Wie verträgt sich CBD mit Alkohol?

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Weltweit trinken wir Menschen immer mehr Alkohol. Von 1990 bis 2017 ist der Alkoholkonsum der Weltbevölkerung um 70 Prozent gestiegen. Bei manchen ist es das Feierabendbier, der Longdrink am Wochenende oder aber auch das chronische Bedürfnis nach Alkohol. Durch den Konsum werden Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Emotionen und Reaktionsvermögen des Konsumenten beeinflusst. Die Mischung von Alkohol mit anderen Wirkstoffen kann schnell gefährlich werden. Vorsicht ist beispielsweise geboten, wenn man gleichzeitig Medikamente einnimmt. Während einer Medikamententherapie wird grundsätzlich dazu geraten auf Alkoholkonsum in jeglicher Form zu verzichten. Die Wirkung der Arznei kann verstärkt werden, Risiko für Magen-Darm-Geschwüre oder Blutungen steigt und der Alkohol wird wesentlich langsamer abgebaut. Auch Cannabiskonsumenten bekommen die Folgen von Mischkonsum deutlich zu spüren. Jede Drogen für sich stellt bereits eine große Belastung für den Kreislauf dar. Eine Kombination führt daher häufig zu Übelkeit und Erbrechen. Zudem lassen Reaktionsvermögen und Orientierungsfähigkeit schneller und stärker nach, wenn man beides gleichzeitig konsumiert, als bei reinem Alkoholkonsum. In Einzelfällen kann es sogar zu Halluzinationen kommen. Alkohol und Cannabis ist also keine gute Idee. Doch wie steht es um die Verträglichkeit von CBD und Alkohol? Darauf soll im folgenden Beitrag eingegangen werden.

Darf man Alkohol trinken, wenn man CBD konsumiert?

Diese Frage könnte man mit einem klassischen ja, aber … beantworten. Alkohol gilt in unserer Gesellschaft als die meist konsumierte Droge, dicht gefolgt von Zigaretten. Ganz egal ob man einen anstrengenden Tag hinter sich hatte oder sich mit Freunden am Wochenende zu einem gemeinsamen Beisammensein verabredet – ein Glas Rotwein oder eine Flasche Bier dürfen oft nicht fehlen. Wenn man parallel dazu aber CBD einnimmt, stellt man sich zurecht die Frage, wie sich der Wirkstoff in Kombination mit Alkohol verhält und umgekehrt. Die kurze Antwort auf die Frage, ob man die Substanzen mischen kann, scheint ja zu sein. Für eine genauere Betrachtung muss man sich allerdings die Wirkungsweise beider Substanzen genauer anschauen.

Wie Alkohol auf den Körper wirkt

Was im allgemeinen Sprachgebrauch unter Alkohol bekannt ist, wird in der Fachsprache Ethanol genannt. Hierbei handelt es sich um ein organisches Lösungsmittel. Es entsteht durch Gärungsprozesse, die Pilze in zuckerhaltigen Flüssigkeiten auslösen. Ethanol zählt zu den wenigen in Deutschland legalen Drogen. Jeder der schon einmal Alkohol in größeren Mengen konsumiert hat, kann ungefähr die Wirkung dieser Droge einschätzen. Obwohl Alkohol primär aus Hefe und Zucker besteht, wirkt dieser als starkes Sedativum und wird nahezu vollständig vom Körper aufgenommen. Dabei passiert es fast ungehindert über die inneren Schleimhäute die Blut-​Hirn-​Schranke, weshalb es leicht im Gehirn ankommt. Alkohol interagiert somit mit dem zentralen Nervensystem und beeinflusst dadurch unsere Stimmung, Koordination und Sprache. Welche konkreten Funktionen dabei im Gehirn beeinflusst werden, ist jedoch unklar. Wichtig ist jedoch, dass bereits geringe Mengen der Droge ausreichen (0,15 Promille), um erste Effekte wahrnehmen zu können. Bei manchen treten diese schneller auf, als bei anderen. Ein regulierender Faktor ist beispielsweise der Anteil an Körperwasser. Da sich Alkohol besser in Wasser als in Fett löst, ist die Blutalkoholkonzentration bei Menschen, die über einen höheren Körperwasseranteil verfügen geringer, als bei denjenigen mit einem höheren Körperfettanteil. Da der Körperfettanteil bei Frauen durchschnittlich höher liegt als bei Männern, erklärt sich dadurch auch die schlechtere Verträglichkeit. Je mehr wir uns dieser Droge aussetzen, desto stärker zeichnen sich diese Effekte ab. Nicht ohne Grund tragen bekannte Kampagnen den Slogan: Kenn dein Limit!

