CBD in der Tiermedizin: Der aktuelle Stand

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Cannabis genießt nicht nur bei uns Zweibeinern einen immer größer werdenden Stellenwert in medizinischen Fragen. Auch unsere tierischen Gefährten bestätigen durch die vermehrt auftretenden positiven Auswirkungen auf ihren Gesundheitszustand, dass Cannabis auch in der Tiermedizin eine Alternative zur gewöhnlichen Medikation darstellen kann.

Wie das Tier auf Cannabis kommt

Über Jahrtausende hinweg hat sich das Verhältnis zwischen Mensch und Tier verändert. Teilweise in die negative, allerdings auch zu einem großen Teil in die positive Richtung. Unsere tierischen Begleiter werden nicht ohne Grund heutzutage als den „besten Freund des Menschen“ bezeichnet. Inzwischen hat fast jeder zweite Deutsche ein Tier bei sich im eigenen Zuhause aufgenommen. Katzen sind dabei die beliebtesten Haustiere. In Deutschland wurden im letzten Jahr 14,8 Millionen Katzen gezählt. Hunde kommen an zweiter Stelle auf der Beliebtheitsskala und waren mit 9,4 Millionen vertreten. Die restlichen 10,2 Millionen der in Deutschland lebenden Haustiere stellen Kleintiere und Ziervögel dar. Aber egal ob Hund, Katze, Meerschwein oder Wellensittich – das Wohl der Tiere sollte dabei immer im Vordergrund stehen. Bei dem, was wir Tierbesitzer dafür tun, sind keine Grenzen gesetzt. Man munkelt, es gibt Großmütter, die dem eigenen Hasen jeden Morgen einen Haferbrei gekocht haben, damit es dem Löffler im Winter an nichts fehlt. Da ist es nur logisch, dass wir auch in der Tiermedizin immer wieder nach Alternativen suchen, die unseren tierischen Begleitern in Krankheitsfällen helfen. Bereits 2013 wurden erste Geschichten von Tierbesitzern in den USA veröffentlicht, welche zu medizinischem Marihuana griffen, um dem Haustier den Krankheitsverlauf zu erleichtern. Dabei soll beispielsweise eine Frau ihrem Hund die Übelkeit als Begleiterscheinung einer Chemotherapie durch die Zugabe von Cannabis genommen haben.

Einsatzmöglichkeiten in der Tiermedizin

Besonders das Cannabidiol (CBD) erweist sich in der Medizin als nützlich. Doch tut dieser nicht psychoaktive Inhaltsstoff der Cannabispflanze auch unseren Tieren gut? Laut bisheriger Studien sollen durch den Einsatz von CBD die Schmerzen des Patienten nachlassen und der Genesungsprozess begünstigt werden – auch bei Tieren. Aufgrund dem kaum vorhandenen Anteil an THC können die Tiere nicht high werden. Dafür genießen sie verschiedene Vorzüge durch die Behandlung mit CBD:

  • … es soll sich bei Angstzuständen und Stress positiv auf das Tier auswirken und eine Beruhigende Wirkung vorzeigen
  • … chronische Schmerzen sollen dadurch reduziert werden
  • … das Immunsystem des Tieres soll gestärkt werden
  • … neurologische Funktionen sollen sich verbessern
  • … die Wundheilung soll durch die Behandlung schneller fortschreiten
  • … altersbedingte Symptome sollen gelindert werden
  • … der Appetit soll angeregt werden
  • … bei Verdauungsstörungen soll eine positive Wirkung verzeichnet werden
  • … und eine Behandlung bei Epilepsie soll unterstützend sein.

Allerdings sollte man bedenken, dass die Forschung im Bereich CBD in der Tiermedizin noch deutlich weniger umfangreich als die Forschung in der Anwendung beim Menschen ist. Endgültige Beweise und Ergebnisse auf die Auswirkungen von CBD auf diverse Krankheitsbilder beim Tier benötigen noch wesentlich mehr Forschungsarbeit. Prinzipiell gilt auch bei unserem Tier: Risiken und Nebenwirkungen bitte immer mit dem entsprechenden Tierarzt besprechen!

