Was tun bei einem gestressten Hund?

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Es gibt Situationen, in denen sich unsere geliebten Vierbeiner manchmal so gar nicht wohl fühlen. Für die einen sind die Raketen an Silvester der Auslöser für enormen Stress, bei anderen ist es das Thema alleine sein. Es gibt diverse Situationen, in denen unsere Hunde unsicher sind, ängstlich reagieren oder gar Panik haben. Teilweise hat sich dieser Zustand manifestiert. Hoher und dauerhafter Stress wirken sich auch beim Hund auf die körperliche und seelische Gesundheit aus. Es kann zu Folgeerkrankungen und auch Verhaltensauffälligkeiten kommen. Stress spielt demnach beim Umgang und Training mit Hund eine wichtige Rolle. Doch woran erkenne ich als Halter:in, dass mein Hund gestresst ist? Und wie kann ich meinen Hund in diesen Situationen beruhigen? Auf diese und weitere Fragen wird in diesem Beitrag eingegangen. 

Gestresster Hund – ein zunehmendes Problem

Stress ist nicht nur bei uns Menschen eine natürliche Körperreaktion. So ziemlich jedes Säugetier kann unter den Symptomen leiden. Sogar Pflanzen sollen auf Stress reagieren können. Es ist eine „unspezifische Antwort des Körpers auf physiologische oder psychologische Anforderungen an den Organismus“, durch welche wir Lebewesen befähigt werden sollen, schwierige Aufgaben zu bewältigen. Diese können körperliche, geistiger und seelischer Natur sein. Stress ist also nicht zwingend etwas Negatives, sondern kann als Anpassungsprozess verstanden werden. Die Stressreaktion sorgt vielmehr dafür, dass das durch einen Auslöser gestörte innere Gleichgewicht wiederhergestellt wird. Hält der Stress aber über einen längeren Zeitraum an und der Körper schafft es nicht, das Gleichgewicht wiederherzustellen, kann Stress schädlich werden. Es ist nicht selten, dass es sogar zu gesundheitlichen Problemen und Verhaltensänderungen kommen kann. Unkonzentriertheit, Ängstlichkeit und Aggression sind dabei die häufigsten Auffälligkeiten. Dazu können auch weitere Verhaltensänderungen wie Schlappheit, Motivationslosigkeit und Leistungsschwäche kommen. In solchen Fällen konsultieren die Besitzer:innen dann auch häufig Tierarztpraxen, um nach Rat zu fragen. Dass der Auslöser häufig Stress sein könnte, kommt oft überraschend. 

Im Alltag mit Hund vergisst man schnell, dass die Reiztoleranz des Vierbeiner ursprünglich nicht darauf ausgelegt war, gemütlich durch die Innenstadt zu schlendern, mehrere Stunden am Tag alleine zu sein oder täglich Höchstleistungen im Einsatz zu bringen, wie es beispielsweise Diensthunde tun. Zwar haben sich unsere Haushunde im Laufe der Domestizierung daran gewöhnt, in einem Körbchen im warmen Haus zu schlafen, regelmäßige Mahlzeiten aufgetischt zu bekommen und uns tagtäglich auf unseren Wegen zu begleiten. Die meisten dieser Hunde kommen mit diesem Lebensstil auch gut klar und genießen es, verwöhnt zu werden. Dennoch gibt es auch welche, denen diese Anpassungen schwerer fallen, da sie vom Typ her vielleicht nervöser sind oder bereits einige schlechte Erfahrungen mit Artgenossen oder Situationen gesammelt haben. 

Negativer und positiver Stress

Die meisten verbinden mit dem Wort “Stress” etwas Negatives: Anspannung, Überforderung und andere unangenehme Symptome. Dem kann nur so halb zugestimmt werden. Man differenziert nämlich sowohl beim Menschen als auch beim Hund zwischen positivem und negativem Stress. Positiver Stress, auch Eustress genannt, wirkt wie ein innerer Antrieb. Er bringt uns Lebewesen dazu, ausreichend Motivation aufzubringen, um Herausforderungen zu meistern. Deswegen ist eine gewisse Portion davon auch gut und notwendig. Beim Menschen ist Eustress zum Beispiel das Gefühl vor dem ersten Kuss oder einer wichtigen Prüfungen. Beim Hund ist ein Beispiel für positiven Stress die Jagdsituation. Wenn der Hund auf Jagd geht, werden Hormone ausgeschüttet, die ihn in einen positiven Ausnahmezustand versetzen. Die rassetypischen Jäger hetzen und rennen deswegen für ihr Leben gerne und erleben dabei einen „Rausch“, der von Mal zu Mal intensiver wird. Obwohl der Hund diesen Zustand genießt, ist es für den Körper eine absolute Stresssituation. An sich soll positiver Stress das Immunsystem und Selbstvertrauen stärken sowie eine gesundheitsfördernde und leistungsstimulierende Wirkung haben. Bei einer Überforderung weicht der Eustress jedoch ganz schnell dem typischen, negativen Stress – dem Distress. Wird der Hund beispielsweise jedes Wochenende zu einem Turnier gefahren, bei welchem er absolute Höchstleistung erbringen muss, kann aus dem ursprünglichen Eustress beim Jagen schnell Distress werden. Grund dafür kann in diesem Fall eine dauerhafte Belastung von Körper und Geist sein.  

