CBD und Antidepressiva: Wie harmoniert diese Kombination?

Titelbild: Gerd Altmann auf Pixabay

Müdigkeit, Antriebslosigkeit und sozialer Rückzug können Anzeichen einer Depression oder depressiven Verstimmung sein. In Deutschland hat bereits jede fünfte Person mindestens einmal die Diagnose „Depression“ bekommen. Mittlerweile zählt die Depression zu DEN Volkskrankheiten. Laut der WHO leiden etwa zehnmal mehr Menschen an einer Depression, als an Krebs und die schwere Depression gilt als Hauptgrund für Erwerbsunfähigkeiten. Insbesondere unter jüngeren Menschen ist das Krankheitsbild stark vertreten, Millennials gelten als die „Generation Psychotherapie“. Den Krankheitsgipfel erreicht die Depression in einem Alter zwischen 30 und 40 Jahren. Frauen sind dabei etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer. Die Depression ist eine leise Krankheit, die oft unbemerkt bleibt und jede:n treffen kann. Der Weg aus der Depression ist anstrengend und häufig mit Medikamenten, Psychotherapie oder einem Klinikaufenthalt verbunden. Antidepressiva sollen in akuten Phasen die Symptome einer Depression mildern und nach der überwundenen depressiven Episode einen Rückfall verhindern. Die Ursache einer Depression wird dadurch jedoch nicht behoben und gleichzeitig müssen Betroffene mit erheblichen Nebenwirkungen durch die Verabreichung rechnen. Die Möglichkeit einer alternativen Behandlung von Depression stößt demnach auf großes Interesse bei Ärzt:innen und Betroffenen. CBD soll aufgrund seiner angstlösenden und entspannenden Wirkung dafür in Betracht gezogen werden. Kritisch wird es jedoch, wenn CBD mit den herkömmlichen Medikamenten kombiniert wird. Doch kann das Cannabinoid die chemische Medikation möglicherweise komplett ersetzen?

Was versteht man unter einer Depressionen oder depressiven Verstimmung?

Die Depression ist eine ernstzunehmende psychische Krankheit, die sich ganz unterschiedlich äußern kann. Das stereotype Bild einer weinenden, einsamen Person muss dabei nicht immer zutreffen. Laut Definition sind Personen dann an einer Depression erkrankt, wenn sie unter einer anhaltenden tiefen Herabgestimmtheit leiden. Die Stiftung Deutsche Depressions Hilfe nennt Symptome, die bei einer Dauer von zwei Wochen oder länger auf eine Depression hindeuten können. Dabei wird zwischen Haupt- und Zusatzsymptomen unterschieden:

Hauptsymptome:

  • Gedrückte Stimmung
  • Interessen- oder Freudlosigkeit
  • Antriebsmangel bzw. erhöhte Ermüdbarkeit

Zusatzsymptome:

  • Verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit
  • Vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen
  • Gefühle von Schuld und Wertlosigkeit
  • Negative und pessimistische Zukunftsperspektiven
  • Suizidgedanken/-handlungen
  • Schlafstörungen
  • Verminderter Appetit

Die beschriebenen Stimmungstiefs kennt wahrscheinlich jeder von uns. Meist ziehen diese jedoch vorüber, sobald das auslösende Ereignis verarbeitet wurde. Bei einer Depression bessert sich der Zustand in der Regel allerdings nicht von selbst. Die Diagnose Depression wird dann gestellt, wenn zwei der drei Hauptsymptome und zusätzlich mindestens zwei Nebensymptome auf den oder die Betroffene:n zutreffen. Je nachdem wie viele Symptome insgesamt erkannt werden, differenziert man zwischen einer leichten, mittelgradigen und schweren Depression.

Der Verlauf einer Depression ist nicht immer gleich. Im besten Fall kommt es nach einer Erkrankung zu einer vollständigen Genesung und die aufgetretenen Symptome verschwinden komplett. Es kann allerdings auch sein, dass die Symptome nicht vollständig zurückgehen und nach der depressiven Episode ein Teil dieser bleibt. Doch auch wenn die Symptome vollständig nachlassen, kann es passieren, dass die gesunde Person nach gewisser Zeit erneut an einer Depression erkrankt und sich der Verlauf von Krankheit und Gesundheit sehr wellenartig verhält. Die depressive Verstimmung ist quasi eine Vorstufe der Depression und demnach von der Intensität nicht so stark wie eine depressive Episode. Dennoch kann es passieren, dass eine langanhaltende depressive Verstimmung (Dysthymie) zu einer Depression führt. In diesem Fall spricht man von einer depressiven Episode mit vorangegangener Dysthymie. Bei Personen, die aus einer depressiven Episode nicht mehr rauskommen und die Symptome einer Depression über zwei Jahre hinweg spüren, spricht man von einer chronischen depressiven Episode. Dieser Fall tritt bei 15 Prozent der Personen nach der ersten depressiven Episode ein.

