CBD als natürliche Medikation bei Epilepsie?

Titelbild: von Gerd Altmann auf Pixabay

Der Einsatz von CBD in der Medizin steht immer mehr im Fokus der Forschung. Aufgrund der Eigenschaften des nicht psychoaktiven Wirkstoffes der Hanfpflanze, gibt es zahlreiche Anwendungsgebiete. CBD wirke entzündungshemmend, angsthemmend und krampflösend. Letzteres sei der Grund für die steigende Beliebtheit des Cannabinoids bei Epileptikern. Bei diesem Anwendungsgebiet handelt es sich wohl um das am besten erforschteste in Bezug auf den medizinischen Einsatz von CBD.

Das Krankheitsbild im Überblick

Die Epilepsie ist eine der häufigsten Krankheiten des Nervensystems und kann bei Menschen in jedem Alter auftreten. Das Kindesalter sowie das höhere Lebensalter ab dem 60./65. Lebensjahr bilden die Gipfel der Betroffenenrate. Vorerst sollte man allerdings zwischen der Krankheit Epilepsie und allein auftretenden epileptischen Anfällen unterscheiden. Das wesentliche Merkmal einer Epilepsie-Erkrankung stellen die epileptischen Anfälle dar, allerdings kann man aufgrund eines einmaligen epileptischen Anfalls nicht direkt auf die Krankheit der Epilepsie zurückschließen. Der epileptische Anfall ist ein vorübergehender, plötzlich eintretender Zustand mit einer einhergehenden Veränderung der Wahrnehmung und / oder des Verhaltens. Dieser Zustand beruht auf einer gleichzeitigen simultanen und synchronen Entladung von Nervenzellverbänden bzw. von neuronalen Netzwerken im Gehirn. Der epileptische Anfall kann prinzipiell bei jedem Menschen in jedem Alter und zu jeder Zeit auftreten. Das Krankheitsbild Epilepsie beschreibt eine Neigung des Gehirns, dass es zu wiederholt auftretenden epileptischen Anfällen kommt. Es gibt verschiedene Epilepsie-Arten, nicht in jedem Fall äußert sich die Krankheit gleich. Die Ausprägung der Anfälle und die Krankheitsverläufe sind individuell. Ist nur ein eng umschriebener Teil des Gehirns betroffen, spricht man von fokalen Epilepsien. Generalisierte Epilepsien treten dann auf, wenn sich das gesamte Gehirn in einem Erregungszustand befindet. Handelt es sich um eine generalisierte Epilepsie, also sind beide Gehirnhälften betroffen, kommt es auch auf beiden Körperhälften zu Kontrollverlusten.

Wie sich epileptische Anfälle äußern

Als Laie stellt man sich einen epileptischen Anfall immer in Form von Zuckungen am ganzen Körper vor. Es gibt allerdings viele weitere Formen eines epileptischen Anfalls.

Fokale Epilepsien können motorisch ablaufen, indem es zu Anspannungen im Körper, automatischen Bewegungsschablonen oder Mund- und Handbewegungen kommt. Nicht-motorische Phänomene können auch Teil eines epileptischen Anfalls sein. In diesem Fall kann es zu plötzlich auftretenden Geruchs- oder Geschmacksstörungen, sowie visuellen oder auditiven Wahrnehmungsstörungen kommen. Plötzliches Unwohlsein und auftretende Ängste, Déjà-vu oder Jamais-vu Erlebnisse sowie Bewusstseinsstörungen können ebenfalls Teil des Anfalls sein. Oft kommt es auch zu einem Innehalten und Spracharrest, das heißt die Betroffenen können nicht weiter handeln und sprechen. Breitet sich der Anfall aus, kann es zu einem großen – sogenannten tonisch-klonischen – Anfall kommen. Dabei treten rhythmische Zuckungen am ganzen Körper und den Extremitäten auf. Diese großen Anfälle können allerdings auch direkt von alleine auftreten, was besonders gefährlich ist, da die Betroffenen dann oft stürzen, das Bewusstsein verlieren, am ganzen Körper massiv verkrampfen und anschließend durch die rhythmischen Zuckungen übermannt werden. Kommen die Patienten wieder zu Bewusstsein, sind sie meist desorientiert und spüren starken Muskelkater. Eine andere Art der generalisierten Epilepsie äußert sich in Form von Abwesenheitszuständen. Überwiegend treten diese Anfälle bei Kindern und Jugendlichen auf. Über 20 bis 30 Sekunden zeigt der Patient eine Reaktionslosigkeit und sonst keine Begleiterscheinungen. In seltenen Fällen erkennt man ein leichtes Zucken der Augenlider. Nach dem Anfall können die Tätigkeiten allerdings wieder aufgenommen werden, so als wäre nichts passiert. Speziell bei Kindern und Jugendlichen gibt es noch eine Vielzahl an weiteren Epilepsie Arten, die zum Teil auch mit Entwicklungsstörungen einhergehen.