EustressDistress
Kurzfristiges AnspannungserlebnisLangfristige, wiederkehrende Überlastung
herausforderndüberfordernd
Der Hund ist leistungsfähiger und aktiverDer Hund wirkt gestresst und wird vielleicht sogar krank
Regelmäßige EntspannungsphasenDauerhafte Anspannung

Ob es sich nun um positiven oder negativen Stress handelt, muss im Kontext gesehen werden. Dazu müssen Frauchen und Herrchen aufmerksam sein und ihren Vierbeiner gut im Auge behalten. 

Auslöser von Stress beim Hund

Erlebt der Hund Stress, reagiert der Körper auf die wahrgenommenen Stressoren mit einer Stressreaktion . Welche Stressoren letztendlich beim Hund als Reiz empfunden werden, ist unterschiedlich. Die Mehrheit der Hunde findet zum Beispiel laute Geräusche, Knaller und Gedröhne selbst aus der Ferne sehr beängstigend. Das muss aber nicht für jeden Hund gleich sein und ist auch davon abhängig, welche Erlebnisse der Hund bereits gemacht hat. Allgemein kann man Stressoren in sechs Oberkategorien unterteilen:

  • physikalisch (Hitze, Kälte)
  • mechanisch (Stöße, Berührungen, Schläge)
  • sozial (Isolation, Mobbing, fehlende Rückzugsmöglichkeiten)
  • emotional (Angst, Frust, Wut)
  • körperlich (Krankheiten, Schmerzen, Schlafdefizit)
  • psychisch (Reizüberflutung, Dauerkonzentration, anhaltende Langeweile, Überforderung)

Wie der Hund mit den Stressoren umgeht ist abhängig vom Stressgedächtnis des Vierbeiners. Dieses tritt in mehreren Stufen und Varianten auf. Gerät der Hund erstmalig in eine für ihn gefährliche oder als unkontrollierbar empfundene Situation, speichert er sehr schnell ab, unter welchen Bedingungen es zu dieser Stresssituation gekommen ist. Dabei werden auch Randumstände abgespeichert wie zum Beispiel die anwesenden Personen, der Ort, die Geräusche oder auch Gerüche. Dies hat zur Folge, dass möglicherweise Faktoren mit dem empfundenen massiven Stress verknüpft werden, die gar nicht ausschlaggebend waren. Bekommt der Hund beispielsweise einen Stromschlag, wenn er gegen einen Stromzaun läuft, hinter welchem Schafe stehen, kann es sein, dass er den Schmerz mit den Schafen verbindet und diese künftig meidet. Auch reagieren Hunde sehr häufig mit vorbeugender Ausschüttung von Stresshormonen, wenn sie den Hundeplatz sehen, auf welchem sie in der letzten Spielstunde vielleicht gemobbt wurden. 

Eine weitere Möglichkeit ist, dass die auslösende Situation allein bereits ausreicht, um den Körper in Alarmbereitschaft zu versetzen. So zum Beispiel bei der Angst vor Gewitter. Die betroffenen Hunde werden bereits bei den ersten Anzeichen von schlechtem Wetter, Luftdruckschwankungen oder Änderungen der elektrischen Ladung in der Luft unruhig. 

Am schwierigsten ist jedoch die Form des Stressgedächtnisses, bei welcher die Produktion von Stresshormonen durch die Reaktionsfähigkeit der entsprechenden Drüsen allgemein erhöht wird. Bereits winzige Stressoren führen zu einer maximalen Stresshormonausschüttung. Während die einen Hunde mit den Situationen also völlig entspannt umgehen, steht für andere bereits die Welt Kopf. Man geht davon aus, dass die Zentren im Gehirn, welche für die Stressantwort zuständig sind, an ihrer Aufgabe wachsen und durch ein erhöhtes Maß an Zellen, Zellverknüpfungen und Fasern leistungsfähiger werden. Ebenso die Zell-zu-Zellverknüpfungen im Nerven- und Hormonsystem. Werden die Verbindungen innerhalb kürzester Zeit mehrfach erregt, ist es sehr wahrscheinlich, dass die Stressantwort des Körpers in einem immer stärker werdenden Ausmaß hervorgerufen wird. Aus diesem Grund kann Dauerstress für den Hund gefährlich werden und durchaus gesundheitliche Schäden nach sich ziehen.

