CBG: Ein weiteres Cannabinoid mit großem Potential

Titelbild: Darwin Laganzon auf Pixabay

Die Cannabispflanze ist aufgrund ihrer Wirkung schon seit Beginn an die wohl umstrittenste Pflanze. Grund dafür sind die enthaltenen Wirkstoffe, die auf der einen Seite den verteufelten psychoaktiven Effekt aufweisen, auf der anderen Seite aber eine deutlich positive Wirkung auf den menschlichen Organismus haben. Besonders die Cannabinoide rücken dabei in den Fokus der Wissenschaft. Es existieren bereits zahlreiche Beiträge über erfolgreiche natürliche Behandlungsweisen diverser Krankheiten mittels einem der nicht psychoaktiven Inhaltsstoffe, dem Cannabidiol (CBD). Doch die Hanfpflanze hat noch mehr zu bieten. Um genau zu sein über 100 weitere Cannabinoide, die zum Teil allerdings leider noch weniger erforscht sind. Dazu zählt unter anderem Cannabigerol (CBG).

Was ist CBG

Dieses bisher nahezu unbekannte Cannabinoid ist in den meisten Hanfsorten nicht in besonders nennenswerten Mengen vorhanden. Im Durchschnitt fällt der Wert des enthaltenen CBG von herkömmlich geernteten Hanfpflanzen auf lediglich 1%. Jedoch lohnt sich die genauere Betrachtung des Wirkstoffes, da es auch für uns Menschen und unsere Gesundheit von großem Interesse sein kann.

1964 wurde das Phytocannabinoid erstmals als Bestandteil von Haschisch entdeckt. Man findet das Cannabigerol vor allem in jungen Cannabispflanzen, die noch nicht vollkommen ausgereift sind. Dies rührt daher, dass es sich bei diesem Inhaltstoff tatsächlich um den Vorläufer der bereits deutlich bekannteren Cannabinoide CBD und THC handelt. Die Cannabispflanze produziert nämlich zuerst die Cannabigerolsäure (CBGA), welche dann durch entsprechende Enzyme unter anderem zu Cannabinoidsäure (CBDA) bzw. Tetrahydrocannabinoleinsäure (THCA) umgewandelt wird. Unter Einfluss von Sonnenlicht, ultraviolettem Licht und Wärme werden die Säuren dann zu CBD, THC oder CBG. Diese Faktoren leiten den Trocknungsprozess ein und führen zu der genannten Umwandlung. Je älter die Pflanze, desto weniger CBG ist somit in ihr enthalten. Das optimale Alter der Hanfpflanze zur Extraktion des Wirkstoffs beträgt ca. 6 Wochen. Allerdings kann man das CBG auch aus Hanfsamen gewinnen, der Anteil ist in diesem Fall allerdings noch geringer. Indica-Sorten sollen allgemein einen höheren Anteil an CBG aufweisen als Sativa-Sorten.

Der Unterschied in der Wirkung zwischen CBD und CBG

Bei CBD und CBG handelt es sich somit um zwei verwandte Cannabinoide. Bei beiden Stoffen handelt es sich jedoch um nicht-psychoaktive Wirkstoffe. Es sind keine Effekte bekannt, die das Bewusstsein durch die Einnahme verändern sollen. Im Gegenteil, die psychoaktive Wirkung von THC soll sowohl durch CBD als auch CBG gehemmt werden.

Die Ähnlichkeit der Cannabinoide CBD und CBG setzt sich auch in der Wirkung fort. Beide Inhaltsstoffe der Cannabispflanze weisen ein großes medizinisches Potential auf. In beiden Fällen sollen beispielsweise Angst und Depression effektiv gelindert werden, ebenso Schmerzen und Übelkeit. Sogar Multiple Sklerose erfährt mit Hilfe von Cannabis neue alternative Behandlungsmöglichkeiten.