Im Normalfall beträgt die Dauer eines epileptischen Anfalls bis zu einer Minute. Kommt es zu großen Anfällen, kann die Anfallsdauer auch auf bis zu 5 Minuten steigen. In diesen Fällen wird es dann für den Betroffen auch gefährlich und die Zugabe von Medikamenten von außen ist notwendig. Wird eine Epilepsie diagnostiziert, ist eine dauerhafte medizinische Behandlung der Krankheit notwendig.

Auslöser epileptischer Anfälle

Der epileptische Anfall kommt plötzlich und ohne Vorwarnung. Betroffene beschreiben einen solchen Anfall als eine Art Gewitter, das plötzlich im Gehirn aufzieht. Es folgt ein Kontrollverlust über sämtliche Körperfunktionen, die vom Nervensystem gesteuert werden. Die Ursache eines solchen Anfalls kann unterschiedlich sein. Obwohl die Untersuchungsmethoden im heutigen Zeitalter deutlich verbessert wurden, bleibt die Ursache des Anfalls bei etwa der Hälfte aller Betroffenen unbekannt. Bei dem anderen Teil ist das Spektrum an möglichen Ursachen so groß, dass man sich kaum für eine entscheiden kann. Jeder Mensch kann einen epileptischen Anfall erleiden. Es gibt jedoch anfallsauslösende Einflüsse, die bei Menschen ohne Epilepsie einen Gelegenheitsanfall auslösen und bei diagnostizierten Epileptikern zu einer Anfallszunahme führen. Dazu zählen Durchblutungsstörungen im Gehirn, angeborene Hirnmissbildungen bzw. -schäden, degenerative Erkrankungen, Stoffwechseldefekte und Hirntumore. Aber auch Schlafmangel, Stress, Alkohol und Medikamente können einen epileptischen Anfall begünstigen. Flackerlicht in Diskotheken oder ein wechselndes Schattenspiel reicht teilweise auch schon aus. Unter extremen Bedingungen wie zum Beispiel Sauerstoffmangel, einem stark reduzierten Blutzuckerspiegel oder Elektroschock, kann jeder Mensch einen epileptischen Anfall erleiden.

Wird allerdings die Krankheit Epilepsie diagnostiziert, kann man in vielen Fällen davon ausgehen, dass die genetische Veranlagung eine entscheidende Rolle spielt. Mehrere genetische Defekte können die Anfallsrate begünstigen. Epileptiker sollten ihre individuellen auslösenden Faktoren kennen und umgehen. Außerdem wird nach der Diagnose oft empfohlen, eine Behandlung mit Medikamenten zu beginnen, damit die Anfälle auf ein Minimum beschränkt werden und der oder die Betroffene im weiteren Lebensverlauf so wenig wie möglich eingeschränkt werden.

Herkömmliche Behandlung von Epilepsie

Eine medikamentöse Behandlung von Epilepsie sollte erst begonnen werden, wenn die Diagnose von einem Facharzt bestätigt wurde. Das Ziel der Behandlung ist es, das Auftreten epileptischer Anfälle zu verhindern. Dazu müssen die Medikamente regelmäßig eingenommen werden. Schlägt die Therapie erfolgreich an, kann der Patient im besten Fall anfallsfrei leben. Dies trifft auf etwa 70% der behandelten Epileptiker zu. Bei einem Viertel der Personen, die an Epilepsie erkrankt sind, schlägt eine medikamentöse Behandlung allerdings nicht an. In diesen Fällen stehen andere Therapieformen zur Verfügung, wie zum Beispiel die Anfallselbstkontrolle oder Epilepsiechirurgie.