Versuche an Tiermodellen auch auf andere Tiere übertragbar?

Die Ratte gilt als beliebtes Forschungsobjekt in der Medizin, da sie weitgehende Parallelen zu Genetik, Stoffwechsel, Anatomie und Körperbau des Menschen aufweist. Inwieweit dies vertretbar ist, ist eine andere Baustelle. Trotzdem lassen sich diese Forschungsergebnisse zum großen Teil auf den Menschen übertragen. Auch in der CBD-Forschung. Doch wie sieht das mit der Übertragung auf andere Tiere aus? Hilft das, was der Ratte Linderung beschert, auch der Katze?

Man könnte annehmen, dass die Effekte bei allen Säugetieren gleich sind. Wenn man sich nun den Wirkungsmechanismus von diesem Cannabinoid genauer anschaut, kann man diese Annahme größtenteils bestätigen. Bei der Zugabe von CBD findet eine Interaktion mit dem Endocannabinoid-System im Körper statt. Dieses System ist bei allen Säugetieren und den meisten Wirbeltieren vorhanden. Das Endocannabinoid-System besteht aus körpereigenen Cannabinoiden (Endocannabinoide) und entsprechenden Rezeptoren. Endogene als auch exogene Cannabinoide funktionieren als Wirk- und Botenstoffe. Mit dem Andocken an einen passenden Rezeptor, werden verschiedene Zellen und damit verbundene Prozesse gesteuert. Ein bekanntes Beispiel ist der CB1 Rezeptor. Dieser kommt in großer Häufigkeit im Kleinhirn und im peripheren Nervensystem, beispielsweise dem Darm, vor. Der CB2 Rezeptor macht sich auf den Zellen vom Immunsystem sowie in Zellen, welche für den Knochenaufbau und Knochenabbau zuständig sind, breit. Dieses Zusammenspiel an Cannabinoiden ist dafür verantwortlich, dass entscheidende Funktionen im Körper gesteuert werden. Hungergefühle, Entspannung und entzündungshemmende Effekte sind nur ein Bruchteil dieser Funktionen. Externe Cannabinoide können bei einem Ungleichgewicht dem System hinzugefügt werden, um möglich schnell das Gleichgewicht wiederherstellen zu können. Zu diesen Externen Cannabinoiden zählt das CBD, welches in der Cannabispflanze als Phytocannabinoid entsteht.

In der Theorie können somit auch unsere Haustiere die Effekte von CBD spüren. Verschiedene Studien von Robert Mechoulam und Team deuten ebenfalls darauf hin, dass beispielsweise der Effekt bei Hunden ungefähr derselbe ist, wie beim Menschen. Allerdings viel intensiver und langanhaltender!

Wie kann man Tieren CBD verabreichen?

Aufgrund der Tatsache, dass das Endocannabinoid-System von Tieren wesentlich sensitiver arbeitet, muss die Gabe von Cannabisprodukten entsprechende angepasst werden. Auf die Verabreichung von Produkten mit einem höheren THC-Gehalt muss verzichtet werden. Eine Katze, die über mehrere Tage high ist, ist kein erstrebenswerter Zustand. Vor allem nicht für die Katze!

Die ergänzende Zugabe von CBD kann in Form von Tropfen oder Kapseln erfolgen. Das CBD-Öl eignet sich gut, um im Futter verteilt zu werden und somit eine erfolgreiche Aufnahme durch das Tier garantieren zu können. Am besten wählt man dafür ein fetthaltiges Futter. Die Bioverfügbarkeit von CBD im tierischen Kreislauf ist wesentlich höher, wenn es mit Fetten bei der Verabreichung kombiniert wird. Die Dosierung sollte mit dem entsprechenden Tierarzt besprochen werden. Generell orientiert sich die Dosierungsempfehlung an dem Gewicht des Tieres. Zu Beginn mit der niedrigsten Dosierung zu starten, wird allerdings empfohlen. Steigerungen in der Dosierung können im weiteren Verlauf bei Bedarf durchgeführt werden. Somit kannst du die Wirksamkeit auf deinen tierischen Begleiter genau beobachten und regulieren. Die gleichzeitige Dokumentation der Behandlung kann dabei helfen und ist auch für die Wissenschaft von Relevanz.

