CBD als Suchtblocker?

Titelbild: Elias Sch. auf Pixabay

Na, wer hat sich als guten Vorsatz im neuen Jahr auch vorgenommen, mit dem Rauchen aufzuhören? Und wie viele haben es tatsächlich bis jetzt durchgehalten? Studien zufolge gibt es erste Hinweise darauf, dass CBD neben einer Vielzahl an positiven Wirkungsmöglichkeiten auf den menschlichen sowie tierischen Körper auch noch dabei unterstützen kann, von Süchten loszukommen. Beispielsweise dem Rauchen. Doch kann dem nicht psychoaktiven Wirkstoff der Cannabispflanze die Eigenschaft wirklich zugeschrieben werden? Wir wollen es herausfinden.

Tendenz zum Nichtraucher-Dasein steigt

Etwa ein Drittel der Erwachsenen in Deutschland rauchen. Umgerechnet entspricht das ungefähr 12 Millionen Menschen. Statistisch gesehen gibt es die meisten Raucher in der Altersspanne zwischen 21 und 24 Jahren. Geraucht wird allerdings in so ziemlich jeder Altersspanne. Dabei überwiegt das männliche Geschlecht in jedem Alter. Laut einer Umfrage durch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung gibt es weniger aktuelle Raucher als ehemalige Raucher, was natürlich eine erfreuliche Nachricht im Hinblick auf die Gesundheit derjenigen ist. Das Interesse mit dem Rauchen aufzuhören ist wohl groß, über ein Drittel aller Raucher und Raucherinnen in Deutschland hat innerhalb der letzten zwei Jahre mindestens einen Versuch unternommen, mit dem Rauchen aufzuhören. Weitere 28% haben vor mehr als zwei Jahren versucht, mit dem Rauchen aufzuhören. Offensichtlich ist oft auch nur bei einem Versuch geblieben und die Sucht besteht weiterhin. Dass der Tabakrauch verschiedene giftige Substanzen enthält und demnach eine negative Auswirkung auf so ungefähr jedes menschliche Organ hat, ist uns allen bewusst. Das Risiko an Krebs zu erkranken oder unter Herzkreislauf- bzw. Atemwegserkrankungen zu leiden, steigt mit jedem weiteren Zug an der Zigarette. Doch wieso tun wir das dann überhaupt?

Wie entstehen Süchte?

Durch das Rauchen wird ein Suchtstoff freigesetzt, das Nikotin. Dieser Stoff überwindet im Körper die Blut-Hirnschranke und greift somit in die Stoffwechselprozesse des Gehirns ein. Nach kurzer Zeit kann sich bereits eine körperliche Abhängigkeit entwickeln. Daneben kann eine Zigarette zudem oft eine psychische Abhängigkeit auslösen. Dies erfolgt dann, wenn das Rauchen eine bestimmte Funktion im Leben des Menschen übernimmt. Beispielsweise die fünfminütige Zusatzpause, die Rauchern vergönnt ist. Einmal kurz an die frische Luft gehen, sich mit dem Arbeitskollegen oder der Kollegin unterhalten und für einen kurzen Moment dem möglicherweise verspürten Stress entfliehen. Nichtrauchern haben keinen offensichtlichen Grund, sich für einen kurzen Moment dazuzugesellen. Auch bietet eine Zigarette eine gute Möglichkeit, um auf fremde Menschen zuzugehen. Die klassische Frage nach dem Feuer im Raucherbereich des Clubs hat bestimmt schon die ein oder andere Freundschaft entstehen lassen.

Rauchentwöhnung – welche Möglichkeiten gibt es bereits?

Um dieser Abhängigkeit zu entkommen und der Sucht endlich Adé sagen zu können, gibt es eine Vielzahl an Möglichkeiten. Wichtig ist dabei, eine für sich passende Strategie zu finden.

Mittels Nikotinersatztherapie kann einem dabei geholfen werden, die körperliche Abhängigkeit in den Griff zu bekommen. Die klassischen Entzugssymptome können somit in der ersten Phase der Rauchentwöhnung gemildert werden. Diese Methode ist besonders dann zu empfehlen, wenn eine starke körperliche Abhängigkeit besteht. Laut Studien erhöht sich die Chance mit dem Rauchen aufzuhören, wenn in der Anfangsphase auf Nikotinersatzprodukte zurückgegriffen wird. Diese gibt es in Form von Pflastern oder Kaugummis, welche das Nikotin langsam abgebeben ohne den Körper weiteren Giftstoffen wie zum Beispiel Teer oder Kohlenmonoxid auszusetzen. Einem kalten Entzug wird somit entgegengewirkt.

