Überblick über die Einsatzmöglichkeiten von Hanf

Titelbild: Ria Sopala auf Pixabay

Die Hanfpflanze erzählt eine lange Geschichte hinsichtlich ihrer Bedeutung für Mensch und Natur. Die Einsatzmöglichkeiten von Hanf sind so umfangreich wie bei fast keiner anderen Pflanze. Die berauschende Wirkung, die den Hanf bis heute in ein schlechtes Licht rückt, ist dabei nur ein Bruchteil. Im Fokus stehen immer mehr Verwendungsmöglichkeiten in unterschiedlichen Branchen, weshalb sich der Hanf zur Zeit einem positiven Imagewandel erfreuen darf.

Um die Einsatzmöglichkeiten von Hanf verstehen zu können, bedarf es einer kurzen Vorstellung der Pflanze. Verwendet werden kann alles an der Pflanze. Blüten, Samen und die Stängel, welche aus wertvollen Hanffasern bestehen. Die einfache und unkomplizierte Kultivierung von Hanf ist wohl der Grund dafür, weshalb das Gewächs zu den ältesten Kulturpflanzen zählt. Höhlenmalereien gelten als Beweis dafür, dass der Hanf uns Menschen schon von Beginn an begleitet hat. Die Hanfpflanze wird sogar als Wegbereiter der Menschheit angesehen. Die Geschichte von Hanf und ihre Bedeutung für den Menschen hat ihre Wurzeln in der Landwirtschaft und ist dort bis heute vertreten.

Hanf in der Landwirtschaft

Nutzhanf oder auch Faserhanf genannt, fällt nicht unter das Betäubungsmittelgesetz und kann somit (wieder) in Deutschland zu landwirtschaftlichen Zwecken angebaut und verwertet werden. Die verwendeten Sorten und die Kulturführung sind ausschlaggebend für den legalen Einsatz. Das entscheidende Kriterium ist dabei der THC-Gehalt. Maximal 0,2% darf in der Trockenmasse vorhanden sein. Hanf bevorzugt mittelschwere Böden mit guter Wasserversorgung und einem optimalen pH-Wert zwischen 6 und 7,5. Dank seiner Pfahlwurzeln, hat die Pflanze einen guten Vorfruchtwert. Außerdem bedarf es deswegen kaum bis gar keiner Bewässerung. Hanf ist anspruchslos und robust, Krankheiten treten kaum auf. Außerdem beschattet der Hanf aufgrund seines schnellen Wachstums gut die Böden, weshalb auch der Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln nicht notwendig ist. Somit eignet sich die Pflanze optimal für den Bioanbau. Je nach Verwendung des Endproduktes, unterscheidet sich lediglich die Anbautechnik.

Fasern, Samen und die Blütenstände der Pflanze sind die Endprodukte, welche durch den Anbau von Hanf abfallen. Die Fasern der Pflanze können in Folge der Röstung durch mehrfaches Brechen extrahiert werden. Das Rösten ist ein komplexer, mehrwöchiger mikrobiologischer Prozess, bei dem Lignin und Pektine abgebaut werden. Dies ist notwendig, damit sich der Holzanteil des Stängels besser von den Fasern trennen lässt. Beide Pflanzenteile werden dadurch zudem weicher und flexibler. Die Fasern können zu diversen Produkten weiterverarbeitet werden. Der beim Entfasern herausgetrennte Holzanteil der Stängel, lässt sich unter dem Begriff Schäben zusammenfassen. Diese können durch die Landwirte als hochwertiges Einstreu für die Ställe der Tiere verwendet werden. Die Samen der Pflanze dienen wiederum als Futtermittel eben dieser. Abgesehen davon nutzen Landwirte die Hanfpflanze gerne als Gründünungspflanze zwischen den regulären Erntezeiten. Gründüngung bezeichnet das gezielte Anbauen von Pflanzen zur Bodenverbesserung im Acker-, Obst-, Wein- und Gartenbau. Dieses Vorhaben gibt dem Erdboden die Möglichkeit, sich zu regenerieren. Gründüngungspflanzen locken die dazu notwendige organische Materie an. Außerdem helfen sie dabei, dem Erdboden wieder etwas Feuchtigkeit zu geben, damit er nicht austrocknet und erodiert. Bei Hanf handelt es sich um eine Phytoremediationspflanze, die dabei hilft, den Boden zu entgiften und Nährstoffe darin zu fixieren. Zusätzlich begünstigt das schnelle Wachstum der Hanfpflanze die Unkrautvernichtung und Schädlingsbekämpfung auf den Äckern. Somit stellt sich Hanf als wahrer Bodenverbesserer heraus.