Entscheidend für den Erfolg ist die optimale Einstellung der Betreffenden. Dabei sollten auch berufliche wie soziale Situationen berücksichtigt werden sowie Sozialarbeiter und Psychologen in die Behandlung einbezogen werden. Sind die Motive und das Therapieziel klar, kann in Abhängigkeit von der Diagnose das passende Medikament gewählt und langsam zugeführt werden. Antiepileptika können wie bei jedem anderen Medikament auch Nebenwirkungen hervorrufen. Aufgrund der Tatsache, dass es sich bei dieser Therapieform um eine langjährige Einnahme der Medikamente handelt, ist die Suche nach alternativen Behandlungsmethoden schon lange eröffnet. Denn auf der einen Seite tragen die krampfunterdrückenden Medikamente einen großen Teil zur Steigerung der Lebensqualität von Betroffenen bei, aber ein Leben lang chemische Substanzen zu konsumieren kommt für viele nur ungern in Frage.

Wieso CBD Epileptikern helfen könnte

Die Kombination von CBD und THC hat sich bereits bei Multiple Sklerose (MS) als erfolgreiche alternative Therapieform bewährt und wird bereits angewandt. Es handelt sich dabei um die wohl prominentesten Wirkstoffe aus Blüten und Blättern der Cannabispflanze. Ausschlaggebend für den erfolgreichen Einsatz der Cannabinoide bei MS ist deren analgetischen und antispastischen Wirkung. Die Wirkungsspektrum von CBD ist noch nicht vollständig erforscht, eine antiepileptische Wirkung wurde allerdings bereits anerkannt. Bereits im alten China setzten die Menschen Cannabinoide zur Linderung von Krämpfen ein, die gleichzeitig auch noch für Entspannung sorgen. Betroffene bestärken die Annahme und berichten von positiven Erfahrungen durch die Anwendung von CBD Produkten. Laut deren Aussagen unterdrückt der pflanzliche Wirkstoff weniger die beginnenden Krämpfe, wie herkömmliche Antiepileptika. Vielmehr sinkt die Rate auftretender Krampfanfällen generell. Dies steigere die Lebensqualität Betroffener im beruflichen wie privaten Alltag und birge keine Nebenwirkungen.

Die Wirkung von CBD im Einsatz gegen epileptische Anfälle sei auf die Interaktion des Cannabinoids mit dem Endocannabinoid-System zurückzuführen. Viele Anfälle werden durch gewisse Vorgänge im Gehirn hervorgerufen. Dort befinden sich ebenfalls viele Endocannabinoid-Rezeptoren, die mit dem Phytocannabinoid CBD interagieren können. Appetit, Bewegung, Emotionen oder Stimmungen werden hier gesteuert. Ebenso das Auftreten vieler epileptischer Anfälle.

Forschung zur Behandlung von Epilepsie durch CBD

Die Erforschung des Anwendungsprofils von CBD hat bereits erste Erkenntnisse dargelegt, jedoch steht man erst am Anfang. Das Feld der Epilepsiebehandlung durch CBD macht allerdings den größten Teil davon aus. Es gibt bereits zahlreiche Studien, die sich dieser Problematik widmen.

Die Erfahrungsberichte von Epileptikern, dass die Einnahme von CBD zu einer geringeren Anfallsrate führt, konnte durch eine Studie aus Jerusalem bereits 1980 bestätigt werden. Über einen Zeitraum von 4 ½ Monaten wurden Patienten, die an sekundärer generalisierter Epilepsie erkrankt sind, 200-300 mg CBD oder Placebo verabreicht. 50% der CBD-Gruppe blieben während des gesamten Behandlungszeitraums nahezu krampffrei. Die anderen zeigten eine deutliche Verbesserung des klinischen Zustands in Bezug auf Epilepsie. Nebenwirkungen durch das CBD konnten nicht festgestellt werden. Der Zustand der Erkrankten aus der Placebo-Gruppe blieb allerdings unverändert.

Das Potential von CBD in der Behandlung von Epilepsie wurde erkannt. In einer brasilianischen Studie hat man daraufhin unter anderem untersucht, ob es wirksamer wäre, reine CBD-Isolate zu verwenden. Bei einer Behandlungsdauer von 3 bis 12 Monaten zeigt sich bei 2/3 der Probanden eine Verbesserung hinsichtlich der Häufigkeit von epileptischen Anfällen. Auffällig war dabei, dass das gereinigte CBD-Isolat nicht so wirksam war, wie CBD-Extrakte. Außerdem wurden häufiger Nebenwirkungen dokumentiert. Grund dafür könnte der fehlende Entourage-Effekt sein, der bei der Zugabe von gereinigtem CBD leider ausbleibt.