Dennoch stellen CBD und CBG unterschiedliche Verbindungen dar, weshalb durchaus auch Unterschiede in der Wirkungsweise bestehen. Diese sind zwar gering, jedoch nicht zu ignorieren. Je nachdem welche Beschwerden vorliegen, sollte man genau abwägen, welches Cannabinoid die bessere Wahl ist. Beispielsweise ist das CBG dem CBD in Bezug auf Probleme mit der Haut deutlich voraus. Besonders bei schuppiger Haut ist eine Behandlung mit CBG empfehlenswert. Auch wird dem CBG eine besonders positive Auswirkung auf die Stimmung sowie die Qualität des Schlafs nachgesagt. Bei Darm- und Verdauungsproblemen jedoch, erweist dich CBD als deutlich effektiver. Ebenso als Bestandteil einer alternativen Schmerztherapie. Cannabigerol wiederum kann nachweislich den Augen-Innendruck senken und damit den Abfluss der Tränenflüssigkeit fördern, weshalb ein Einsatz bei grünem Star vorteilhaft sein kann. Diese Eigenschaft konnte CBD noch nicht sicher nachgewiesen werden. Die Auswirkungen auf den Appetit der beiden Cannabinoide unterscheiden sich auch ganz deutlich. Während CBD den Appetit eher hemmt, soll das Cannabigerol eher eine gegenteilige Wirkung hervorrufen.

Forschung zu CBG

Die Forschung zu CBG steht noch in den Kinderschuhen, allerdings existieren bereits anfängliche Studien, die das CBG bezügliche seiner pharmakologischen Eigenschaften untersuchen. Erste Hinweise deuten darauf hin, dass dieses Cannabidiol eine entzündungshemmende und antibakterielle Eigenschaft aufweist.

Studien zufolge gilt CBG als milder Antagonist gegenüber des CB1-Rezepors des Endocannabinoidsystems, was unter anderem zu der bereits Erwähnten Hemmung der psychoaktiven Wirkung von THC führt. Zudem wird eine Wechselwirkung zwischen CBG und dem CB2-Rezeptor in eben diesem körpereigenen System angenommen. Ob CBG dabei antagonistisch oder agonistisch, konnten die Forscher der University of Barcelona in Spanien allerdings noch nicht sicher aufzeigen. Allerdings sind sie sich der regulierenden Wirkung von CBG innerhalb der Endocannabinoid-Signalgebung bewusst geworden.

CBG soll gegen die fortlaufende Antibiotikaresistenz ankämpfen

Das Streben nach alternativen Heilmethoden kommt daher, dass das Problem der Antibiotikaresistenz diverser Bakterienstämme immer populärer wird. Die Infektionen sprechen in diesen Fällen kaum noch auf die Behandlung mit Antibiotika an, weshalb eine Heilung immer schwieriger wird. Dadurch ist die Antibiotikaresistenz zu einer großen Bedrohung für die öffentliche Gesundheit geworden. Der eventuelle Verlust zuvor wirksamer Antibiotika könnte für die Menschheit schlimme Folgen haben. Patienten könnten schwere Folgen durch Routine-Infektionen erleiden, Operationen würden als zu riskant eingestuft werden, um sie durchzuführen. Gefördert wird die fortlaufende Antibiotikaresistenz durch den häufigen Einsatz beim Menschen sowie die umfangreiche Verwendung in der Massentierhaltung. Um diesem Voranschreiten also entgegenzuwirken und die Menschheit vor dieser Bedrohung zu bewahren, sucht man vermehrt nach alternativen Behandlungsmethoden.

Durch die Veröffentlichung einer Studie im Jahr 2008 wurden erstmalig verschiedene Cannabinoide auf ihre antibakterielle Eigenschaft getestet. Dabei wurden insbesondere Bakterien untersucht, die üblicherweise mit Antibiotika behandelt werden. Die systematische Anwendung der Pflanzenstoffe zur Bekämpfung von bakteriellen Entzündungen war zu dieser Zeit noch nicht ausreichend erforscht. Jedoch deuteten die Ergebnisse der italienischen Studie darauf hin, dass die Anwendung von Cannabinoiden zur Reduzierung von Staphylokokken auf der Haut großes Potential aufweist. Hautinfektionen sind die häufigste Infektionsform, welche durch diesen Bakterien ausgelöst werden kann.
Bestimmte Arten dieses Bakterienstammes sondern eine giftige Substanz ab, welche dazu führen kann, dass sich die oberste Schicht der Haut von den restlichen Hautschichten ablöst. Einige Stämme der Staphylokokken sind bereits vollständig resistent. Trotz der bestehenden Resistenz konnten die Cannabinoide Wirkung zeigen.