Hanf in der Lebensmittelindustrie

Nicht nur Tiere profitieren von Hanfsamen als Nahrungsquelle – auch wir Menschen. Aus den Samen, Blüten und Blättern lassen sich allerlei Lebensmittel herstellen und aromatisieren. Besonders Hanfsamen eignen sich hervorragend als wertvolle Komponente, die in einer gesundheitsbewussten Ernährung nicht fehlen sollten. Sie sind reich an Spurenelementen, hochwertigen Fetten, Ballaststoffen und dienen als pflanzliche Eiweißquelle. Die Samen können ganz einfach zu dem Müsli hinzugefügt oder einer Backmischung beigemengt werden. Außerdem lässt sich daraus Hanföl herstellen. Dieses kann ebenfalls ganz einfach beim Kochen und Backen eingesetzt werden und weist eine ähnliche Zusammensetzung an wertvollen Nährstoffen auf, wie die Samen selbst. Aus Samen hergestelltes Hanfpulver kann beispielsweise zu Nudeln weiterverarbeitet oder als pflanzliches Proteinpulver verwendet werden.

Hanf in der Papierindustrie

Hanf war bis Ende des 19. Jahrhunderts der Hauptrohstoff für Papier. Bücher, Landkarten, Papiergeld, Wertpapiere und Zeitungen wurden aus Hanf hergestellt. Sogar die Gutenberg-Bibel wurde auf Hanfpapier geschrieben. Es war eine Selbstverständlichkeit, Papier aus Hanf herzustellen. Nach dem zweiten Weltkrieg fand allerdings ein Wandel innerhalb der Papierproduktion statt, Holz wurde günstiger und ersetzte den Hanf. Der heutige Marktanteil von Hanffasern innerhalb der Papierproduktion ist inzwischen wieder auf ca. 70-80 % gestiegen. Allerdings beschränkt sich der Einsatz hauptsächlich auf die Herstellung von Zigarettenpapier, Banknoten und Hygieneprodukten. Normales Schreibpapier ist im Handel fast nirgends erhältlich, obwohl die Vorteile gegenüber dem üblich verwendeten Fichten- oder Buchenholz enorm sind. Hanfpapier ist länger haltbar, reißfester sowie auch im feuchten Zustand weiter verwendbar. Dies ist dem Zellulose-Gehalt geschuldet, der im Vergleich zu anderen Papierarten wesentlich höher ist. Außerdem weist Hanf im Gegensatz zu Holz keine Einlagerungen von Lignin auf, wodurch das Papier selbst im feuchten Zustand kaum reißt. Deswegen kann auch auf den Einsatz von Chemikalien bei der Herstellung von Hanfpapier größtenteils verzichtet werden. Ein weiterer Vorteil stellt die Effizienz in der Herstellung dar. Man gewinnt ungefähr 5 mal mehr Papier aus Hanf, da dieser aufgrund des schnellen Wachstums bis zu 3 mal im Jahr geerntet werden kann und weniger Anbaufläche benötigt als Holz. Bäume brauchen ungefähr 80 Jahre bis diese für die Industrie nutzbar sind. Außerdem kann man Hanfpapier aufgrund der reißfesten Eigenschaft wesentlich öfter recyceln als Papier aus Holz. Der Grund, warum trotz dieser Fülle an Vorteilen, Holz in der Papierproduktion weiterhin als Vorreiter gilt, liegt lediglich an dem jeweiligen Preis des Rohstoffes. Hanf ist im Vergleich zu Holz viel teurer.

