Hanf im Kampf gegen Plastik

Titelbild: Hans Braxmeier auf Pixabay

Die Zero Waste Philosophie findet immer mehr Anklang in unserer Gesellschaft. Immer stärker wird das Ziel, ein Leben zu führen, bei dem man möglichst wenig Abfall produziert und Rohstoffe nicht vergeudet werden. Um Plastik zu sparen, wird das Gemüse auf dem Markt eingekauft und Coffee To Go Becher beim nächsten Mal wiederverwendet, anstatt diese im Müll zu entsorgen. In Anbetracht der unübersehbaren Problematiken, mit denen unser Planet aufgrund des Plastiküberschusses zu kämpfen hat, ist diese Philosophie mehr als lobenswert. Trotzdem gibt es etliche Situationen, in denen man kaum um große Ansammlungen von Plastikmüll herumkommt – noch. Ein junges Unternehmen aus der Nähe von Coburg hat einen Ansatz entwickelt, um dieses Problem zumindest auf Seiten der Gärtner vorbildlich anzugehen.

Welt aus Plastik

Mit der Erfindung des Kunststoffs zu Beginn des 20. Jahrhunderts, hat sich unser Alltag tiefgreifend verändert. Die Produktion von Kunststoff ist innerhalb weniger Jahrzehnte exponentiell gestiegen. Wir leben in einer Welt voller Plastik. Die Verwendung von Kunststoff ist vielseitig und auf unterschiedliche Branchen zurückzuführen. Den kleinsten Anteil (3%) macht die Landwirtschaft aus. 40% und damit den größten Anteil übernimmt die Verpackungsmittelindustrie. Bei einem aufmerksamen Gang durch die Regale in den Supermärkten, wird einem der Umfang der Verwendung von Kunststoff als Verpackungsmaterial erst so richtig deutlich. Ein Europäer benötigt pro Jahr ca. 100 Kilogramm Plastik. Laut Prognosen der UNEP soll sich diese Zahl bis 2050 auf 140 Kilogramm erhöhen. Die jahrzehntelange Bedeutung des Kunststoffes lässt sich wahrscheinlich in den Eigenschaften von diesem begründen. Leichtigkeit, Langlebigkeit und Flexibilität sind für Produkte industrieller Gesellschaften unabdingbar geworden.

Recyceln leider zu oft fehlgeschlagen

Lediglich 30% der Kunststoffabfälle werden recycelt. Die am häufigsten genutzt Methode zur Verwertung der Abfälle in Europa ist die Energierückgewinnung. Durch die Herstellung und Verbrennung von Plastik werden jedes Jahr weltweit rund 400 Millionen Tonnen CO2 ausgestoßen. Eine höhere Recyclingquote könnte dieses Ausmaß verringern, jedoch benötigt die kunststoffverarbeitende Industrie große Mengen an recyceltem Plastik, welches auf der einen Seite unter streng kontrollierten Angaben und auf der anderen Seite zu einem wettbewerbsfähigen Preis hergestellt werden muss. Die Vielfalt an Rohmaterialien erschwert noch zusätzlich den Recyclingprozess, wodurch erhöhte Kosten entstehen und die Qualität des Endproduktes letztendlich leidet. Aus diesen Gründen beträgt die Nachfrage nach recyceltem Plastik lediglich 6%. Um die Quote an recyceltem Plastik zu erhöhen, unterstützen die EU-Abgeordneten im September 2018 eine europäische Plastikstrategie. Diese fordert, dass alle Verpackungsabfälle aus Kunststoff bis 2030 recycelbar sein müssen. Zudem unterstützt das Europäische Parlament das Verbot von Wegwerfprodukten aus Plastik ab 2021. Dazu zählen Einwegbesteck, Wattestäbchen, Strohhalme und Rührstäbchen aus Plastik.

Es gibt einige Argumente gegen Plastik

Eben diese Wegwerfprodukte in Kombination mit verloren gegangenen Fischfanggeräten, machen 70 % des gesamten Meeresmülls aus. Auf Platz 1 der Top 10 aller an Stränden gefunden Einwegkunststoffartikeln ist die Getränkeflasche. Dicht gefolgt von Zigarettenstummeln und Wattestäbchen. Insgesamt sollen in der heutigen Zeit über 150 Millionen Tonnen Plastikmüll unsere Meere belasten. Schätzungen zufolge wird 2050 das Gewicht von Plastikartikel im Meer höher sein, als das der dort lebenden Fische. Eine erschreckende Vorstellung mit noch erschreckenderen Folgen. Die naheliegende Konsequenz ist die damit verbundene Gefahr für Meeresflora- und fauna. Wie oft wurden wir inzwischen mit erschreckenden Bildern von Schildkröten konfrontiert, die sich in Netzen verfangen haben oder an einem Strohhalm erstickt sind. Doch nicht nur diese Spezies ist extrem betroffen. Über die Nahrungskette gelangen in Kunststoffen vorhandene Chemikalien auch in unseren Blutkreislauf und gefährden somit die menschliche Gesundheit. Mikroplastik wurde bereits in etlichen Meerestieren nachgewiesen. Ebenso im Leitungswasser und der Luft, die wir täglich einatmen. Im Schnitt isst jeder Mensch pro Woche eine Kreditkarte. Inhaltsstoffe von Plastik, wie beispielsweise Weichmacher und Bisphenol A, stellen ein großes Risiko für den Menschen dar, welchem wir uns täglich aussetzen. Immer mehr Hypothesen weisen darauf hin, dass durch diese Stoffe Krankheiten verursacht werden können. Neben gesundheitlichen Konsequenzen, muss auch die Wirtschaft kräftig einstecken. Schätzungen zufolge kosten die Abfälle im Meer die EU-Wirtschaft zwischen 259 und 695 Millionen Euro.