Ursachen einer Depression

Was genau die Ursache einer Depression ist, ist unbekannt. Wisseschaftler:innen und Mediziner:innen haben dazu unterschiedliche Theorien entwickelt. Man geht prinzipiell davon aus, dass die Depression nicht aus dem Nichts heraus einfach auftritt, sondern durch unterschiedliche Momente ausgelöst werden kann. Das kann unter anderem sein:

  • genetische Veranlagungen
  • ein Mangel oder ein Ungleichgewicht bestimmter Botenstoffe im Gehirn
  • hormonelle Einflüsse 
  • psychische Faktoren, z. B. anhaltender Stress, Einsamkeit oder Überforderung
  • belastende (traumatische) Erlebnisse, z. B. häusliche Gewalt oder Missbrauch
  • Persönlichkeitsfaktoren, z. B. mangelndes Selbstvertrauen

Man geht davon aus, dass das Zusammenspiel verschiedener Motive der Auslöser einer Depression ist. Abhängig davon, ob es sich dabei um innere oder äußere Faktoren handelt, spricht man auch von genetisch oder psychosozial bedingten Verläufen. In der Wissenschaft gibt es verschiedene Erklärungsmodelle für die Entstehung einer Depression.

Beispielsweise soll zwischen Depression und dauerhaftem Stress ein enger Zusammenhang bestehen. Bei beiden Belastungszuständen spielt eine anhaltend erhöhte Konzentration der Stresshormone eine Rolle. Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol zählen zu den wichtigsten Stresshormonen. Bei akutem Stress wird eine hohe Ausschüttung dieser verzeichnet, jedoch folgt innerhalb kurzer Zeit eine Entspannungsphase und die Ausschüttung wird deutlich reduziert. Bei chronischem Stress jedoch steht der Körper permanent „unter Strom“, die Balance wird nicht wieder hergestellt und der Körper dadurch durchgehend angetrieben. Das Vulnerabilitäts-Stress-Modell wiederum sieht die Verantwortlichkeit in den Genen. Diese bringen entweder eine gewisse Anfälligkeit für psychische Störungen mit sich oder nicht. Kommt es dann zu äußeren Faktoren, die die soziale Umwelt dieser Menschen betreffen, kann die Krankheit ausgelöst werden. Die Zytokin-Hypothese geht davon aus, dass die Entstehung einer Depression durch entzündungsfördernde Eiweiße im Gehirn gefördert wird. Ein anderes Modell erklärt sich die Entstehung einer Depression so, dass im betroffenen Gehirn ein Ungleichgewicht oder ein Mangel an bestimmten Botenstoffen besteht, welcher dann die Krankheit auslöst. Zu diesen Botenstoffen zählt Serotonin, Noradrenalin und Dopamin. Da diese auch Monoamin-Neurotransmitter genannt werden, trägt diese Theorie den Namen Monoamin-Hypothese. Ihr wird insbesondere bei der Behandlung mit Medikamenten die größte Bedeutung beigemessen. Ein anderes Modell fokussiert viel mehr auf kognitive Prozesse anstatt körperinterne Gegebenheiten. Die kognitionspsychologische Hypothese sieht den Ursprung der Depression in falschen Denkmustern, die Personen in bestimmten Situationen anwenden. Beispielsweise werden Schlussfolgerungen ohne erkennbaren Zusammenhang getroffen und Situationen verallgemeinert. Ein striktes Schwarz-Weiß-Denken soll bei den Betroffenen ebenfalls erkennbar sein. Negative Erfahrungen aus der Vergangenheit werden einfach auf zukünftige Situation projiziert. Positive Wendungen werden demnach von Anfang an ausgeschlossen.

Neben allen Erklärungsmodellen hat die Stiftung Gesundheitswissen. Risikofaktoren definiert, die allgemein die Entstehung einer Depression begünstigen. Dazu zählt unter anderem eine lang bestehende Krankheit sowie ein:e an einer Depression erkrankte:r Familienangehörige. Alkoholabhängigkeiten und kritische, mit Stress verbundene Lebensereignisse zählen ebenfalls zu den allgemeinen Risikofaktoren. Frauen haben es besonders schwer. Allein das weibliche Geschlecht ist bereits ein Risikofaktor für sich. Die hormonelle Veränderung nach der Geburt eines Kindes ein zusätzlicher.