In Toronto hat man CBD und THC in Kombination auf die Wirksamkeit bei Epilepsie getestet. Es wurde eine signifikante Verbesserung der Lebensqualität der Teilnehmer sowie eine Verringerung von motorischen Anfällen um 70,6% gemessen. Insgesamt waren die Wirkstoffe gut verträglich. Vereinzelt traten Nebenwirkungen in Form von Benommenheit, Anorexie und Durchfall auf. Die schwere der Nebenwirkungen konnte zum Teil auf die Wechselwirkung mit anderen Antiepileptika zurückgeführt werden.

Eine Optimierung der Behandlung von Epilepsie ist besonders bei Kindern gewünscht. Tatsächlich wurde die antiepileptische Wirkung von CBD speziell bei Kindern mit Dravet-Syndrom erfolgreich angewandt. Bei der Krankheit handelt es sich um frühkindliche Epilepsie die genetisch bedingt ist. Innerhalb einer Doppelblindstudie konnte man bei 43% der Kinder, die mit CBD behandelt wurden einen Rückfall der Anfälle um mindestens 50% verzeichnen. Eine weitere Studie untersuchte die Wirkung von CBD bei anderen Epilepsie-Arten bei Kindern. Demnach wurden Eltern mit Kindern, die an kindlichen Spasmen oder dem Lennox-Gastaut-Syndrom leiden, rekrutiert. Diese Formen von Epilepsie wurden als hochgradig unbeeinflussbar charakterisiert. Trotzdem kam man anhand von Berichterstattungen durch die Eltern zu dem Ergebnis, dass auch in diesen Fällen das CBD die Anfallshäufigkeit bei den betroffenen Kindern verringert bis hin zu einer kompletten Verhinderung von weiteren Anfällen bei 14% der Kinder.

Nicht nur der Mensch profitiert von einer Behandlung mit CBD bei Epilepsie

Studien fokussieren sich in erster Linie auf die Behandlung von Menschen mit Epilepsie. Doch nicht nur bei uns und insbesondere unseren Kindern soll CBD die Häufigkeit epileptischer Anfälle reduzieren. Auch unsern Vierbeinern kann CBD diesbezüglich helfen. Man schätzt, dass etwa 5% der Hunde an Anfällen leiden. Die Krankheit kann somit auch Hundehalter in Angst und Schrecken versetzen. Die meisten Tierärzte verwenden zur Behandlung bekannte Antiepileptika wie Phenobarbital oder Kaliumbromid. Jedoch sind diese Medikamente besonders schädlich für die Leber des Hundes. Die Häufigkeit und schwere von Anfällen könne auch bei einem Vierbeiner durch die Zugabe von CBD reduziert werden.

Zukünftige Behandlung von Epilepsie durch CBD?

Die Behandlung von Epilepsie mit CBD als Add-on-Therapie hat viele Vorteile und rückt demnach immer weiter in das Bewusstsein vieler Betroffener und Mediziner. Es gibt wissenschaftliche Beweise dafür, dass die Häufigkeit der Anfälle sinkt. Zudem ist der pflanzliche Wirkstoff frei von chemischen Zusätzen. Die Nebenwirkungen von CBD halten sich in Grenzen. Allerdings sollte eine Zugabe von CBD immer zuvor mit dem behandelnden Arzt besprochen werden, da es durchaus zu Wechselwirkungen mit anderen Antiepileptika kommen kann, weshalb eine Dosierungsanpassung notwendig ist. Durch eine Selbstbehandlung mit CBD-Extrakten ist diese Anpassung nicht möglich. Für Patienten, die häufig nicht auf eine herkömmliche Behandlung ansprechen, sind das alles in allem gute Nachrichten. Es bedarf jedoch weiterer Studien um die möglichen Interaktionen mit anderen krampflösenden Medikamenten genauer zu bestimmen. Außerdem sollten die Dosierungsempfehlungen ebenfalls näher untersucht werden. Langzeitdaten fehlen ebenfalls um das Sicherheitsprofil von CBD zu definieren. Sicher ist jedenfalls, dass es sich bei CBD um einen nicht psychoaktiven Wirkstoff handelt, der auf natürliche Weise den Körper dabei unterstützt, ein gesundes Gleichgewicht aufrecht zu erhalten. Neben seiner bereits bestätigten entkrampfenden Wirkung verfügt das Cannabinoid über weitere positive Eigenschaften, die bereits in unterschiedlichen Studien auf die Probe gestellt wurden.