Spricht man heute von Antibiotikaresistenz, werden damit häufig MRSA-Keime gemeint. Das Bakterium namens Methicillin resistenter Staphylococcus aureus kann lebensgefährliche Infektionen verursachen. Er zählt zu den gefürchteten Krankenhauskeime, die aufgrund ihrer voranschreitenden Antibiotikaresistenz besonders bei immunschwachen Personen ein großes Risiko darstellen. Eingeschränkte Therapiemöglichkeiten führen bei schweren Infektionen durchaus zum Tod. Dabei wird erneut deutlich, wie wichtig das gründliche Waschen und Desinfizieren der Hände ist – auch unabhängig von Corona. Der MRSA-Bakterienstamm besiedelt nämlich insbesondere die Haut und Schleimhäute. Übertragen werden die Keime beispielsweise beim Händeschütteln. Dass sich die Bakterien an unseren Handinnenflächen sammeln, ist allerdings nicht das Problem. Gefährlich wird es erst dann, wenn die Bakterien ins Körperinnere vordringen und dabei auf ein geschwächtes Immunsystem treffen.

Findet man in CBG ein natürliches Antibiotikum?

Mit diesem Thema hat es das CBG vor kurzem in die Zeitung verschlagen. Dabei wurde auf die antibakterielle Eigenschaft von Cannabigerol verwiesen. Laut der kanadischen McMaster University soll diese Eigenschaft von CBG dem Cannabinoid großes Potential in Bezug auf die Entwicklung alternativer Antibiotika zuschreiben.

Gerade weil laut mehreren Forschern die verschiedenen MRSA-Stämme gegen die herkömmlichen Antibiotika resistent sind, ist es umso erstaunlicher, dass laut der Studie der kanadischen Universität Cannabinoide eine antibakterielle Aktivität gegen MRSA ausweisen sollen. Bereits auf Oberflächen bestehende antibiotikaresistente Bakterienansammlungen sollen durch die natürlichen Wirkstoffe vernichtet werden. Dieses Ergebnis ist erstaunlich und für die Entwicklung alternativer Antibiotika ausschlaggebend.

Bakterien unterscheiden sich in ihrem Aufbau der Zellwand. MRSA hat eine dickere Zellwand und zählt somit zu den grammpositiven Bakterien. Man misst den Aufbau der Zellwand mittels der Gramm-Färbung, daher die Bezeichnung. Bakterien mit einer dünnen Zellwand, nennt man grammnegative Bakterien. Im Experiment in Kanada erkennt man unter anderem, dass der Wirkungsmechanismus von CBG auf zytoplasmatische Membran von grammpositiven Bakterien abzielt. Eine erfolgreiche Wirkung bei grammnegativen Bakterien konnte ebenfalls festgestellt werden. Ein zentrales Ergebnis dieser Forschungsarbeit war allerdings die Erkenntnis, dass speziell das CBG in Kombination mit einem Antibiotikum (Polymyxin B) multiresistente grammnegative Krankheitserreger erfolgreich bekämpfen kann. Somit hat sich das bisher nahezu unentdeckte Cannabinoid als Geheimwaffe im Krieg gegen antibiotikaresistente Bakterien enttarnt. Die Forscher legen nahe, dass in Cannabinoiden – besonders in CBG – großes Potential steckte, als Antibiotika angewandt zu werden. Bis es dazu kommt, muss allerdings weitere Forschungsarbeit betrieben werden, da innerhalb des Experiments der Wirkstoff zwar durchaus Bakterienzelle vernichtete, gleichzeitig aber auch toxisch auf andere Zellen wirkte. Demnach ist der nächste Schritt, die nötige Verbindung spezifischer zu definieren um somit die Risiken und Nebenwirkungen für den Anwender zu senken.

CBG im Einsatz gegen Krebs

Ein weiteres Forschungsgebiet ist der Einsatz von Cannabis bei Darmkrebs und adenomatöse Polypen. Unter anderem israelische Wissenschaftlicher haben diese Wirksamkeit überprüft. Die Ergebnisse der Studie zeigen deutlich, dass für den verursachten Zellstillstand bei Darmkrebszellen sowie den apoptotischen primär das CBG verantwortlich war. Daraus resultiert die Annahme, dass sich CBG womöglich positiv auf die Behandlung von Tumoren im Darm auswirken kann. Dass das Wachstum von Darmkrebszellen durch CBG reduziert werden kann, wurde bereits durch weitere Wissenschaftler bestätigt.

