Cannabis Social Club – Viel mehr als nur ein Coffeeshop

Titelbild: Kevin Phillips auf Pixabay

Der Besitz, Handel, Erwerb und die Produktion von Cannabis als Freizeitdroge ist in Deutschland verboten und wird strafrechtlich verfolgt. In anderen Ländern wurden die Umgangsregeln mit der Cannabispflanze entschärft. Es tun sich neue Modelle auf, die den Konsum von Cannabis regulieren sollen. Ein Beispiel dafür ist Spanien.

Andere Spielregeln für Cannabiskonsumenten in Spanien

Innerhalb der letzten zwei Jahrzehnte hat sich in der Cannabiskultur in Spanien einiges getan. Der private Konsum wurde entkriminalisiert. Dies bedeutet aber nicht, dass man einen allgemeinen Freifahrtschein für Anbau, Konsum und Handel bekommt. Aus medizinischen Gründen Cannabis zu konsumieren, ist legal. Cannabis als Freizeitdroge ist an vielen Stellen noch etwas schwammig. Aufgrund einer Entscheidung durch einen Anwalt für Drogenrecht im Jahr 1993, bekam Cannabis eine semilegale Stellung in Katalonien. Daraus ergab sich ein System zur Regulierung. 1 Dieses System wurde am 29. Januar 2015 durch die Gesundheitskommission des katalanischen Parlaments beschlossen – mit Hilfe sogenannter Cannabis Social Clubs soll der Cannabiskonsum kontrolliert werden. 2 Der Hintergedanke ist, dass Konsumenten einen legalen, sicheren und transparenten Zugang zu Cannabis bekommen. 3 Da es aber aufgrund schwammiger Regeln immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Clubbesitzern und der Behörde gab, hat Katalonien im Jahr 2017 den Cannabiskonsum in den Clubs als legal erklärt. Das Cannabisrauchen ist aber nur auf privatem Gelände gestattet, in der Öffentlichkeit wird dies mit einer Geldstrafe geahndet. Auch der Transport und Verkauf der Pflanze ist untersagt. Je nach Vorfall und zuständigem Beamten, kann es auch hier zu Bußgeldern oder sogar strafrechtlicher Verfolgung kommen. Der Anbau von Cannabis darf nicht den Handel zum Ziel haben. Es darf nur unkommerziell und im privaten Umfang Cannabis angebaut werden. 4

Aus welcher Motivation heraus werden die Clubs gegründet?

Asociación ist der spanische Begriff für einen Cannabis Social Club, eine sozusagen freiwillige Vereinigung. Diese Begriffswahl macht also schon im Namen deutlich, dass ein solcher Club mehr als nur ein Coffeeshop ist. Es handelt sich um eine Gemeinschaft, die sich gegenseitig mit Cannabisprodukten versorgt. Dabei steht der soziale Aspekt im Mittelpunkt. Es geht nicht darum, sein Gras an der nächstmöglichen Straßenecke zu kaufen. Die Cannabis Social Clubs stellen einen Ort zur Verfügung, an dem man Zeit mit Freunden verbringen kann und nebenbei Cannabis konsumieren darf. Es finden gemeinsame Aktivitäten und Events statt. Man unterhält sich, schaut zusammen Fußball und lernt neue Leute kennen. Die Atmosphäre in den Clubs ist nachbarschaftlich und vertraut. Die Clubs achten darauf und versuchen demnach die Mitglieder zu selektieren, um ein angenehmes Publikum zusammenzustellen. Abzocke gibt es nicht, alle Mitglieder legen Wert auf einen freundlichen uns respektvollen Umgang miteinander.

Ein neues Konzept für kontrollierten Drogenkonsum

Das Konzept dahinter ist also ähnlich dem einer Bar. Man geht aus und trifft auf Menschen, deren kleinster gemeinsamer Nenner in diesem Fall der Cannabiskonsum ist. Diese Art und Weise stellt eine schöne und vor allem sichere Möglichkeit dar, die Pflanze zu konsumieren. Man findet sich in einem geschlossenen System wieder und erhält die entsprechende Beratung. Es dürfen keine weiteren Drogen im Umlauf sein, womit die Versuchung „auf Härteres umzusteigen“ nicht gegeben sein sollte. 5

Neben den dort anwesenden Freizeitkonsumenten, gibt es auch diejenigen, die aus medizinischen Gründen auf Cannabis angewiesen sind. Betroffene können in Spanien nämlich nicht wie in Deutschland, medizinisches Marihuana in der Apotheke erwerben. Somit sind viele Patienten und auch Ärzte auf die Cannabis Social Clubs angewiesen. 6