Folgende Situationen und Faktoren können zu dauerhaftem Hintergrundstress beim Hund führen:

  • Gesundheitliche Probleme können durchaus Hintergrundstress erzeugen und sollten deswegen dringend überprüft werden. Durch Schmerzen, eine Schilddrüsen Unterfunktion oder Futtermittelunverträglichkeit ist nicht nur der Körper auf Alarmbereitschaft sondern auch der Geist des Hundes, weswegen es zu einigen Stressreaktionen kommen kann. 
  • Hund-Hund-Probleme sind häufig auf Hundewiesen zu beobachten. Einer jagt den andern, während dem nächsten das Imponierverhalten des vorbeilaufenden Hundes nicht passt. Zu Rüpeleien kann es dann schnell mal kommen, die man in der Regel schnell unterbinden und in Zukunft auch meiden kann. Viel schlimmer ist es, wenn der besagte Störenfried in der Nachbarschaft, im Freundeskreis oder sogar im eigenen Rudel sitzt. 
  • Hund-Mensch-Probleme können beispielsweise dann entstehen, wenn der Hund den ganzen Tag über bequatscht oder gestreichelt wird. Auch eine missverständliche Kommunikation durch uns Menschen sowie das Ignorieren der Körpersprache des Hundes kann zu Problemen führen.
  • Trennungsangst, beziehungsweise Kontrollverlust entsteht beispielsweise dann, wenn man den Hund einfach acht Stunden alleine lässt, ohne dies vorher entsprechend aufgebaut zu haben.
  • Generelle Ängste existieren vor allem bei Tierschutzhunden, da diese oft schon mehrere Stationen durchlaufen haben und in vielen Fällen bereits einige schlimme Erfahrungen machen mussten. Ein wesentlicher Einflussfaktor der Stressbewältigung ist außerdem die Jungtierentwicklung. Hunde, die sich von Geburt an um sich selbst kümmern mussten und nicht behütet zur Welt gekommen sind, haben deshalb ein anderes Stressempfinden als solche, die im Welpenalter ganz behutsam an bewältigbare Stresssituationen und Frustrationen herangeführt wurden.
  • Mehrhundehaltungen bedeutet oft auch Stress für die einzelnen Tiere, da sie mit den anderen in der Gruppe vielleicht gar nicht gut harmonieren.
  • Die hormonelle Entwicklung beim Hund kann auch zum Hintergrundstress werden. So zum Beispiel wenn eine läufige Hündin den Park durchquert und die Rüden vor lauter Frühlingsgefühlen kein Essen mehr aufnehmen können.

Die Symptome von Stress beim Hund frühzeitig erkennen

Der Begriff „Stress“ umfasst aber nicht nur die auslösenden Faktoren (Stressoren bzw. Stimuli), sondern auch die folgenden körperlichen Reaktionen auf diese. Sie sind das Produkt von länger anhaltenden Stresssituationen und können von Hund zu Hund unterschiedlich sein. Wer seinen Hund gut beobachtet, kann diese Stressreaktionen erkennen. Im Folgenden sind Körpersignale aufgeführt, die auf eine Stresssituation hindeuten können:

  • Aufgeweitete Pupillen
  • Geduckte Haltung
  • Abgewandter Blick
  • Hecheln
  • vermehrtes Speicheln und Maullecken
  • Muskelverspannungen und Zittern
  • Hängende oder sogar eingeklemmte Rute
  • Passivität und übermäßiges Schlafbedürfnis
  • Ständiges Gähnen/ Schütteln / Kratzen
  • Übersprungsreaktionen (z. B. plötzliches Rennen, Graben, Bellen)
  • Appetitlosigkeit oder Fresssucht 
  • Veränderung der Augenfarbe, Glotzauge
  • Verdauungsprobleme 
  • Zerstören von Gegenständen bis hin zur Aggressionsentwicklung