Auch bei der Wahl des Produktes sollte auf die Zusammensetzung geachtet werden. Generell empfiehlt sich auch bei Tieren die Verwendung von Produkten, die als full spectrum gekennzeichnet sind. Diese Produkte ermöglichen eine bestmögliche Wirksamkeit aufgrund des Entourage-Effektes.

Alternativen zur Behandlung mit CBD

Natürlich gibt es noch viele weitere pflanzliche Substanzen, die in der Hausapotheke bei Tierhaltern nicht fehlen dürfen, um einigen Wehwehchen entgegenzuwirken. Baldrian sowie Bachblüten sind bei Mensch und Tier bekannt für eine beruhigende, stressmildernde Wirkung auf den Organismus. Kokosöl gilt als Antioxidans, welche auch bei Tieren unterstützend wirken soll. Außerdem ist Kokosöl für viele Tierbesitzer eine pflanzliche Alternative zum herkömmlichen Zeckenschutz. Auch als natürliche Wurmkur soll Kokosöl dienlich sein. Daneben gibt es noch zahlreiche homöopathische Mittel, die den Tieren bei unterschiedlichen Leiden helfen sollen. Inwieweit diese Aussagen der Wahrheit entsprechen und bei welchen Tieren dies zutrifft, muss im Einzelfall betrachtet werden.

Allgemein gilt aber auch hier, man sollte all diese pflanzlichen Substanzen mit Bedacht einsetzen. Teilweise ist eine längere Behandlungsperiode notwendig, um den Erfolg messen zu können.

Die Zukunft von CBD in der Tiermedizin

Aktuell genießen Produkte wie zum Beispiel das CBD-Öl den Status als Nahrungsergänzungsmittel und sind daher offiziell keine medizinischen Mittel. Demzufolge ersetzt die Zugabe von CBD beim Tier, wie auch beim Menschen, nicht den Gang zum Tierarzt, sollte das Tier an einer Krankheit leiden. Es dient also lediglich zur Zugabe mit der Absicht, die Gesundheit des jeweiligen Lebewesens zu fördern.

Um das CBD-Öl von dem Status Nahrungsergänzungsmittel hin zu einem Arzneimittel zu katapultieren, bedarf es noch an weiterer Forschung. Vor allem in der Tiermedizin. Diverse Erfahrungsberichte von Tierhaltern bestätigen die positive Wirkung auf ihre tierischen Freunde. Trotzdem ist eine offizielle Anerkennung von CBD als Arzneimittel in der Tiermedizin noch weit entfernt. Dies führt zu dem Ergebnis, dass es noch zu wenige CBD-Produkte gibt, die auf unsere Tiere abgestimmt sind. Mit der Verwendung von CBD Produkten, die eigentlich für den Menschen gedacht sind, sollte man bei Tieren vorsichtig sein. Demnach ist es wichtig, auf die Qualität der Pflanzenextrakte zu achten und die Dosierung mit dem Tierarzt zu besprechen.

Um diese Problem zukünftig aus der Welt zu schaffen sowie CBD als Medizin bei Tieren anzuerkennen, muss mehr Forschungsarbeit betrieben werden. Es gibt auch in Deutschland bereits erste Tierärzte, die CBD in ihrer Praxis einsetzen. In nachfolgenden Beiträgen soll näher auf den Einsatz bei den unterschiedlichen Tierarten eingegangen werden.