Es braucht Connections um Mitglied zu werden

Die Gesundheitskommission des katalanischen Parlaments hat damals die Regulierung über die Cannabis Social Clubs beschlossen. Trotzdem entscheiden als letzte Instanz die jeweiligen Stadtbezirke über die Anzahl und die geltenden Regularien der Clubs. 7 Barcelona gilt als Vorreiter in dieser Hinsicht. Schon alleine in Barcelona und Umgebung findet man ungefähr 400 lizenzierte Clubs. Alle Clubs ohne Lizenz werden durch die Polizei geschlossen. Um Mitglied zu werden, muss man ein bestehendes Mitglied kennen und von diesem empfohlen werden. Soll man aufgrund medizinischer Notwendigkeit Cannabis konsumieren, kann der Arzt eine entsprechende Bescheinigung ausstellen, damit derjenige ebenfalls in einem Club aufgenommen wird. In der Regel dauert es dann zwei Wochen, bis man im Club aufgenommen wird. Diese künstliche Wartephase soll dazu dienen, Touristen von den Cannabis Social Clubs fernzuhalten. 8

Es gibt vermehrt unseriöse Clubs, welche durch ihr offensives Auftreten auffallen. Clubmitglieder sprechen Passanten und Touristen auf der Straße an, um diese anschließend in den Club zu führen. 9 Das ist nicht das ursprüngliche Konzept hinter den Social Clubs und wird durch die Polizei gestoppt.

Strenge Regeln für die Clubs

Der wichtigste Aspekt im Konzept hinter den Cannabis Social Clubs ist die tatsächliche Legalität. Strenge Disziplin in Verwaltung und Organisation sind notwendig, um auch bei einem Gerichtsverfahren die legalen Handlungen vorweisen zu können. Jegliche Verbindungen zum illegalen Markt müssen untersagt werden. Ebenso wichtig ist das dahinterstehende Finanzierungsmodell. Die Clubs dürfen nicht profitorientiert arbeiten. Alle Einnahmen, die der Club über Mitgliedsbeiträge und Verkäufe generiert, müssen in den Anbau der Pflanze, die Räumlichkeiten, Events und Bezahlung der Mitarbeiter reinvestiert werden. 10

Es gibt außerdem eine Abstandsregelung zu öffentlichen Einrichtungen wie z.B. Kindergärten und Krankenhäusern. Die Clubs dürfen also nicht einfach überall eröffnen. Je nach Stadtbezirk ist der Mindestabstand zu öffentlichen Einrichtungen mal größer oder kleiner. In Randbezirken von Barcelona beträgt dieser beispielsweise 150 Meter. 11

Werbung dürfen die Clubs für sich nicht machen. Marketingaktionen und Flyer verteilen ist illegal und wirkt zudem unseriös. 12 Man informiert sich über die einzelnen Clubs also lieber selbst, um einen passenden für sich auszusuchen. Wie auch bei normalen Bars und Clubs gibt es auch in dieser Szene unterschiedliche Qualitäten von Clubs und demnach auch verschiedene Zielgruppen. Eine Übersicht über die vorhandenen Clubs findet man beispielsweise in der App weedmaps oder im Verzeichnis auf der Seite cannabis-social-clubs.eu.

Wie kommt der Club an die Cannabisprodukte?

Es gibt sogenannte Grower, die die Clubs in Spanien mit Cannabis versorgen. Diese sind selbst Mitglied in dem entsprechenden Cannabis Social Club und bauen das Cannabis privat an. Der Transport des Cannabis zu den Clubs ist nach Gesetzeslage aber nicht legal, da der private Raum verlassen wird. Cannabis in der Öffentlichkeit zu rauchen oder zu transportieren kostet in Spanien viel Geld. Der Anbauraum muss somit in den Clubs selbst liegen, damit das Betreten von öffentlichem Raum nicht stattfindet.

Jedem Mitglied wird eine begrenzte Menge an Cannabis pro Monat zugeschrieben, welche auch nicht überschritten werden darf. Mitgliedern über 21 Jahre stehen pro Monat 60g zur Verfügung. Diejenigen im Alter zwischen 18 und 21 dürfen pro Monat maximal 20g konsumieren. 13 Über den Bedarf und die Anzahl der Mitglieder wird dann der Cannabisanbau geplant. Das Ziel: alle Mitglieder des Clubs ausreichend mit Cannabis zu versorgen. 14

Wo gibt es weitere Cannabis Social Clubs

Solche Bürgervereinigungen, wie es der Cannabis Social Club ist, dürfen in jedem Land gegründet werden, in dem der Cannabiskonsum straffrei gestellt ist. Legale Clubs gibt es neben Spanien auch noch in Belgien.