Darüber hinaus können stressbedingte Verhaltensänderungen zum Vorschein kommen. Ständiges Ziehen an der Leine trotz konsequentem und andauerndem Training, Anspringen von anderen Menschen, fehlende Kooperation im Freilauf – all solche Auffälligkeiten können sich auch aufgrund von Dauerstress manifestiert haben. Aus diesem Grund ist es wichtig zu klären, wieso der Hund diese Auffälligkeiten zeigt, anstatt lediglich das Verhalten zu maßregeln. Eine Stressreaktion spricht nämlich Körper und Geist gleichermaßen an. Während der Hund auf körperlicher Ebene leistungsfähiger wirkt und besonders schnell und kraftvoll reagiert, kommt es zu Einschränkungen im geistigen Bereich. Das Gehirn wird nämlich ebenfalls darauf trainiert, in solchen Situationen an Geschwindigkeit zuzulegen und Entscheidungen ohne langes Nachdenken zu fällen. Der Neurotransmitter, welcher für planvolles Handeln und Konzentration erforderlich ist, wird von dem „Aggressionshormon“ Noradrenalin verdrängt. Die Fähigkeit auf höherer Ebene zu kommunizieren und sozial zu interagieren wird in Stresssituationen weitgehend lahmgelegt. Der Hund ist jetzt zum größten Teil auf Flucht oder Angriff programmiert. Dass sich Hunde in solchen Momenten teilweise sogar aggressiv zeigen, kommt ebenfalls daher. 

Neben den akuten Auffälligkeiten in Stresssituationen können aber auch gravierende Probleme wie chronische Krankheiten auf Dauerstress beim Hund hindeuten. Die chronische Gastritis ist eine Entzündung der Magenschleimhaut und tritt häufig in Folge von Dauerstress auf. Auffällig ist, dass besonders viele Tierschutzhunde von dieser Problematik betroffen sind. Doch auch Sport- und Diensthunde sollen häufiger an einer Gastritis leiden. Neben Magenproblemen können aber auch Allergien auftreten sowie offene Stellen im Fell oder Pigmentierungsveränderungen. Ekzeme und eine übermäßige Schuppenbildung sind ebenfalls mögliche Krankheitsbilder von anhaltendem Stress. Das kann sogar so weit gehen, dass das Tier ein selbstverletzendes Veralten zeigt. Dazu zählt unter anderem das Anknabbern der Pfoten, Herausreißen von Fell oder Jagen des eigenen Schwanzes. 

Sobald man eines der Anzeichen bei seinem Vierbeiner wahrnimmt, sollte man also dringend handeln. Um dem Tier helfen zu können, müssen wir aber erstmal verstehen, was genau im Körper während einer Stressreaktion abläuft.

Was passiert im Hundekörper während einer Stressreaktion?

Bei einer Stressreaktion laufen im Körper zwei Reaktionsketten gleichzeitig ab. Zum einen wird das Hormon CRH (Corticotropin-Releasing-Hormon) aus dem Hypothalamus ausgeschüttet, welches wiederum für die ACTH-Ausschüttung (Adrenocorticotropes Hormon) verantwortlich ist. ACTH fördert die Ausschüttung von Glukokortikoiden in der mittlerne Schicht der Nebennierenrinde. Glukokortikoiden zählen zur Klasse der Steroidhormonen aus der Nebennierenrinde. Cortisol und die Vorläufersubstanz Cortison sind die zwei bekanntesten Vertreter dieser Klasse. Beide haben großen Einfluss auf die Bereitstellung von Energiereserven und wirken daher auf den Kohlenhydrat-, Fett- und Proteinstoffwechsel. 

Durch die Aktivierung des Sympathikus kommt es zu einer massiven Ausschüttung der Hormone Adrenalin und Noradrenalin. Diese gelangen nun aus dem Nebennierenmark ins Blut, wodurch sie verschiedene Teile des Körpers sowie das zentrale Nervensystem beeinflussen können. Da die Hormone als Neurotransmitter fungieren, können sie eine zentrale Wirkung auf das Gehirn ausüben und die Lernprozesse des Hundes beeinflussen. 

Darüber hinaus hat die Adrenalin-und Noradrenalin-Ausschüttung auch eine periphere Wirkung und führt zu einem Anstieg des Blutdrucks und zu einer Aktivierung des Renin-Angiotensin II-Regelkreises. Letzterer ist für die Steuerung der Ausschüttung von Mineralkortikoiden verantwortlich. Darunter insbesondere Aldosteron aus der Nebennierenrinde. Dieses natürliche Steroidhormon reguliert unter anderem den Flüssigkeit- und Elektrolythaushalt, genauer gesagt fördert es die Rückabsorption von Wasser und Natrium sowie die Ausscheidung von Kalium. Es ist daher lebenswichtig für den Stoffwechsel, die Aufrechterhaltung des Blutdrucks sowie die Reaktion auf Stress. 