Die Effekte von Alkohol kann man sowohl am Körper als auch an der Psyche feststellen. Euphorie, Redseligkeit, Mut und Hemmungslosigkeit werden bereits bei niedrigen Mengen Alkohol wahrgenommen. Höhere Dosierungen führen oft zu einem Verlust der Selbstkontrolle und Koordination. An dieser Stelle kippt auch oft die gute Stimmung vom Anfang. Müdigkeit, Aggression oder starken Emotionen haben den oder die Betrunkene zu diesem Zeitpunkt erreicht. Ab einem Richtwert von etwa drei Promille kann es für die Betroffenen sogar lebensbedrohlich werden, da der Kreislauf zusammenbrechen und die Atmung aussetzen kann. Da regelmäßiger Konsum der Droge abhängig machen kann, ist besondere Vorsicht geboten. Die Risiken von chronischem Alkoholkonsum sind hoch. Chronische Entzündungen der Bauchspeicheldrüse, schwere Organschäden, Gewebeveränderungen und Krebs stehen im Zusammenhang mit chronischem Alkoholkonsum. Schätzungsweise sterben in Deutschland jeden Tag 202 Menschen an den Folgen ihres riskanten Alkoholkonsums. Hochgerechnet sind das rund 74.000 Todesfälle pro Jahr. Dabei wurden Unfälle in Kombination mit Alkoholkonsum nicht berücksichtigt.

Alkohol und Cannabis – eine Kombination, die nicht gut tut

Marihuana und Alkohol scheinen bei näherem Hinschauen gegensätzliche Wirkprinzipien aufzuweisen. Dennoch zählen Alkohol und Cannabis neben Alkohol und Tabak zu den gängigsten Formen des Mischkonsums. Konsumenten erhoffen sich dadurch in der Regel einen intensiveren Rausch. Doch wie verhält sich die Kombination in Wirklichkeit? Überwiegt das Gefühl von Trunkenheit oder wird das High-Gefühl verstärkt? Eine Studie aus den USA untersuchte die Wirkung an 315 Studienteilnehmern. Die Ergebnisse zeigen, dass das typische High-Gefühl nach dem Cannabiskonsum durch Alkohol nicht verstärkt wird. Ganz im Gegenteil zu der Wirkung von Alkohol. Die Teilnehmer berichten von stärkerer Trunkenheit durch zusätzliches Kiffen. Zudem konnte eine Zunahme aller unangenehmen Wirkungen verzeichnet werden. Benommenheit, Schwerfälligkeit, Verwirrtheit und Konzentrationsprobleme. Bei Frauen stärker als bei Männern. Außerdem führt Mischkonsum dazu, dass man wichtige Warnsignale des Körpers nicht mehr richtig wahrnimmt. Die Folgen bekommt man vor allem am nächsten Tag zu spüren. Durch den überdurchschnittlichen Konsum, kommt es zu erheblichen Kreislaufproblemen mit Übelkeit. Und auch der Kater am nächsten Tag fällt schlimmer aus als sonst.

Wie CBD auf den Körper wirkt

CBD zählt zu den nicht psychoaktiven Cannabinoiden der Hanfpflanze. Im Vergleich zu Alkohol ist die Wirkung von CBD eher subtil. Man geht davon aus, dass der Wirkstoff einen positiven Effekt auf Mensch und Tier hat. CBD interagiert dabei mit unserem Endocannabinoid-System. Dieses riesige Netzwerk aus zellulären Rezeptoren erstreckt sich von Kopf bis Fuß und ist für wesentliche Funktionsweisen unseres Körpers verantwortlich und reguliert essentielle Mechanismen. Zusätzlich soll das CBD mit einer Vielzahl von molekularen Zielbereichen, die außerhalb des Endocannabinoid-Systems liegen, interagieren. Viele Menschen berichten von einer beruhigenden und entspannenden Wirkung des Cannabinoids. Somit liegt die Anwendung bei Stress oder Schlafproblemen nahe. Die wohl am besten erforschte Wirkungsweise von CBD ist die bei Schmerzen und Entzündungen. Dieser Effekt macht den pflanzlichen Wirkstoff nämlich für den Einsatz bei vielen, unterschiedlichen Krankheiten interessant und auch bei den Konsumenten immer beliebter. Zusätzlich scheint das Cannabidiol auch einen signifikanten Einfluss auf einige Systeme unseres Körpers zu haben. Dazu zählt die Stärkung des Immunsystems, die Regulierung unseres Herz-Kreislauf-Systems und Hormonhaushalts. Bei Problemen mit dem Verdauungstrakt soll CBD ebenfalls unterstützen.

