediglich zur Aromatherapie geeignet sind und nicht zum Verzehr. Sie beschreiben ihre Zielgruppe als Personen, die mit der Wirkung und Anwendung von CBD Produkten umgehen zu wissen. Dabei handelt es sich um junge Leute bis hin zu älteren Generationen, die aus medizinischen Gründen auf den natürlichen Wirkstoff zurückgreifen. Dem klassischen „Kifferklischee“ entsprechen hier nur die wenigstens. Es geht vielmehr darum, wieder zurück zur Natur zu finden und auf eine alternative Anwendung zur herkömmlichen Arznei bei beispielsweise Schmerzen und Schlafstörungen zurückzugreifen.

Es gibt allerdings Personengruppen, die den Einsatz der Hanfautomaten und damit den freien Zugang zu CBD-Produkten nicht befürworten. Die Salzburger Ärztekammer beispielsweise bemängelt die unklaren und ungeregelten Strukturen, da es sich weder um Lebensmittel noch um Arznei handle. Die Deklaration als Aromaprodukt macht nur wenig Sinn, wenn es sich um Tees oder Knabbereien handelt. Diese Gesetzeslücke sollte schnellstmöglich geschlossen werden und eine eindeutige Regelung für den Umgang mit CBD muss her. Apotheker und Ärzte wünschen sich von der Bundesregierung, den Erlass bezüglich des Vertriebs von Hanfprodukten schnellstmöglich zu reparieren um einen für den Konsumenten klaren und ersichtlichen Umgang mit den freiverfügbaren Produkten zu schaffen. Sollte CBD als arzneiliches Produkt deklariert werden, freuen sich Apotheker über eine sichere Platzierung in den eigenen Regalen.

Unabhängig davon wie es mit dem Erlass weitergeht steht eine Sache fest: die Nachfrage steigt weiter an, bis zu 10 weitere Hanfautomaten sind im Bundesland Salzburg in Planung.

Hanfautomaten auch in Deutschland

Eine Expansion nach Deutschland ist für viele Hanfautomaten-Händler eine Wunschvorstellung. Das deutsche Gesetz gleicht dem österreichischen, jedoch gibt es einen Unterschied. Wenn es um den Verkauf von CBD-Blüten geht, greift in Österreich die Tabakverordnung, weshalb lediglich die THC-Obergrenze von 0,3% eingehalten werden muss. In Deutschland sieht das anders aus, hier greift an dieser Stelle das Betäubungsmittelgesetz (BtMG). Darin steht geschrieben, dass der Verkauf von Cannabis-Blüten untersagt ist, wenn nicht sichergestellt werden kann, dass diese nicht verzehrt werden.

„… und der Verkehr mit ihnen (ausgenommen der Anbau) ausschließlich gewerblichen oder wissenschaftlichen Zwecken dient, die einen Missbrauch zu Rauschzwecken ausschließen.“

Aus diesem Grund gelten in Deutschland erschwerte Bedingungen, wenn es um das Aufstellen eines Hanfautomaten geht. Trotzdem wurde mitten in der Trierer Innenstadt vor ca. 2 Jahren der erste Hanfautomat in Deutschland eingeweiht. Darin enthalten: gepresste und getrocknete Blüten, Rauchzubehör, Tees und Öle. Alle Produkte unterliegen dem in Deutschland vorgeschriebenen THC-Grenzwert von 0,2 %. Der Besitzer des Automaten betreibt zwei Headshops. Einen Grund für den Andrang auf den Hanfautomaten sieht er in der gegebenen Anonymität. Der Betreiber versichert den Kunden, dass der Kauf der CBD-Produkte legal ist, da der THC-Grenzwert nicht überschritten wird. Die Staatsanwaltschaft Trier hat dazu allerdings eine andere Auffassung und bezieht sich strikt auf das BtMG. Demnach ist zwar der Verkehr mit Cannabispflanzen erlaubt, solange sie weniger als 0,2 % THC enthalten. Allerdings ist dies nur dann gestattet, wenn er ausschließlich gewerblichen und wissenschaftlichen Zwecken dient und ein Missbrauch zu Rauschzwecken ausgeschlossen werden kann. Der bloße Konsum von Nutzhanf ist laut mehrerer Oberlandesgerichte kein gewerblicher Zweck und der Verkauf damit auch nicht grundsätzlich erlaubt.

Anfang April letzten Jahres wurde der Automat durch mehrere Polizeibeamten schließlich abgebaut. Gegen den Betreiber des Automaten wurden laut Berichten der Staatsanwaltschaft zufolge drei Ermittlungsverfahren eingeleitet. Ihm wurde vorgeworfen, Betäubungsmittel ohne Genehmigung zu Konsumzwecken verkauft zu haben. Der Verdacht einer Straftat besteht. Um dies zu überprüfen, wurden mehrere Produkte beschlagnahmt und einer Prüfung hinsichtlich Wirkstoffgehalt unterzogen, auch die Produkte aus dem Automaten. Über die Ergebnisse der Prüfung ist nichts bekannt. Ein Social Media Beitrag im Juli 2019 lässt allerdings nichts negatives vermuten. Hier wird zur Eröffnung eines Headshops in Erlangen mit folgendem Leitspruch eingeladen:

„Wir lassen uns nicht unterkriegen von unwissenden Behörden, die versuchen ehrliche Unternehmen in die Knie zu zwingen.“

Obwohl in den meisten Ländern neben CBD auch immer mehr THC legalisiert wird, scheint Deutschland davon noch weit entfernt zu sein. Eine Entkriminalisierung von CBD-Produkten wäre nicht nur ein großer Schritt in Richtung alternative Behandlung zu therapeutischen Zwecken sondern auch eine Entlastung für Behörden und Händler – und in diesem Fall auch für die Betreiber von Hanfautomaten.