Die Ausschüttung der Hormone an sich ist nicht das Problem. Sie sind sogar eine wichtige Komponente im Regelkreislauf des Hundes. Beispielsweise spielen sie eine tragende Rolle beim Fluchtreflex und ermöglichen dem Tier in Stresssituationen ein schnelleres Reaktionsvermögen. Adrenalin steigert die körperlichen Funktionen, damit das Tier in Gefahrensituationen schneller reagieren kann. Noradrenalin senkt zudem die Reizschwelle beim Tier, weshalb es auch als „Kampfhormon“ bekannt ist. Neben der Flucht werden nämlich auch aggressive Reaktionen befeuert. Durch den direkten Einfluss auf Rate des Herzschlags, steuert das Noradrenalin den Blutdruck vom Hund. Aufmerksamkeit, Konzentration und Wachheit werden ebenfalls beeinflusst. In Gefahrensituationen kann schließlich jede Sekunde über Leben und Tod entscheiden, weshalb es für den Hund Sinn macht, besonders wachsam zu sein. Die Wissenschaft hat auch herausgefunden, dass Noradrenalin einen Einfluss auf die Entzündungsneigung hat. Darüber hinaus wirkt sich die Ausschüttung des Hormons auch auf den Appetit aus. Was nicht besonders verwunderlich ist, da der Körper in Folge der Weitung der Blutgefäße, der Beschleunigung des Herzschlags und der Erhöhung des Blutdruckes auch wesentlich mehr Energie verbraucht. 

Schädliche Folgen durch Ungleichgewicht der Stresshormone

Noradrenalin und Adrenalin sind Flucht- und Stresshormone und versetzen den Hund in einen Ausnahmezustand von erhöhter Wachheit und Leistungsfähigkeit. Diese Urinstinkte sind wichtig und für den Hund lebensnotwendig. Verfügt der Körper jedoch über zu wenig oder zu viel dieser Hormone, kann das schädlichen Auswirkung auf die Gesundheit haben.  

Ein Mangel an Noradrenalin kann beispielsweise zu Konzentrationsstörungen führen. Außerdem wirkt der Hund dann unmotiviert und träge. Er ist weniger leistungsfähig, lernt langsamer und scheint auch sonst recht antriebslos zu sein. Das genaue Gegenteil passiert, wenn ein Überschuss an Noradrenalin herrscht. Dies ist bei Dauerstress der Fall. Das Tier wird über einen längere Zeitraum hinweg in einen Zustand versetzt, der sehr anstrengend und auch leidvoll ist. All das, was in Gefahrensituationen gewünscht, aber eben nicht für den Dauerzustand ausgelegt ist. Der Hund kann nicht mehr zur Ruhe kommen, da er stets getrieben wird von Wachheit und Aufmerksamkeit. Er ist unruhig, nervös und aggressiv. Studien zufolge sollen darüber hinaus auch Entzündungsreaktionen im Körper begünstigt werden. Das wäre eine Erklärung dafür, dass die bereits erwähnte chronische Gastritis häufig bei gestressten Hunden auftritt. Die Freisetzung von Adrenalin und Cortisol verlangsamt nämlich deutlich die Verdauungstätigkeit, woraufhin der Magen schlechter durchblutet wird. Darauf reagieren die meisten Hunde zuerst mit Durchfall. Da das Blut vermehrt in die Muskulatur fließt, kann der Körper aufgrund der schlechteren Durchblutung, die Nahrung nur schlecht verdauen und möchte diese so schnell wie möglich loswerden. Hält der Stress länger an, kommt es zu darüber hinaus zu einer erhöhten Magensekretion sowie einer Herabsetzung der Schleimproduktion. Diese Kombination kann leider verheerende Folgen haben. Die Magenwand ist nur noch unzureichend vor der aggressiven Säure geschützt und wird angegriffen. So kann eine Gastritis entstehen, die bei einem chronischem Verlauf nicht selten die Bildung eines Magengeschwürs begünstigt. 

Durch das Ungleichgewicht an Cortisol aufgrund der ACTH Aktivierung kann es auch zu Stoffwechselstörungen kommen. Da dem Körper mit Hilfe von Glykogensynthese (Zuckersynthese) Energie zur Verfügung gestellt wird, kann gleichzeitig der Blutzuckerspiegel steigen. Die Glukokortikoide stellen dem Körper außerdem durch den Abbau von Eiweiß Energie zur Verfügung. Dazu wird in erster Linie das Eiweiß aus dem Muskelgewebe herangezogen. Periphere Fettdepots werden ebenfalls aufgebraucht. Die Hormone haben außerdem eine immunsuppressive Wirkung, weshalb das Immunsystem durch längerer Stresseinwirkung geschwächt werden kann. 