Behandlungsmöglichkeiten einer Depression

Es gibt durchaus Verläufe von Depressionen, bei denen sich eine Besserung von ganz alleine wieder einstellt. Häufig ist dies jedoch nicht der Fall, weshalb die Betroffenen Rat bei entsprechendem medizinischem Fachpersonal suchen. Die Behandlung von Depressionen verläuft unterschiedlich. Die Kliniken bieten zum Teil unterschiedliche Therapieverfahren an, die immer auf den individuellen Fall abgestimmt werden – von der Hirnstimulationen durch Magnetwellen bis hin zur Behandlung mit Ketamin. Zu den ältesten Behandlungsmethoden bei schweren Depressionen zählt die Elektrokrampftherapie, die früher noch zu schweren Knochenbrüchen und Gedächtnisverlust führte, heute jedoch wesentlich angenehmer und unter Kurznarkose durchgeführt wird. Bei dieser Therapieform wird ein Stromstoß ausgelöst, welcher die Nervenzellen des Gehirns aktivieren soll. Hintergrund ist der, dass Nerven mittels sehr feiner Impulse kommunizieren, eine Kombination aus elektrischen und chemischen Signalen. Fließt nun für eine kurze Zeit stärkerer Strom durch das Hirngewebe, feuern alle Neuronen gleichzeitig. Aus medizinischer Sicht entspricht dieser Zustand einem epileptischen Anfall. Die antidepressive Wirkung kann oft mehrere Monate anhalten. Wie genau diese Methode jedoch bei einer Depression eigentlich hilft, können sich die Wissenschaftler:innen noch nicht richtig erklären. Ähnlich ist es bei dem Einsatz von Antidepressiva. Eine Medikamentenreihe, die am häufigsten bei Depressionen verschrieben werden.

Was machen Antidepressiva im Körper?

Unser Antrieb und unsere Gefühlslage wird durch Botenstoffe im Gehirn geregelt. Einer der bekanntesten Botenstoffe ist Serotonin. Erkrankt der Körper nun an einer Depression, ist der Serotoninspiegel, laut Annahmen von Wissenschaftler:innen, im Spalt zwischen den Nervenzellen zu niedrig. Eine zu niedrige Konzentration an Neurotransmittern im Gehirn gilt daher als Ursache einer Depression. 2020 waren über 40 Antidepressiva in Deutschland zugelassen. Unter diesen gibt es verschiedene Untergruppen, die aber in Summe doch das gleiche Ziel verfolgen: Die Konzentration der Neutrotransmitter im Gehirn erhöhen. Durch Zugabe von Antidepressiva wird dem Körper mehr Serotonin zugeführt, wodurch schließlich die Ursache bekämpft und die Symptome einer Depression gemildert werden sollen. Die Dosierung ist zum Teil abhängig von der jeweiligen Genetik und muss individuell an die Patient:innen angepasst werden. An sich ein Konstrukt, das sehr rund erscheint – zumindest in der Theorie. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass das menschliche Gehirn wohl keinen Serotoninmangel hat und auch Medikamente, die den Serotoninspiegel im Körper herabsetzen, eine antidepressive Wirkung zeigen. Letztendlich ist sich die Wissenschaft nicht darüber im Klaren, was die genaue Ursache einer Depression ist und wie Antidepressiva im Körper wirken. Dass Antidepressiva jedoch eine positive Wirkung zeigen, wurde in zahlreichen klinischen Studien und Erfahrungsberichten belegt.

Wissenschaftler und Professor Irving Kirsch von der psychologischen Fakultät der Universität Hull in England veröffentlichte 2018 eine Studie, die sehr viel Aufsehen erregt hat. In seiner Metaanalyse kommt er zu dem Ergebnis, dass Antidepressiva aus der Klasse der Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) und Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI) einen ähnlichen Effekt auf die Probanden hatten wie das Placebo aus der Kontrollgruppe. Der Unterschied innerhalb der Reaktionen auf die Medikamente und das Placebo war so gering, dass er klinisch bedeutungslos war. Da dieses Ergebnis sehr erschütternd war, hat die FDA die Studie wiederholt. Das Ergebnis gleicht bis auf die erste Nachkommastelle dem von Kirsch und seinem Team, obwohl ihm lediglich eine Teilmenge der Daten zur Verfügung stand.