Grundsätzlich sollte man allerdings immer bedenken, dass Cannabidiol sehr individuell und unterschiedlich wirkt. Eine Garantie für einen bestimmten Effekt gibt nicht.

CBD und Alkohol: Der aktuelle Forschungsstand

Betrachtet man die Wirkungsweisen von CBD und Alkohol getrennt voneinander, liegt die Annahme nahe, dass das CBD durch seine ausgleichenden Effekte den Alkohol in seiner Wirkung beschränken könnte. Inwieweit dies tatsächlich der Fall ist, kann man allerdings noch nicht klar sagen. Dahingehend herrscht noch ein viel zu großer Mangel innerhalb der Forschung. Es gibt lediglich eine Handvoll klinischer Untersuchungen, auf die man Bezug nehmen kann. Im Journal of Psychopharmacology wurde eine Studie veröffentlicht, die die Wirkung von Alkohol in Abhängigkeit zu CBD untersucht. Dabei wurden die Probanden in zwei Gruppen unterteilt. Eine Gruppe bekam nur Alkohol und die andere neben dem Alkohol auch noch zusätzlich CBD verabreicht. Die Ergebnisse der Studie deuten darauf hin, dass sich an der Wirkungsweise von Alkohol nichts ändert, wenn zusätzlich CBD in Form von CBD-Öl eingenommen wird. Inwieweit das CBD die Wirkung von Alkohol auf den Körper beeinflussen kann, geht aus dieser Studie jedoch nicht hervor.

Das National Institutes of Health (NIH) stellte darüber hinaus fest, dass es bei der Kombination von CBD und Alkohol zu einem signifikant niedrigeren Blutalkoholspiegel kommt. Dazu wurden Frauen und Männer in zwei Gruppen unterteilt. Während die eine Gruppe Alkohol, Alkohol mit CBD und CBD alleine erhielt, wurde die Kontrollgruppe anstelle des CBD mit einem Placebo ausgestattet. Im Vergleich zu Placebo-Gruppe verursachten Alkohol und Alkohol plus CBD, aber nicht CBD allein, signifikante Beeinträchtigungen der motorischen und psychomotorischen Leistungen. Probanden, die Alkohol und CBD in Kombination einnahmen, sollen einen geringeren Blutalkoholspiegeln aufgewiesen haben.

2018 untersuchten Forscher den Zusammenhang zwischen dem selbstberichteten Alkohol- und Cannabiskonsum und die zirkulierende Konzentrationen der pro-inflammatorischen Zytokine im Blut. Letztere sind maßgeblich an Immunreaktionen und Entzündungsreaktionen beteiligt. Sie verursachen beziehungsweise verstärken Entzündungen. Durch die Bindung von Alkohol an die Rezeptoren auf Immunzellen werden Signalwege ausgelöst, die eben diese pro-inflammatorischen Zytokine produzieren. Chronische Entzündungen wiederum sind mit Gewebeschäden verbunden, die zu negativen Auswirkungen von Alkoholkonsumstörungen beitragen können. Wissenschaftler sind sich einig, dass übermäßiger Alkoholkonsum das Risiko von Entzündungen und chronischen Krankheiten wie Pankreatitis, Lebererkrankungen und bestimmten Krebsarten erhöhen kann. Cannabis dagegen wird mit einer verminderten Entzündungssignalisierung assoziiert. Klinische Studien deuten darauf hin, dass die enthaltenen Cannabinoide alkoholinduzierte Entzündung beeinflussen können und CBD vor Zellschäden durch Alkoholkonsum schützen kann. Innerhalb der vorliegenden Studie konnte diese Annahme bestätigt werden. Tatsächlich konnten Moderator Effekte festgestellt werden, die auf eine Cannabis-gegen-Alkohol-Interaktion hinwiesen.