Auf hormoneller Ebene wäre Adenosin die Antwort auf eine erhöhte Ausschüttung von Noradrenalin. Das Nukleosid beeinflusst nämlich die Signalwirkung bestimmter Botenstoffe, zu welchen das Noradrenalin gehört. Genauer gesagt kann es die Ausschüttung von Noradrenalin blocken. Im ersten Moment scheint das Hormon die Lösung zu sein. Verabreicht man dieses jedoch dauerhaft, würde womöglich ein Noradrenalinmangel im Körper entstehen. Darüber hinaus ist sich die Wissenschaft nicht sicher, ob die Blockierung oder Enthemmung von Hormonproduktionen im Körper die natürliche Hormonproduktion nicht nachhaltig schädigen würde. Aus diesem Grund ist es wichtig Übungen und Methoden zu kennen, die du anwenden kannst, wenn dein Hund unter Stress leidet.

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Was du für deinen Vierbeiner im akuten Fall tun kannst – 5 Beruhigungstipps

Das Thema Stress beim Hund ist, wie bei uns Menschen auch, ganz individuell. Eine Pauschalantwort, wie man seinem Vierbeiner helfen kann, kann leider nicht gegeben werden. Da sich sowohl Stressoren, als auch die Persönlichkeit sowie das Stressgedächtnis des Hundes unterscheiden, muss man die Situation als Gesamtes betrachten, um eine Lösung zu finden. Während es bei den einen reicht, die Stressauslöser zu meiden und beispielsweise über Silvester in ein ruhiges Häuschen abseits der Stadt zu fahren, können andere nur mithilfe von konsequentem Training gute Erfolge erzielen. Vor allem diejenigen, die aufgrund ihres Charakters zu Nervosität und Unsicherheit neigen, können von Routinen und Konsequenz profitieren. Ein weiterer wichtiger Einflussfaktor ist deswegen auch das eigene Verhalten. Ein gestresster Hund braucht in erster Linie Sicherheit. Deswegen kann der Vierbeiner ähnlich wie ein Mensch auch bereits durch die alleinige Anwesenheit einer vertrauten Person beruhigt werden. In solchen Situationen ist wichtig eine Balance zu finden zwischen Überbehüten und Ignorieren. Man hört als Hundebesitzer:in oft, dass man einem ängstlichen Hund keine Aufmerksamkeit schenken soll, um das Verhalten und die Angst nicht unbewusst zu verstärken. Hundetrainer:innen sind sich heutzutage jedoch einig, dass man die Angst beim Hund nicht einfach ignorieren sollte. Den Hund bei jeder Kleinigkeit auf den Arm zu nehmen und mit Mitleid zu überschütten, wäre definitiv nicht angebracht. Vielmehr geht es darum, in solchen Momenten Sicherheit auszustrahlen, den Hund in seiner Angst wahrzunehmen, sich in seine Situation hineinzuversetzen und – sofern er nach Nähe sucht – ihm diese zu gewähren und ein paar ruhige Worte und Streicheleinheiten zu schenken. Vielleicht lässt sich der Hund auch auf eine alternative Beschäftigung ein und kann dadurch abgelenkt und aus seiner Angst herausgeholt werden. Das sollten keine schwierigen Aufgaben sein, sondern etwas, was ihm leicht fällt und sonst immer Spaß gemacht hat. Zusätzlich gibt es folgende Vorschläge, die einem gestressten Hund helfen könnten:

1. Die Umgebung sicher machen

Befindet man sich zu dem Zeitpunkt in der Wohnung, sollte man diese für den Vierbeiner möglichst sicher gestalten. Dazu gehören Rückzugsmöglichkeiten, die ihm gewährt werden sollten. Das kann das eigene Körbchen sein oder eben das Bett oder die Dusche. Egal welche Regeln sonst bestehen, in diesen Momenten ist alles erlaubt und der Hund sollte dahin gehen dürfen, wo er sich am sichersten fühlt. Fenster und Türen wiederum sollten geschlossen bleiben, damit der Hund vor lauter Panik nicht davon läuft und sich selbst und andere in Gefahr bringt. 

2. Beruhigende Musik aktivieren

Wie bei uns Menschen auch, können beruhigende Klänge dem Hund helfen, sich zu entspannen. An Silvester geht es außerdem auch um die Übertönung von Knallern.

3. Kausnack anbieten

Solange der Hund noch Futter aufnimmt, ist es noch nicht zu schlimm. Deswegen kann es im Anfangsstadium einer stressigen Situation hilfreich sein, dem Hund etwas zum Schlecken und Kauen anzubieten. Dabei werden nämlich ganz automatisch Glückshormone freigesetzt, die den Hund beruhigen können. Sobald allerdings ein gewisses Stresslevel erreicht ist, wird in der Regel die Futteraufnahme durch den Hund verweigert. 