In Deutschland gilt Cannabis weiterhin als illegale Droge. Trotzdem wurden schon einige Versuche gestartet, einen Cannabis Social Club in Deutschland zu gründen. Der Cannabis Initiative e.V. veranstaltet einmal im Jahr den Global Marijuana March in Mainz, zuletzt am 04. Mai dieses Jahres. 15 Eine internationale Demonstration für die Legalisierung von Cannabis. Ebenso sollte im Jahr 2015 in Ingolstadt ein Verein zur Legalisierung von Cannabis gegründet werden (CSC Ingolstadt e.V.). Die Motivation dahinter: Cannabis ist ein Naturprodukt, welches für alle frei verfügbar sein soll. Das Ziel: Volljährige und verantwortungsbewusste Menschen sollen Cannabis legal erwerben können um den Konsum in einem kontrollierten Rahmen möglich zu machen. 16 Es gibt noch viele weitere Bestrebungen zur Gründung eines Cannabis Social Clubs sowie bereits durchgeführte Gründungen, allerdings ist der rechtliche Rahmen für eine reale Umsetzung dieses Konzeptes in Deutschland und anderen EU Staaten leider nicht gegeben. 17 Neben diesen Aktivisten ist der wohl größte Verband, welcher für die Legalisierung von Cannabis im eigenen Land kämpft, der Deutsche Hanfverband (DHV).

Cannabisverbot in Deutschland noch rechtens?

Auf der Seite des DHV findet man aktuell Informationen zur Kampagne „Die Justizoffensive 2019“. Die Aktivisten fordern Rechtsanwälte, Richter und Betroffene dazu auf, im Falle einer Anklage wegen Cannabisgebrauch ihre Mustervorlage zu nutzen, um das Bundesverfassungsgericht zu einer erneuten Auseinandersetzung mit der Verfassungswidrigkeit des Cannabisverbots zu nötigen.

Richter Andreas Müller (Jugendrichter aus Brandenburg) machte am 18.09.19 den Anfang, indem er eine Verfassungsklage gegen das Cannabisverbot einreicht. Das Cannabisverbot sei laut ihm verfassungswidrig und wurde seit 15 Jahren nicht mehr geprüft. Strafrecht ist für ihn der falsche Weg im Umgang mit Cannabiskonsumenten. Es gibt in Deutschland ca. 220.000 Ermittlungsverfahren wegen Cannabis. Die meisten werden eingestellt, trotzdem kommt es noch zu etwa 50.000 Verurteilungen. Der Konsum ist zwar nicht strafbar, aber schon allein die Weitergabe des Joints ist es. Das Bundesverfassungsgericht hat 1994 entschieden, dass bis zu 6 Gramm Cannabis als Besitz nicht bestraft werden sollen. Ob es allerdings zu einer Verurteilung kommt oder nicht, ist abhängig von dem jeweiligen Bundesland, eventuellen Wiederholungsdelikten, dem Alter des Betroffenen und dem entsprechenden Staatsanwalt. In Bayern gibt es sogar Verurteilungen für den Besitz von 0,1 Gramm.

Andreas Müller sieht das Cannabisverbot als nicht erforderlich, da bereits andere Konstrukte zum Umgang mit Cannabis erfolgreich existieren – beispielsweise die Cannabis Social Clubs. Damit ruft er weitere Richter und Betroffene dazu auf, sich aktiv gegen das Cannabisverbot zu positionieren. Denn Cannabis ist zwar (noch) strafbar, Cannabis Aktivismus allerdings nicht. 18 19

Kritik und Hoffnung

Dieses Modell des Cannabis Social Clubs weist viele positive als auch unsichere Aspekte auf. Es ist eine Chance für Länder, eine Regulierung des Anbaus von Cannabis für den persönlichen Gebrauch einzuführen und damit den Konsum straffrei zu stellen. Es eröffnet sich ein Markt, bei dem Angebot und Nachfrage im ausgewogenen Verhältnis zueinanderstehen. Außerdem kann im Club selbst der Schutz vor Gesundheitsrisiken minimiert werden. Zum einen durch sichergestellte Qualität der Ware, zum anderen wäre eine parallele medizinische Betreuung durch Fachärzte denkbar. 20 Eine extra ausgebildete Präventions- und Aufklärungsstelle im Club bietet die Möglichkeit, direkt bei der Zielgruppe anzusetzen und aufzuklären. Diesen Umgang mit Cannabiskonsum sieht Ingo von Seemen (Stellvertretender Stadtverordnetenvorsteher der Fraktion Linke & Piraten) als das genaue Gegenteil von Verharmlosung, es handle sich hierbei eher um eine stärkere Regulierung. 21