Nebenwirkungen von Antidepressiva

Selbst wenn die Wirkung von Antidepressiva auf einem Placebo-Effekt beruht, sind die Medikamente hilfreich und den Betroffenen geht es besser. Was wäre also so schlimm daran, so weiterzumachen wie bisher? Das Problem rund um Antidepressiva sind die damit verbundenen Nebenwirkungen. Aus diesem Grund empfiehlt auch die nationale Versorgungsrichtlinie Antidepressiva nur bei schweren Depressionen. Trotzdem scheint die Verschreibungsrate in den letzten Jahren förmlich explodiert zu sein.

Bei denen am häufigsten verschriebenen Antidepressiva (SSRI’s) kommt es bei etwa 70 Prozent der Betroffenen zu sexuellen Funktionsstörungen. 30 bis 50 Prozent zeigen Entzugssymptome bei dem Versuch, die Medikamente abzusetzen. Mundtrockenheit, Kopfschmerzen, Kreislaufprobleme und innere Unruhe sind Nebenwirkungen, über die Patient:innen während der Einnahme von Antidepressiva oft klagen. Keine konkrete Nebenwirkung jedoch ein Nachteil der Gabe von Antidepressiva ist die Zeit, bis die Wirkung einsetzt. Die meisten Antidepressiva brauchen zwei bis drei Monate, bis sie ihr maximales Wirkungspotential entfalten können.

Sowohl Ärzte als auch Patienten haben deswegen die Hoffnung, einen Wirkstoff zu finden, der schneller hilft und weniger Nebenwirkungen hat. Möglicherweise kann CBD genau dies bieten.

Alternative Behandlung einer Depression: Sport, Achtsamkeit und CBD

Studien zufolge können Antidepressiva auf teilweise unerklärliche Weise bei Depressionen helfen, indem Symptome überwunden werden. Ein Heilmittel stellen sie jedoch nicht dar. Um nach einer Depression wieder auf die Beine zu kommen, reichen Medikamente allein nicht aus. Eine ganzheitliche Behandlung durch zusätzliche Psychotherapie ist laut Ärzten zwingend notwendig. Der Wissenschaftler und Professor Irving Kirsch stellt aufgrund von Studienergebnissen die Annahme auf, dass Sport tatsächlich die wirkungsvollste und nachhaltigste Behandlungsvariante einer Depression darstellt. Einen wissenschaftlichen Beleg dafür, dass Sport antidepressiv wirkt, gibt es jedoch nicht. Dennoch raten viele Ärzte an Depression erkrankten Personen zu mehr Bewegung. Was nämlich durch Sport nachweislich im Körper passiert, ist eine Senkung des Cortisol-Spiegels. Cortisol zählt zu den Stresshormonen, die bei Depressions-Patienten meist erhöht sind. Damit man mit Sport wirklich eine Wirkung erreichen kann, sollte man sich mindestens dreimal in der Woche für mindestens 30 Minuten sportlich betätigen. Im besten Fall Ausdauersport.

Darüber hinaus wird Patienten auch vermehrt Achtsamkeitstraining angeboten. Dadurch soll das Verhältnis zum eigenen Körper gestärkt werden, damit die Betroffenen umso schneller erkennen können, wann möglicherweise ein neue depressive Episode ansteht. Diese Form der Therapie wird in der Regel nach einer durchgestandenen Erkrankung angeboten. Das Rückfallrisiko kann dadurch zu mehr als 40 Prozent gesenkt werden. Die Achtsamkeitsmeditation wirkt wie eine sanfte Umprogrammierung der Hirnfunktion, die aus dem Ruder gelaufen ist. Ein achtsamerer Lebensstil kann somit dazu beitragen, mit depressiven Episoden besser umgehen zu können beziehungsweise diese abzuwenden.