4. Beruhigungsmassage

Sofern sich der Hund anfassen lassen möchte, können drei Massagetechniken zu mehr Entspannung verhelfen. Zum einen werden durch das Ausstreichen der Ohren viele Akkupunkturpunkte stimuliert. Dazu wird der Daumen auf die Außenseite des Ohres gelegt und dann mit einer ruhigen Bewegung von der Ohrmuschel bis zur Spitze ausgestrichen. Die andere Hand bleibt dabei ganz ruhig auf dem Hund liegen. Alternativ werden beide Hände in einem Abstand von etwa fünf Zentimetern auf dem Rücken des Hundes platziert. Beide Hände schieben sich dann mit leichtem Druck zusammen, halten kurz und begeben sich dann wieder in die Ausgangssituation. Dies kann dann vom Nacken bis zum Ansatz der Rute Schritt für Schritt durchgeführt werden. Zuletzt bietet sich noch das beruhigende Streichen von der Nase über den Kopf bis hin zur Rute an. Dabei bleibt das Handgelenk locker. In jedem Fall kann eine begleitende, tiefe und bewusste Atmung durch dich unterstützen.

5. Beruhigungsmittel

Im Handel sind verschiedene Beruhigungsmittel für Hunde erhältlich. Auch hier ist es wichtig, die Situation im Kontext zu sehen. Eine allgemeingültige Aussage in Bezug auf die Gabe von Beruhigungsmitteln kann nicht getroffen werden. Ob die Gabe richtig ist, ist unter anderem abhängig vom Ausmaß des Stresses sowie der auslösenden Situation. Wovon allerdings in jedem Fall abgeraten werden sollte sind Beruhigungsmittel, die lediglich den Körper des Hundes still stellen, er im inneren aber immer noch Stress empfindet, diesen nun aber nicht mal mehr durch Aktivitäten abbauen kann. Von solchen pharmazeutischen Beruhigungsmitteln sollte abgesehen werden, insofern dies nicht durch einen ärztlichen Rat hin angeordnet wurde. Was effektiv und auf natürlichem Wege zur Beruhigung beim Hund beitragen kann, sind pflanzliche Beruhigungsmittel. Wie bei uns Menschen auch, können Lavendel, Hopfen, Bachblüten, Baldrian und Johanniskraut dem Hund helfen, sich zu entspannen. Bei der Dosierung ist die Größe des Hundes, sein Gewicht und Alter sowie der Aufregungsgras zu beachten. 

Wie CBD deinem gestressten Hund helfen kann

Eine weitere natürliche Unterstützung bei Stress beim Hund bietet Cannabidiol (CBD). Gewonnen wird es aus Industriehanf. Im Gegensatz zu dem gefürchteten THC, hat CBD keine psychoaktive Wirkung und ist deswegen auch legal. Das Cannabinoid hat nachweislich einen beruhigenden, angstlösenden und entkrampfenden Effekt auf den (Tier-)Körper. Darüber hinaus kommen immer mehr Studien zu dem Ergebnis, dass CBD auch antioxidativ wirkt. Das bedeutet ganz einfach gesagt, dass es Stress vermindern kann. In zahlreichen Laborversuchen konnte eine verstärkte Wirkung durch das Cannabinoid bei oxidativen Schädigungen durch Wasserstoffperoxid festgestellt werden. Bisher ist man davon ausgegangen, dass die Vitamine C und E die stärksten Antioxidantien sind. Nun haben Forscher:innen herausgefunden, dass die Cannabinoide der Hanfpflanze noch bessere Quellen für Antioxidantien darstellen. Der Stress kann durch die Gabe von CBD gesenkt, anhaltende Stresszustände beendet und Schädigungen des Nervensystems bei Tieren verhindert werden. 

CBD soll außerdem die Signalgebung durch Adenosin verstärken. Dadurch entsteht die entzündungshemmende Wirkung von CBD, welche dem entzündungsfördernden Effekt von Stress entgegensteht. CBD soll außerdem Schmerzen lindern und dazu beitragen, das homoöstatische System im (Tier-)Körper aufrechtzuerhalten. Auch die vermehrte Ausschüttung von Noradrenalin kann dadurch wieder ins Gleichgewicht gebracht werden. CBD setzt also nicht nur bei der Bewältigung der Symptome, sondern direkt bei der Ursache an. Der Hund kann mit Hilfe von CBD demnach ruhiger, ausgeglichener und stressfreier leben.  Etliche Tierärzt:innen haben diese Vorteile des Pflanzenstoffes bereits erkannt und binden CBD in ihre Behandlungen mit ein.  