Kritiker könnten sich allerdings die Frage stellen, wer die jeweiligen Mitgliedschaften dann kontrolliert. Wie kann ausgeschlossen werden, dass man nicht in mehreren Clubs Mitglied sein kann und somit mehr als die vorgeschriebene Menge konsumiert? Wer prüft den verantwortungsbewussten Umgang mit der Droge und sichert die Qualität der Ware? Und wie kann ausgeschlossen werden, dass die Cannabisprodukte nicht doch über den Schwarzmarkt verteilt werden, um Kosten zu sparen. Um diese Faktoren sicherzustellen, bedarf es wohl einer einheitlichen und strengen Regulierung, die aktuell noch nicht gegeben ist.

Cannabis Social Club als Zukunftsmodell für legalen Cannabiskonsum in Deutschland?

Im Prinzip gilt es nur eine Frage zu klären. Inwieweit kann die Legalisierung von Cannabis dazu beitragen, den Umgang mit der Droge im Allgemeinen zu verbessern? Kann die Einführung von Cannabis Social Clubs und eine damit einhergehende Kontrolle über den Konsum sowie die mögliche medizinische Betreuung und Prävention bzw. Suchtberatung zu einem angemessenen Cannabis Konsum beitragen? Oder ist ein striktes Cannabisverbot die bessere Wahl, was den Handel auf dem Schwarzmarkt sowie einen unkontrollierten und vor allem unsicheren Umgang mit der Droge nach sich zieht. Im Internet findet man verschiedene Websites, welche beispielsweise Blüten zur Aromatherapie anbieten und ausdrücklich darauf hinweisen, dass ein Konsum oder Verzehr untersagt ist. 22 Es ist allerdings dem Endkunden selbst überlassen, ob er sich an die Vorschrift hält oder doch den Konsum bevorzugt. Profitieren tut an dieser Stelle hauptsächlich der Händler, denn eine Kontrolle über den Anbau und die Inhaltsstoffe der verkauften Blüten gibt es für den Konsumenten am Ende des Tages leider nicht.

Fakt ist, dass laut epidemiologischen Suchtsurveys 2018 fast 3,7 Millionen Menschen im Alter zwischen 18 und 64 Jahren mindestens einmal innerhalb der letzten 12 Monate Cannabis konsumiert haben. 23 Im Vergleich zu den Jahren davor ergibt sich daraus eine steigende Tendenz. Ob die Cannabis Social Clubs in Deutschland irgendwann zum Leben erweckt werden, bleibt allerdings Zukunftsmusik.

Quellennachweise:

1 https://www.cannaconnection.de/blog/14716-rechtliche-status-spanien

2 https://www.youtube.com/watch?v=Xetu9NMJEQI

3 https://cannabis-social-clubs.eu/de/anleitung-zur-gr%C3%BCndung-eines-cannabis-social-club

4 https://www.shbarcelona.de/blog/de/ist-marijuana-legal-in-barcelona/

5 https://www.youtube.com/watch?v=chI92AbaOMQ

6 https://www.youtube.com/watch?v=Xetu9NMJEQI

7 https://www.youtube.com/watch?v=Xetu9NMJEQI

8 https://www.cannaconnection.de/blog/14716-rechtliche-status-spanien

9 https://www.youtube.com/watch?v=0EcdAOE09RE

10 https://www.youtube.com/watch?v=chI92AbaOMQ

11 https://www.youtube.com/watch?v=0EcdAOE09RE

12 https://www.shbarcelona.de/blog/de/ist-marijuana-legal-in-barcelona/

13 https://www.cannaconnection.de/blog/14716-rechtliche-status-spanien

14 https://www.youtube.com/watch?v=Xetu9NMJEQI

15 https://cannabis-initiative.de/

16 https://www.youtube.com/watch?v=30woq3apHNY

17 https://hanfverband.de/node/3543

18 https://www.youtube.com/watch?v=KZ1H6FL4EcY

19 https://hanfverband.de/richtervorlage

20 https://www.frankenfernsehen.tv/mediathek/video/late-knights-der-cannabis-social-club/

21 https://www.youtube.com/watch?v=3XmS-8CDGug

22 https://weedmaps.com/brands/nutze-hanf/products/nutze-hanf-gorilla-glue

23 https://hanfverband.de/faq/wie-viele-menschen-konsumieren-in-deutschland-cannabis