Hanf in der Bauindustrie

Die primären Endprodukte des Anbaus von Hanf, den Fasern und dem Öl, schaffen großes Potenzial für die Verwendung von Hanf in der Bauindustrie und einer damit einhergehenden Revolutionierung dieser Branche. Fast jeder Arbeitsschritt im Hausbau kann mit Hilfe von Hanfprodukten durchgeführt werden. Die Komponenten können so geformt und weiterverarbeitet werden, dass sie die Eigenschaften von Holz, Beton, Kunststoff, Ziegeln, Isoliermaterial und sogar Verkleidung nachahmen können. Man testet derzeit naturfaserverstärkte Kunststoffe, wo der Hanf ein Hauptbestandteil ist. Aus Hanfkunststoff können dann Rohre hergestellt werden, aus Hanfölen die Farbe an der Wand. Tatsächlich lassen sich Öl- und Druckfarben aus Hanf kaum von synthetisch hergestellten Farben unterscheiden. Nicht nur Wände sondern auch Möbel können damit bearbeitet werden. Aus Hanf lässt sich nämlich auch Firnisse herstellen, ein schnell trocknendes, farbloses Öl, welches als Schutzschicht auf die Möbel aufgetragen werden kann. Ebenso können Teppiche aus dem nachhaltigen Rohstoff hergestellt werden. Die Vielseitigkeit der Möglichkeiten mit Hanf als umweltfreundliche Ressource ist unschlagbar und lässt Gebäude in einem nachhaltigeren Glanz erscheinen. Die Vorteile des Einsatzes von Hanf in der Bauindustrie sind allerdings noch weiter zu fassen. Hanfbeton zum Beispiel ist siebenmal stärker, trotzdem um die Hälfte leichter und dreimal biegsamer als normaler Beton. Verwendet werden kann er für Wände und Fundamente. Die Härte des Betons erhöht sich durch das Aussetzen der Witterung, er versteinert und Wände aus Hanfbeton weisen dadurch das Potenzial auf, tausende von Jahren zu überdauern. „Moderne“ Baustoffe können diesbezüglich nicht mithalten. Die im Hanf eingelagerte Kieselsäure ist für die atmungsaktive Eigenschaft des Baumaterials verantwortlich. Das Entweichen von Feuchtigkeit aus dem Gebäude heraus wird somit gefördert. Diese Eigenschaft beugt der Ansammlung von überschüssiger Feuchtigkeit vor und somit auch der daraus resultierenden Schimmelbildung. Deswegen sind Hanffasern auch dankbarer Bestandteil von ökologischen Dämmplatten. Diese sind fäulnisresistent sowie schallisolierend. Auch hinsichtlich der Wärmedämmung weist Hanf ein großes Potenzial auf. Darüber hinaus wird Kohlendioxid durch den extrem hohen Zelluloseanteil im Hanf absorbiert und gebunden. Bis zu 10 Tonnen Kohlendioxid können durch ein aus Hanfbeton gebautes Haus gebunden werden. Die CO2 Bilanz eines solchen Gebäudes ist somit sehr gut. Leider sind die Kosten für ein umweltfreundliches Haus auf Hanf wesentlich höher. Grund dafür ist das Gesetz von Angebot und Nachfrage in der freien Marktwirtschaft. Die bisherige Anzahl an Angeboten ist überschaubar, die Preise allerdings vergleichsweise hoch. Da es sich bei Hanf um eine C02 positive, lokale und erneuerbare Ressource handelt, die zugleich einfache zu verarbeiten ist, keine giftigen Stoffe transportiert und eine überlegene Isolierung und Stärke bietet, macht es jedoch durchaus Sinn, in diesen Rohstoff zu investieren.

Hanf in der Textilindustrie

Hanffasern bieten sich neben der Verwendung als Baustoffe auch als ökologischer Rohstoff in der Textilindustrie an. Die extrem elastischen und reißfesten Hanffasern eignen sich hervorregend für die Verarbeitung von stark beanspruchten Geweben. Mehrere Automobilkonzerne nutzen aufgrund dieser Eigenschaften solche Fasern zur Herstellung der Innenverkleidung. Dazu kommt, dass Hanf nur schwer entflammbar ist, weshalb Henry Ford im Jahr 1941 das „HempCar“ präsentierte, bei welchem neben der Innenverkleidung so ziemlich alle anderen Teile ebenfalls aus Hanf hergestellt wurden. Auch Kleidung aus Hanf ist belastbarer und reißfester als herkömmliche Kleidung aus Baumwolle. Levi Strauss, als Erfinder der Jeans, verwendete für seine Hosen ebenfalls Hanfstoffe. Ihre Struktur zeichnet sich durch eine sichtbare Webung aus und ähnelt der von Leinenstoffen. Besonders gut eignen sich Textilien aus Hanf für Allergiker, da bei dem Anbau keine schädlichen Chemikalien eingesetzt werden müssen und die Stoffe somit frei von giftigen Rückständen oder Spritzmitteln sind. Die atmungsaktive und wärmeleitende Eigenschaft von Hanffasern kommt der Funktionalität von Thermowäsche sehr gelegen. Hanfstoffe wärmen bei Kälte und kühlen bei Wärme oder Hitze. Dabei bleiben sie länger frisch und können die Temperatur sehr gut ausgleichen. Außerdem sind sie angenehmer zu tragen und absorbieren bis zu 95% der UV-Strahlen.