Auch im Kampf gegen weitere Krebsarten ist CBG bereits erfolgreich gewesen. Bereits 1996 fand man ähnliche Auswirkungen von CBG bei der Behandlung von Hautkrebs. Im Experiment mit Mäusen konnte nachgewiesen werden, dass durch die Zugabe des Phytocannabinoiden das Wachstum der Hautkrebszellen deutlich reduziert werden konnte. 2011 wurde ein Artikel im British Journal of Pharmacology veröffentlicht, welcher von der Krebs-hemmenden Eigenschaft von CBG berichtete. In diesem Zusammenhang wurde auch der Einsatz bei Brust- und Prostatakrebs genannt.

Anwendung von CBG in Form von Öl

Das Cannabidiol ist inzwischen in unterschiedlichen Formen und Varianten auf dem Markt erhältlich, weshalb es diverse Konsummöglichkeiten des beliebten Wirkstoffes der Cannabispflanze gibt. Cannabigerol ist in Form von Öl erhältlich und kann ebenso wie CBD-Öl sublingual, also durch das Tropfen des Öls unter die Zunge oder durch das direkte Auftragen auf betroffene Hautstellen, also topisch, angewandt werden. Das CBG soll im Vergleich zu CBD-Öl etwas bitter schmecken. Die Verwendung von Vollspektrum-Ölen ist auch im Fall von CBG ratsam. Dadurch wird nicht nur dieses eine Cannabinoid in isolierter Form verabreicht, sondern das volle Wirkungsspektrum der Cannabispflanze wird ebenfalls abgedeckt. Der Körper kann sich bei der Verwendung von Vollspektrum CBG-Öl also den sogenannten Entourage-Effekt zunutze machen.

In jedem Fall sollte die Packungsbeilage und die empfohlene Dosis beachtet werden. Man beginnt prinzipiell immer mit einer kleineren Dosierung um sich mit dem Wirkstoff vertraut zu machen. Im Laufe der Zeit kannst du dann nach Belieben eine Steigerung vornehmen um die Anwendung an deine individuellen Bedürfnisse anzupassen. Studien haben herausgefunden, dass die maximale therapeutische Dosis 300mg CBG pro Kilogramm Körpergewicht des Menschen beträgt. Solch große Mengen werden aber in der Regel nicht verabreicht, denn auch in diesem Fall gilt: Viel hilft nicht immer viel.

Keine bekannten Nebenwirkungen durch CBG

Ähnlich wie bei dem bekannten CBD sind auch im Fall der Einnahme von CBG keine Nebenwirkungen bekannt. Auffällig ist lediglich das breite Spektrum an positiven Wirkungsweisen des natürlichen Pflanzenstoffes. Anstatt Schaden zu verursachen ist CBG viel mehr dafür bekannt, den Hormonhaushalt des Menschen im Gleichgewicht zu halten und Abtransport von gefährlichen Abfall- und Giftstoffen anzuregen. Diese Wirkungsweise ist also für Körper und Geist eine wahre Bereicherung. Sollte es zu einer Überdosierung kommen, können Erbrechen, Übelkeit und Durchfall kommen. Die appetitfördernde Eigenschaft von CBG könnte sich außerdem negativ auf den Wunsch nach konsequentem Abnehmen auswirken. Schwangere und stillende Frauen sollten, wie auch bei der Zugabe von anderen Nahrungsergänzungsmitteln, zuvor ihren Arzt aufsuchen um mögliche Risiken in Bezug auf das Baby ausschließen zu können. Ebenso sollten Personen, die regelmäßig starke Medikamente zu sich nehmen, die zusätzliche Einnahme von CBG mit dem betreuenden Arzt besprechen.

In Summe stellen diese Informationen das CBG in ein äußerst positives Licht mit enorm viel Potential hinsichtlich dem Einsatz in der Medizin. Man muss jedoch beachten, dass die Forschung zu Cannabis an sich nicht ausgereift ist – die Forschung zu CBG beschreibt jedoch nur einen Bruchteil des Möglichen. Demnach bedarf es auf jeden Fall mehr Studien zu dem Einsatz, um das volle Wirkungsspektrum von Cannabinoiden, insbesondere dem Cannabigerol verstehen und einschätzen zu können. Jedoch schmeicheln diese ersten Erkenntnisse der Pflanze und helfen eventuell dabei, den Ruf als illegale Droge irgendwann zu verlieren.