Um von der psychischen Abhängigkeit loszukommen empfiehlt es sich immer, nach einem Ersatz zu suchen. Kognitive Verhaltenstherapien sollen dazu beitragen, im ersten Schritt das Rauchverhalten zu analysieren um das Muster zu erkennen. Wenn man weiß wieso und in welchen Momenten zur Zigarette gegriffen wird, kann man anschließend eine für sich funktionierende alternative Verhaltensweisen entwickeln. Beispielsweise kann ein leckerer Tee auch zu einer Routine werden, um sich für fünf Minuten eine Auszeit zu gönnen, die dem Körper sogar gut tut, anstatt ihm zu schaden. Auch die gewohnte Haptik durch das Drehen der Zigarette könnte durch das in der Hand Rollen von Murmeln imitiert werden.

Wem diese Möglichkeiten zur Rauchentwöhnung nicht helfen, der kann sich noch Unterstützung mittels Hypnose oder Akupunktur suchen. Die Hypnose soll dazu führen, dass Bewusstseinszustände erreicht werden, die Veränderungen im Handeln begünstigen. In diesem Fall das Aufhören zu rauchen. Die Wissenschaft ist sich bezüglich der Wirksamkeit dieser Herangehensweise uneinig. Teilweise konnten positive Effekte durch die Hypnose erzielt werden und ehemalige Raucher berichten von einer Unterstützung in der Rauchentwöhnung. Andere wiederum können keinen positiven Effekt verspüren. Es bedarf diesbezüglich also weiterer Studien um die Wirksamkeit von Hypnosen in Bezug auf die Rauchentwöhnung genauer definieren zu können. In der Akupunktur wird mittels dünnen Nadeln, die in ganz bestimmte Punkte auf der Haut gestochen werden, auf das Krankheitsgeschehen Einfluss genommen. Durch dieses Verfahren soll den typischen Entzugserscheinung während der Rauchentwöhnung vorgebeugt werden. Auch eine medikamentöse Behandlung von Entzugserscheinungen stellte sich in verschiedenen Studien als effektiv heraus. Die Medikamente sind allerdings verschreibungspflichtig und zeigen zum Teil auch deutliche Nebenwirkungen.

Die Gabe von homöopathischen und naturheilkundlichen Medikamente stellen eine natürliche Alternative zur medikamentösen Behandlung dar. Dabei wird beispielsweise auf verschiedene Blütenextrakte wie Bachblüten, kalifornische und australische Blüten zurückgegriffen. Die Zugabe ist abhängig von der Persönlichkeit des Betroffenen, möglichen Begleiterkrankungen und natürlich der Rauchgewohnheit.

CBD als alternative Rauchentwöhnung

Cannabidiol kann auch Teil einer naturheilkundlichen und erfolgreiche Behandlung während der Rauchentwöhnung sein. Innerhalb einer ersten Pilotstudie konnten positive Ergebnisse durch die Zugabe von CBD in Bezug auf das Verlangen nach Zigaretten zeigen. Dazu hat man 24 Raucher, die ihr Rauchverhalten gerne unterbinden wollten, per Zufall in zwei Gruppen aufgeteilt. Beide Gruppen wurden dazu aufgefordert innerhalb des einwöchigen Behandlungszeitraums immer dann, wenn sie die Lust auf eine Zigarette verspürten, auf einen Inhalator zurückzugreifen. Die erste Gruppe hatte CBD als Wirkstoff in ihrem Inhalator, die Kontrollgruppe hatte lediglich einen Plazebo-Inhalator. Die Kontrollgruppe zeigte in dieser Woche keine veränderte Rauchgewohnheit. Die Gruppe, welche unbewusst auf CBD zurückgegriffen hat, hat insgesamt etwa 40% weniger geraucht. Selbst nach dem einwöchigen Behandlungszeitraum konnte ein Reduktion im Rauchverhalten der ersten Gruppe festgehalten werden. Dieses Ergebnis ist signifikant und lässt demnach die Annahme zu, dass CBD bei der Rauchentwöhnung eine unterstützende Funktion einnimmt.

Eine weitere Studie untersucht die Auswirkungen durch einen Nikotinentzug unter Einbezug von CBD. 30 Teilnehmer wurden nach einer Rauchabstinenz über Nacht untersucht. Die Hälfte der Teilnehmer erhielt eine Dosis CBD, die andere Hälfte ein Plazebo. Diejenigen, die das CBD verabreicht bekommen haben, verspürten den Reiz einer Zigarette nach der Abstinenz als weniger angenehm als diejenigen, die lediglich das Plazebo bekommen haben. Dies deutet ebenfalls darauf hin, dass CBD eine spezielle Auswirkung auf die vermeintlich belohnende Eigenschaft von Zigaretten hat.