Ein Leben ohne Plastik

Will man ein Leben ohne Plastik führen, ist der Wocheneinkauf in herkömmlichen Läden quasi unmöglich. Es bedarf einer vorausschauenden Planung um Einkaufbeutel, Gemüsenetze und Einweggläser bei Bedarf stets parat zu haben. Außerdem ist man auf Unverpackt-Läden angewiesen, die auch solche Produkte wie Mehl, Nudeln oder Reis zum selbst einpacken anbieten. Zwar steigt die Anzahl solcher Läden seit 2016 stetig an, eine ausreichende Sättigung in jeder Stadt ist allerdings Zukunftsmusik. Schwieriger wird es zudem bei den geliebten Kosmetikprodukten, notwendigen Alltagsgegenständen oder sogar dem Toilettenpapier. Es gibt zwar immer mehr Alternativen, allerdings sind diese oft äußerst kostenintensiv.

Neue Ideen für eine plastikfreie Welt

Um Verantwortung für die Plastikkrise zu übernehmen, bedarf es adäquater Lösungsansätze. Immer mehr Unternehmen nehmen sich dieser Verantwortung an und entwickeln innovative Produkte, die den Plastikverbrauch reduzieren oder sogar ganz überholen. Das zu Beginn erwähnt Unternehmen Evolutio UG (haftungsbeschränkt) ist ein Beispiel dafür. Mit ihrer Marke meinwoody und dem neuen Produkt HANFI, einem biologischen Pflanztopf, wollen sie den Gartenmarkt revolutionieren. Üppigen Bergen aus Plastik in Folge der Gartensaison, soll dadurch entgegengewirkt werden. Der Pflanztopf ist 100% biologisch abbaubar und wird aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt. Wie der Name schon vermuten lässt, wird der Topf primär aus Hanf hergestellt. Während Plastik zwischen 500–100 Jahren benötigt um abgebaut zu werden, verspricht das Unternehmen eine biologische Abbauzeit des Topfes von maximal 2 Jahren.

Hanf als Plastikersatz

Dass die Hanfpflanze viel mehr kann, als ihr oft negativ behafteter Ruf ihr nachsagt, ist schon lange bewiesen. Der Einsatz von Hanf, beziehungsweise dessen Inhaltsstoffen, macht sich gerade einen großen Namen im Bereich alternativer Medizin. Doch auch auf dem Markt für Lebensmittel sowie der Bau- und Textilindustrie, revolutioniert der schnell nachwachsende Rohstoff herkömmliche Herangehensweisen und Produkte.

Hanffasern, Hanföl, Lignin und Hanfschäben sind vielseitig einsetzbar und zudem günstig und ertragreich in der Produktion. Ermöglicht wurde dies durch die Legalisierung des Anbaus von Nutzhanf. Diese umweltfreundlichen Rohmaterialien können somit für die Erzeugung verschiedener Produkte genutzt werden – auch im Kampf gegen Plastik. Der Hauptbestandteil von Plastik ist nämlich Zellulose. Und diese kann auch aus organischen Materialien hergestellt werden, anstatt auf Petroleum zurückzugreifen, woraus Zellulose eigentlich gewonnen wird. Hanf ist aufgrund seines hohen Gehalt an Zellulose dafür prädestiniert, zum Plastikersatz der Zukunft zu werden. Kunststoffe auf Erdölbasis könnten durch Hanffaserkunststoffe ersetzt werden. Neben innovationsgetriebenen Startups, nutzen auch bereits etablierte Unternehmen, wie beispielsweise die Autohersteller Mercedes Benz und BMW, Biokunststoffe aus Hanf für den Innenraum der Autos sowie zur Isolierung von Türverkleidungen.

Nachhaltiger Leben – geht mit Hanf

Eine Zukunft, in der Plastik kein Problem für Mensch, Tier und Natur darstellt, ist eine schöne Vorstellung. Um diese Vision realisieren zu können, müssen wir als Verbraucher aber auch etwas dafür tun! Ein bewussterer Umgang mit Rohstoffen ist dabei ein erster Schritt. Um beispielsweise den Einsatz alternative Verpackungsmaterialien weiter anzukurbeln, sollten Biokunststoffe aus Hanf von Konsumenten erwartet und unterstützt werden. Es gibt immer Möglichkeiten, Industrie und Wirtschaft in eine neue und damit auch umweltbewusstere Richtung zu lenken. Doch dafür bedarf es den Einsatz von Seiten der Hersteller, als auch der Konsumenten.