Darüber hinaus spielt wie in den meisten Fällen die Ernährung eine wichtige Rolle. Nicht selten ist ein Mangel an Nährstoffen die Ursache für eine Folgeerkrankung des Körpers. Inwieweit ein Nährstoffmangel auch Depressionen beeinflussen kann, ist bislang nicht geklärt. Einige Studien legen jedoch nahe, dass durchaus ein Zusammenhang zwischen der Erkrankung und einem gravierenden Nährstoffmangel bestehen könnte. Insbesondere Zink, Folsäure, Vitamin B12, Vitamin D, Omega-3-Fettsäuren und der Aminosäure S-Adenosylmethionin (SAM) wird eine antidepressive Wirkung zugeschrieben. Zu dem Ergebnis kommen einige Studien, innerhalb welcher den Probanden mit depressiven Symptomen eine hohe Konzentrationen dieser Nährstoffe zugeführt wurde, woraufhin sich die Symptom deutlich verbessert haben. Es gibt jedoch auch Studien, bei welchen keine deutliche Verbesserung gemessen werden konnte. Das war insbesondere dann der Fall, wenn die Patienten keine Medikamente nahmen oder Antidepressiva nicht ausreichend anschlugen. Davon, dass “Folsäure, Vitamin D, SAM und die Omega-3-Fettsäure Eicosapentaensäure (EPA) [ ] als Nahrungsergänzungsmittel bei Depressionen sinnvoll zu sein [scheint] “, geht Hubertus Himmerich, Professor an der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Leipzig, aus. Die Dosierung der Nährstoffe bleibt jedoch unklar.

Im Bereich Ernährung und Nahrungsergänzung ist auch CBD zu nennen. Das Phytocannabinoid aus der Cannabispflanze hat sich bereits in diversen Anwendungsbereichen etabliert, so auch in der Medizin. Ganz im Gegenteil zu dem bekannten Pendant THC, kann CBD keine psychoaktive Wirkung auslösen. Das Cannabinoid wird für die Medizin unter anderem aufgrund seiner schmerzlindernden Wirkung immer interessanter. CBD hat allerdings noch mehr positive Eigenschaften, die durchaus auch bei einer Depression unterstützen können.

Wechselwirkungen zwischen CBD und Antidepressiva

Um Medikamente abzubauen, nutzt unser Körper Enzyme. So ist es auch mit der Verstoffwechselung von Antidepressiva. Die dafür vorgesehenen Enzyme werden von speziellen Genen hergestellt. Demnach ist der Bau und somit auch die Aktivität dieser genetisch bedingt. Manche Menschen kommen mit sehr aktiven Enzymen auf die Welt, andere mit eher langsamen. Aus diesem Grund wirken Medikamente bei manchen Menschen stärker als bei anderen. Auf der anderen Seite können diejenigen mit trägen Enzymen bereits bei einer niedrigen Dosierung unter Nebenwirkungen leiden. Die Genetik korreliert allerdings nur zu einem gewissen Teil mit der Aktivität der Enzyme und stellt daher keinen zwingenden Zusammenhang dar. Es gibt darüber hinaus jedoch noch weitere Einflussfaktoren, die die Aktivität der Enzyme bestimmen.

Mit CBD verhält es sich ähnlich. Manche verspüren bereits bei einer kleinen Konzentration eine deutliche Wirkung, während andere auf ein sehr hochdosiertes Produkt zurückgreifen müssen. Wie genau CBD Öl jedoch wirkt, ist noch nicht wirklich geklärt. Die Inhaltsstoffe der Pflanze sind sehr komplex und so sind auch die Wirkungsmechanismen. Dazu zählt unter anderem die Beeinflussung bestimmter Serotonin-Rezeptoren. Dass es demnach zu einer Wechselwirkung mit solchen Antidepressiva kommen kann, die ebenfalls den Serotonin-Stoffwechsel beeinflussen, liegt auf der Hand. Zu solchen Antidepressiva zählen beispielsweise:

  • Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (Fluoxetin, Prozac, Citalopram, Sertralin)
  • Trizyklische Antidepressiva (z.B. Opipramol)
  • Serotonin-Modulatoren (Trazodon)
  • Serotonin-Wiederaufnahmeverstärker (Tianeptin)
  • Noradrenalin-Serotonin-selektive Antidepressiva (Mirtazapin)
  • Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (Venlafaxin, Milnacipran, Duloxetin)

Kombiniert man nun CBD mit solchen Antidepressiva, kann die Wirkung dieser entweder verstärkt oder abgeschwächt werden. Dies ist bedingt durch die Rezeptoren, mit denen die Cannabinoide interagieren, aber auch durch die Enzyme. Insbesondere die Enzyme der Cytochrom-Familie P450. Diese sind vor allem in der Leber vertreten und sind daran beteiligt, rund 90 Prozent aller Arzneimittel für den Stoffwechsel zu verwerten. CBD Öl kann allerdings verschiedene Cytochrom-P450-Enzyme hemmen. Obwohl diese Eigenschaft vermuten lässt, dass CBD die Wirkung von Antidepressiva ausschließlich verstärken müsste, da die Medikation schließlich durch die Hemmung der Enzyme länger im Körper bleibt, lässt sich die Wechselwirkung zwischen Medikamenten und CBD tatsächlich kaum vorhersagen. Es kann somit sein, dass Antidepressiva in Kombination mit CBD stärker wirken. Das Gegenteil ist allerdings auch schon eingetreten. Darüber kann es passieren, dass das CBD unglücklicherweise die unerwünschten Nebenwirkungen von Antidepressiva verstärkt zum Vorschein bringt.