Die experimentellen Ergebnisse liefern insgesamt eine starke Grundlage für die Hypothese, dass CBD eine potenzielle Behandlungsmöglichkeit für übermäßigen Substanzkonsums ist, bei denen die Ausprägung der Drogenreize eine entscheidende Rolle spielt. Hintergrund der Wirksamkeit von CBD auf den verminderten Rauchkonsum ist das Endocannabinoid-System. Dieses ist maßgeblich an der Motivation beteiligt, nach Belohnungseffekten zu streben, demnach auch nach dem Belohnungseffekt durch Nikotin. Cannabinoid-Rezeptor Antagonisten verhindern, dass sich das Nikotin an dieser Stelle platzieren kann. Die berauschende Wirkung durch den Zigarettenkonsum bleibt demnach aus. Man verspürt keinen Kick mehr nach dem Konsum. Somit kann einer Sucht vorgebeugt und der Konsum von Zigaretten eingeschränkt werden.

Alkoholismus und CBD

Nicht nur der übermäßige Konsum von Nikotin kann gesundheitliche Schäden nach sich ziehen. Wenn Alkohol von einem Genussmittel zu einer Abhängigkeit wird, können zahlreiche physische als auch psychische Symptome die Folgen sein. In Deutschland trinken etwa 70% der Bevölkerung regelmäßig Alkohol. Davon gelten mehr als 1 Million als abhängig. Der Alkohol verteilt sich nach Genuss im ganzen Körper, bis ins Gehirn. Für einen kurzen Moment hebt er bekanntlich die Stimmung und baut Hemmungen ab. Manche werden daraufhin auch weinerlich oder aggressiv. Je nachdem in welchen Mengen und Konzentrationen Alkohol konsumiert wurde, führt es früher oder später zu Wahrnehmungsstörungen und Koordinationsschwierigkeiten. Auch wer scheinbar viel trinken kann, ohne dass eine offensichtliche Wirkung eintritt, schädigt dabei seine Organe. Die Leber kann ausschließlich 15 Gramm Alkohol pro Stunde abbaue, alles was dann noch übrig bleibt, verbleibt im Blut. Langfristige Schäden an der Leber selbst, der Bauchspeicheldrüse, dem Magen und Darm sowie Herz-Kreislauf-System sind aufgrund von einem Alkoholkonsum über eine längeren Zeitraum hinweg keine Seltenheit. Dazu können Depressionen, Suizidgedanken und soziale Isolierung kommen. Auch verlieren die Betroffenen daraufhin oft ihren Job, da sie den Anforderungen einfach nicht mehr gerecht werden. Die Ursache für eine Alkoholsucht, den Alkoholismus, kann eine genetische Veranlagung sein sowie übermäßiger Stress und psychische Überlastung. Um dieser Sucht zu entkommen, bedarf es zuerst einem ärztlich überwachten Alkoholentzug. Der Entzug kann durch leichte bis schwere körperliche Entzugserscheinungen geprägt sein. Anschließend findet die eigentliche Alkoholismus-Therapie statt.

Das National Institutes of Health (NIH) hat das Zusammenspiel von Alkohol uns CBD genauer untersucht. Dabei wurde festgestellt, dass diese Kombination zu einem signifikant niedrigeren Blutalkoholspiegel führt. In Bezug auf Alkoholismus konnte zudem festgestellt werden, dass die Zugabe von CBD die Möglichkeit auf die Entstehen einer Fettleber reduziert. Darüber hinaus kann die Wirkung des Cannabidiols auf natürliche Weise bei dem Entzug unterstützen. Entzugserscheinungen wie Schweißausbrüche, Unruhe, Magenkrämpfen, Brechreizen und Kreislaufstörungen kann durch die Einnahme entgegenwirkt werden, was den Entzug für den Betroffenen deutlich angenehmer macht. Weitere Forschungen haben sogar eine Art reparierende Eigenschaft von CBD festgestellt, die dabei unterstützt, die durch Alkoholismus im Gehirn entstandenen Schäden auszugleichen und somit Langzeitfolgen entgegenzuwirken.