Doch nicht nur Stoffe und Gewebe können aus Hanf hergestellt werden. Auch die Füllung von beispielsweise Kissen und Bettdecken kann mit Hilfe der Produkte der Hanfpflanze sichergestellt werden. An dieser Stelle ist auch wieder die atmungsaktive Eigenschaft von Hanf zu erwähnen, die die über Nacht ausgestoßene Feuchtigkeit schnell vom Körper wegleitet. Wer also Wert auf eine natürliche Bettausstattung legt, profitiert von der Verwendung des Rohstoffes und einem fest-elastischen Liegegefühl.

Ähnlich wie in der Bauindustrie fehlt es leider auch in der Textilindustrie an einer produktiven und effizienten Herstellung der Stoffe und einer entsprechenden Nachfrage, damit die zur Zeit noch hohen Preise für Hanftextilien sinken können.

Hanf in der Kosmetikbranche

Das aus den Samen hergestellte Hanföl findet nicht nur in der Küche seinen Einsatz. Tatsächlich weist es wertvolle Eigenschaften für unsere Haut auf und kann sogar als natürlicher Sonnenschutz eingesetzt werden. Die Inhaltsstoffe der Hanfsamen erweisen sich laut diverser Studien als unterstützend bei diversen Hautkrankheiten. Die Menge essentieller Fettsäuren eignet sich perfekt für die Erhaltung unserer natürlichen Barriere und versorgt die Haut mit ausreichend Feuchtigkeit. Außerdem wirken die enthaltenen Fettsäuren entzündungshemmend und sollen den Alterungsprozess der Haut verringern. Zudem erweist sich Hanföl als besonders hilfreich bei der entzündlichen Hautkrankheit Akne. Hautirritationen als Folge einer Rasur, kann mit Hilfe von Rasurprodukten mit Hanföl entgegenwirkt werden. Die hohe Gleitfähigkeit und feuchtigkeitsspendende Eigenschaft derer, schützt die Haut vor dem Austrocknen. Auch unser Haar profitiert durch den Einsatz von Hanföl und die damit einhergehende Pflege.

Hanf in der Medizin

Die Inhaltsstoffe von Hanf sind ausschlaggebend für deren erfolgreichen Einsatz in der Medizin. Dabei stehen insbesondere die enthaltenen Cannabinoide THC und CBD im Fokus der Forschung. Bei der Anwendung werden im Körper positive physische und psychische Effekte hervorgerufen. Sogenannter Medizinalhanf, auch Cannabis genannt, wird bereits in Fertigarzneitmittel eingebunden. Diese sollen unter anderem bei Schlafstörungen und Epilepsie helfen und haben bei der Behandlung von Multiple Sklerose bereits einige Erfolge erzielt. Auch das Krankheitsprofil von Arthritis und Darmbeschwerden, die auf chronische Entzündungen des Körpers zurückzuführen sind, lassen sich mit Hilfe von Cannabis erfolgreich behandeln. Die beruhigende Wirkung der Inhaltsstoffe zeigt positive Ergebnisse bei der Behandlung psychischer Erkrankungen, wie Angststörungen, Stressymptomen, ADHS, bipolare Störungen, schizophrene Psychosen und Depressionen.

Die Zukunft von Hanf als ökologischer Rohstoff

Hanf kennzeichnet sich durch eine Vielzahl an wertvoller Eigenschaften. Zum einen sind die Inhaltsstoffe zu erwähnen, die den Organismus von Säugetieren positiv beeinflussen können. Zudem ist die Verwendung der Pflanzenteile in unterschiedlichen Branchen möglich und kennzeichnet sich durch Umweltverträglichkeit, längere Haltbarkeit, niedrige Energiebilanz und einer erhöhten Strapazierfähigkeit. Bei Naturschützern gilt der Hanf als eine der nachhaltigsten Rohstoffe der Zukunft. Fachinstitute aus der Bauindustrie sehen in der Verwendung von Hanf ein großes Wachstumspotenzial. Die Herstellung unterschiedlichster Produkte aus Hanf ist wesentlich umweltfreundlicher , effektiver und auch qualitativ wertvoller als die Herstellung mittels anderer, teils synthetisch hergestellter, Materialien. Trotz vieler Vorteile ist die primäre Verwendung von Hanf in den meisten Fällen noch weit entfernt. Das Hauptkriterium beschreibt den Preis des ökologischen Rohstoffes. Aufgrund des immer größer werdenden Nachhaltigkeitsgedanken innerhalb unserer Gesellschaft ist allerdings anzunehmen, dass sich diese Preislücke in den nächsten Jahren schließen wird.