Kann CBD Öl die chemische Medikation bei Depression ersetzen?

Da die Depression eine Krankheit ist, bei deren Ursache sich Wissenschaftler:innen kaum einig sind, ist ebenso unklar, inwieweit CBD die herkömmliche Medikation ersetzen kann. Zudem ist das Krankheitsbild so divers, dass eine pauschale Antwort gar nicht möglich ist. So unterschiedlich sich depressive Episoden bei den Betroffenen äußern, so unterschiedlich wirkt auch das CBD auf den Organismus und das Endocannabinoid System. Der Stoffwechsel eines jeden ist so individuell wie die eigene Persönlichkeit und aus diesem Grund orientiert sich die Dosierung von Medikamenten immer am Menschen, dessen individuelle Reaktion auf bestimmte Substanzen sowie an der Schwere der psychischen Störung. Ob CBD nun die chemische Medikation ersetzen kann, ist also von Fall zu Fall unterschiedlich. Es ist allerdings nicht ausgeschlossen, da das Cannabinoid über eine seiner starke angstlösende Wirkung verfügt. Diese ist dadurch zu begründen, da das Cannabinoid mit dem Endocannabinoid System im gesamten Körper interagiert und verschiedene Rezeptoren beeinflusst. So zum Beispiel den Vanilloid-TRPV1-Rezeptore, sowie die Serotonin-Rezeptoren vom Typ 5-HT1A. Insbesondere letzteres spielt dann eine Rolle, wenn man davon ausgeht, dass die Depression durch einen Serotoninmangel ausgelöst werden kann. Dem Serotonin-Rezeptor wird nicht ohne Grund eine depressionshemmenden Wirkung nachgesagt. 

Fazit

CBD kann keine Depression automatisch heilen und es gibt derzeit auch noch keine konkreten Handlungsempfehlungen bezüglich CBD und Depressionen. Dafür fehlt es an klinischen Studien und wissenschaftlich fundierten Ergebnissen. Dennoch könnten Betroffene von der ausgleichenden Wirkung des Cannabinoids profitieren. Da CBD meist mit Hanföl angereichert wird, steckt in dem natürlichen Produkt auch noch ein Mix aus weiteren wertvollen Inhaltsstoffen der Hanfpflanze. CBD Öl ist dadurch reich an Vitaminen, Mineral- und Ballaststoffen, Proteinen und essentiellen Fettsäuren. Darüber hinaus zählen die Cannabinoide, Flavonoide und Terpene zu den wichtigen Inhaltsstoffen von CBD Vollspektrum Ölen, die in Kombination (Entourage Effekt) eine positive Wirkung auf Körper und Geist haben. Antidepressiva mit CBD Öl zu ersetzen, ist durchaus möglich, jedoch von Fall zu Fall unterschiedlich zu bewerten. Sicher ist jedoch, dass ein abruptes Absetzen von Arzneimitteln in keinem Fall zu empfehlen ist. Bevor man das Experiment eingehen möchte, Antidepressiva mit CBD zu ersetzen, sollte man zuvor mit dem behandelnden Arzt sprechen. Dieser kann dann auch darüber aufklären, wie das bisherige Medikament ausgeschlichen werden kann.

Doch nicht nur die akute Behandlung einer Depression ist wichtig. Dass Rückfallrisiko nach einer ersten depressiven Episode (in Bezug auf die Lebenszeit) beträgt etwa 50 Prozent, wenn der oder die Betroffene keine Vorsorge betreibt. Bei schweren Depressionen steigt das Risiko auf 75 Prozent. Um einer Wiedererkrankung vorzubeugen, kann CBD auch helfen. Durch seine ausgleichende, entspannende und stressreduzierende Eigenschaft, sind die Betroffenen möglicherweise weniger anfällig. Nicht zu vergessen ist jedoch auch regelmäßiger Ausdauersport sowie eine gesunde Ernährung, denn “eine traditionelle mediterrane Ernährung scheint auf jeden Fall eine vorbeugende antidepressive Wirkung zu haben“, so Hubertus Himmerich.