Weitere Süchte mit CBD behandeln

Alkohol und Nikotin sind natürlich nicht die einzigen Suchtmittel, die bei übermäßigem Konsum gravierende Schäden in unserem Körper hinterlassen können. Ganz oben auf der Liste der wohl schädlichsten Substanzen, die Krankheiten und sogar Todesfälle verursachen können, stehen Opiate. Opiate sind natürliche Substanzen, die im Saft der Kapsel der Schlafmohnpflanze vorkommen. Die pharmazeutische Industrie hat diesen natürlichen Wirkstoff dann weiterentwickelt und so kam es zu dem Einsatz von Opium um Schmerzen zu bekämpfen. Anschließend wurde das Morphin entdeckt um der Opiumsucht entgegenzuwirken und danach das Heroin um wiederum den Morphinismus zu behandeln. Zuletzt wurde Methadon entwickelt um Heroinabhängige zu unterstützen. Trotz der starken Gefahr, von Opiaten abhängig zu werden, gibt es bislang keine Therapie, die darauf abzielt, das Verlangen nach Opiaten bei Suchtpatienten zu reduzieren, um somit den Kreislauf zu durchbrechen. Man hat nun innerhalb erster Studien die Auswirkung von CBD auf die Heroinsucht anhand von Ratten untersucht. Tatsächlich konnte festgestellt werden, dass die Zugabe von CBD das heroinsüchtige Verhalten verringerte. Auch die belohnungsfördernde Wirkung von Morphium konnte durch CBD gehemmt werden. Zusammengenommen deuten diese Ergebnisse darauf hin, dass die Anwendung von CBD klinisch nützlich sein kann, um die belohnenden Effekte durch Opiate abzuschwächen.

Zuletzt soll auch noch der Cannabiskonsum genannt werden, der in Deutschland weit verbreitet ist und unteranderem aufgrund des Nebenbuhlers von CBD, dem THC, auch zu Abhängigkeiten führen kann. Etwa 3,7 Millionen Menschen haben innerhalb des Jahres 2018 Cannabis konsumiert. Die Zahl der 18 bis 25 Jährigen Cannabiskonsumenten ist zwischen 2016 und 2018 um über 5 Prozent gestiegen. Weltweit gelten 13,1 Millionen Menschen als abhängig von Cannabis. Ein übermäßiger Konsum in jungen Jahren kann das Auftreten von Psychosen fördern. Halluzinationen, Wahnvorstellungen und schwerwiegende Denkstörungen können Folgen eines Cannabismissbrauchs sein. Trotzdem werden derzeit verfügbare pharmakologische Therapien zur Behandlung von Cannabismissbrauch, -abhängigkeit und -entzug als nicht ausreichend angesehen. Während man der Abhängigkeit bzw. dem Missbrauch von Nikotin und Opiaten beispielsweise mit Nikotinpflastern bzw. Methadon entgegenwirken kann, gibt es für eine Cannabisabhängigkeit keine vergleichbare zugelassene Medikation. Dabei liegt die Lösung ganz nahe an der Ursache. CBD wirkt den Verhaltenseffekten von THC entgegen, hemmt die Wiederaufnahme und Hydrolyse von Anandamid (ein körpereigenes Cannabinoid), erhöht die Cannabinoid-Signalisierung und hat anxiolytische (angsthemmende) und hypnotische Eigenschaften. Eben diese angsthemmende Eigenschaft von CBD kann beispielsweise der angstauslösenden Wirkung durch THC entgegenwirken. Eine höhere Konzentration von CBD in der konsumierten Cannabispflanze, führt deswegen auch zu einer geringeren Anfälligkeit gegenüber anderen Drogen- bzw. Essensreizen, da die durch THC entstehenden Effekte besser gehemmt werden können. Innerhalb einer Studie wurden Patienten während des Cannabisentzugs mit CBD behandelt und zeigten danach keine klassischen Entzugserscheinungen mehr.

Eine begrenzte Anzahl von präklinischen Studien deutet also darauf hin, dass CBD therapeutische Eigenschaften sowohl bei der Abhängigkeit von Opiaten als auch bei dem Missbrauch von Cannabis haben könnte. Um den Umfang des Erfolges von CBD in der Suchttherapie vollständig definieren zu können, sind eindeutig weitere Studien notwendig. Das grundlegende Potenzial von Cannabidiol als Interventionsmöglichkeit bei Suchterkrankungen ist jedoch bereits erkannt und auch durch erste Studien erfolgreich geprüft worden. Nun müssen weitere Untersuchengen folgen, damit in Zukunft eine natürliche Alternative in der Behandlung von verschiedensten Suchterkrankungen eingesetzt werden kann.