Desensibilisierung und konditionierte Entspannung für einen langfristig ausgeglichenen Hund

Wenn es möglich ist, die stressauslösenden Situationen zu meiden, dann ist diese Variante die einfachste und schnellste Lösung, um deinem Hund zu einem stressfreieren Leben zu verhelfen. Ist dies nicht der Fall, muss er ganz langsam mit den Stressoren konfrontiert werden, um sich daran gewöhnen zu können. Diesen Prozess nennt man auch Desensibilisierung. Damit dies funktioniert, muss man den Hund besonders achtsam und rücksichtsvoll an die Situationen heranführen und ich dabei ein Gefühl von Sicherheit geben. Signalisiere dem Hund außerdem, dass du für seinen Schutz sorgst. Je nachdem um welchen Stressor es sich handelt, muss das Training anders angegangen werden. Im besten Fall sucht man sich diesbezüglich Unterstützung bei erfahrenen Hundetrainer:innen oder Therapeut:innen. Geht man die Desensibilisierung nämlich falsch an, kann man die Situation ganz schnell verschlimmern. 

Für einen langfristig ausgeglichenen Hund ist es von Vorteil, wenn man diesen „auf Kommando“ in einen Zustand der Entspannung bringen kann. Insbesondere bei Hunden, die sich von alleine nicht gut herunterfahren können, ist diese Trainingseinheit äußerst wertvoll. Im Prinzip geht es bei der konditionierten Entspannung darum, beim Hund eine Verknüpfung zwischen Reiz und Zustand herzustellen. Ähnlich wie der Aufbau von anderen Kommandos, kann man den Hund darauf trainieren, ein Signalwort wie „Easy“ mit einem unkonidtionierten Reiz (z.B. eine Massage) und der daraus folgenden Entspannung zu verknüpfen. Darüber hinaus kann man dem Hund auch einen Ort zeigen, an welchem er zur Ruhe kommen darf und ihm nichts passiert. In diesem Fall bringt man dem Hund in ganz kleinen Schritten bei, auf einen ihm zugewiesenen Platz, in der Regel eine Decke, zu gehen und dort zu bleiben. Hier geht es nicht darum, dass der Hund dort etwas bestimmtes machen soll, sondern darum, das dort eben gar nichts passiert. Keine Kommandos, keine Streicheleinheiten, keine Unterbrechung. Der Hund darf lernen, dass dieser Ort zu seinem persönlichen Ruheort wird, an welchem er entspannen kann. Es ist deswegen sinnvoll eine Decke zu verwenden, da man diese auch leicht mitnehmen kann, wenn man das Haus verlässt. 

Fazit

Der Umgang mit Stress ist ein wichtiges und ernstzunehmendes Thema – auch beim Hund. Da es keine allgemeingültige Lösung gibt, ist es wichtig, die Ursache zu erörtern sowie eine passende Behandlungsmethode aufzustellen. Wichtig ist, dass man sich als Halter:in dafür verantwortlich fühlt und auch das eigene Verhalten überdenkt. Unbewältigte Stresssituation hinterlassen nämlich Spuren im Gehirn, Gedächtnis und auch Hormonsystem des Hundes. Langanhaltende und wiederholte Stresssituationen können bis zu massiven Panikanfällen und Krankheiten führen. Damit der Hunde also ein ausgeglichenes Leben führen kann, ist man als Halter:in in der Verantwortung, dem Vierbeiner ein gesundes Maß an Bewegung, Training und Ruhe zu ermöglichen. Ein Hund schläft bis zu 20 Stunden pro Tag, das ist eine lange Zeit! Im Training sollten Unter- und Überforderungen, unklare Befehle und Situationen durch unklare Ansagen und Konsequenzen gemieden werden. Ein gestresster Hund braucht ein regelmäßiges Training in ruhiger Umgebung mit Aufgaben, die kein hohes Erregungsniveau erreichen. Deswegen eigenen sich zur Auslastung besonders gut Balanceübungen auf Baumstämmen, Konzentrationsübungen, Mentaltraining, Suchspiele mit Futterbeutel oder/und versteckte Futterstückchen, Gegenstandssuche, Fährtenarbeit. Insbesondere Suchspiele sind für den Hund sehr anstrengend und können ihn auf ganz ohne hektisches Ballspiel artgerecht auslasten. Das relaxte Nichtstun an der Leine sowie eine gute Portion an Schmusestunden darf natürlich auch nicht fehlen. Falls nötig, kann der Hund durch pflanzliche Mittel in stressigen Situationen auf natürliche Weise unterstützt werden.