Ein Artikel im Fachblatt „Free Radical Biology and Medicine“ nimmt zudem an, dass durch Zugabe von CBD die Schädigung der Leber verhindert werden könnte. In Form eines Tierversuchs hat man festgestellt, dass die Leber der Mäuse, welche Ethanol und CBD verabreicht bekommen haben, weniger stark angegriffen wurde im Vergleich zur Kontrollgruppe. Grund dafür sei die antioxidative Wirkung von CBD. Zudem soll CBD die Aktivierung der Fettgerinnung verhindern.

Bier mit CBD

Trotz der angesprochenen Forschungslücken in Bezug auf die Kombination von CBD mit Alkohol, findet man auf dem Markt etliche Produkte, die eben diese Mischung anbieten. Bier mit CBD oder CBD-Cocktails. Angepriesen werden die Produkte als praktische und unkomplizierte Möglichkeit, den CBD Konsum in alltägliche Prozesse zu integrieren.

Bierbrauer aus aller Welt haben Faszination an der Kombination gefunden und erproben, wie sich die zwei Substanzen gegenseitig ergänzen. Die Umsetzung und Überschneidung der Alkohol- und CBD-Industrie steht erst am Anfang. Das Interesse am Einfluss des Cannabinoids ist jedoch groß. Ebenso der Markt, den man dadurch füttern würde. Marktführende Unternehmen wie beispielsweise Constellation Brands, deren Portfolio aus dutzenden Bier-, Whisky- und Wodka-Marken besteht, haben ihr Interesse in Bezug auf CBD als Bestandteil alkoholischer Getränke bekundet.

Fazit

Experten sind sich über die positiven Effekte des Mischkonsums von CBD und Alkohol einig. Studien zufolge kann die Hypothese aufgestellt werden, dass CBD in Kombination mit Alkohol keine negativen Effekte hervorruft. Vielmehr steht die Annahme im Raum, dass das Cannabinoid eventuell den Folgen von übermäßigem Alkoholkonsum durch seine entzündungshemmende Eigenschaft entgegenwirken kann. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Cannabinoid dir am Tag danach helfen kann, wieder auf die Beine zu kommen ist ebenfalls hoch. Der wichtigste Beitrag ist dabei die Bekämpfung von Übelkeit und Erbrechen. Dies geschieht durch die Interaktion mit dem körpereigenen Endocannabinoid-System. Außerdem lässt das CBD den Magen entspannen und kann Kopfschmerzen und Migräne lindern. CBD kann demnach den Schmerz unterdrücken. Allerdings nicht die Ursache lösen. Demnach ist es in jedem Fall wichtig, ausreichend Wasser zu konsumieren und der Dehydrierung damit entgegenwirken.

An dieser Stelle sei jedoch ausdrücklich davor gewarnt, dies als Freifahrtschein für einen zügellosen Alkoholkonsum zu sehen. Dazu fehlt es noch an weiterer Forschung. Denn inwieweit CBD letztendlich einen positiven Einfluss auf die Auswirkungen von Alkoholkonsum hat und wie genau dieser aussieht, muss weiterhin untersucht werden. Auch mögliche negative Effekte von Alkohol und CBD sind noch nicht ausreichend erforscht. Es kann im Einzelfall zu negativen Wechselwirkungen wie Verlust der Kontrolle oder Hemmung der motorischen Koordination kommen.

Wenn man sich Sorgen um körperliche Schädigungen durch Alkohol macht, sollte man den Konsum kontrollieren. Hin und wieder ein Gläschen genießen in Kombination mit einer gesunden und ausgewogenen Ernährung dürfte vergleichsweise unproblematisch sein. Vor allem regelmäßiger und chronischer Konsum stellt die Gefahr dar. Inwieweit der pflanzliche Wirkstoff CBD bei chronischem Alkoholkonsum unterstützen kann, ist eine weitere Forschungsfrage, die noch ausreichend geklärt werden muss. Eine Forschergruppe kam nämlich zu dem Entschluss, dass das Cannabidiol das Verlangen nach süchtig machenden Substanzen reduzieren kann. Das Risiko eines Rückfalls könnte somit sowohl bei chronischem Alkoholkonsum als auch Tabak- und Opioid-Missbrauch verringert werden. Beispielsweise konnte die Zahl der Zigaretten in einem Versuch mit 24 Rauchern durch die Inhalation von CBD verringert werden. Das Potential von CBD ist groß und wird hoffentlich in absehbarer Zeit ausreichend untersucht.