Cannabis hilft bei Posttraumatischen Belastungsstörungen

Titelbild: ElasticComputeFarm auf Pixabay

Über die Hälfte aller Menschen werden im Laufe ihres Lebens mindestens einmal mit einem traumatischen Ereignis konfrontiert. Eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) zählt als mögliche Folgereaktion eines oder mehrerer traumatischer Ereignisse. Das heißt allerdings nicht, dass alle von einem Trauma Betroffenen an einer PTBS erkranken. Trotzdem ist dies bei etwa 10% der Fall. Die Wahrscheinlichkeit, im Laufe des Lebens eine Posttraumatische Belastungsstörung zu entwickeln, liegt weltweit bei etwa 8%. Die Folgen beschreiben oft jahrelange Stresssituationen für Körper und Geist. Wiederkehrende oder fehlende Erinnerungen sowie darauf aufbauende Folgeerkrankungen sind häufig wiederzufinden. Durch entsprechende Therapien gelinkt es, traumatischen Stress herunterzufahren. Zusätzlich liefern neueste Studien Beweise dafür, dass Cannabis den Schweregrad der Symptome von Patienten zumindest kurzfristig um mehr als die Hälfte reduzieren kann.

Das Krankheitsbild PTBS

Traumatische Ereignisse im Kindes- oder Erwachsenenalter gelten als Auslöser für PTBS. Körperliche oder sexualisierte Gewalt, Vergewaltigung, eine Entführung oder Krieg, das alles sind traumatische Ereignisse. Aber auch ein Unfall, durch Natur- oder Menschen verursachte Katastrophen sowie die Diagnose einer lebensbedrohlichen Krankheit, können Ursachen für eine PTBS sein. Laut der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V. (AWMF) gehen verschiedene Symptome mit einer PTBS einher. Dazu zählen sich aufdrängende und belastende Gedanken und Erinnerungen an das Trauma in Form von Bildern, Alpträumen oder Flashbacks. Im Gegensatz dazu können auch Erinnerungslücken, sogenannte partielle Amnesien, auftreten. Zudem können Übererregungssymptome wie Schlafstörungen, Schreckhaftigkeit, vermehrte Reizbarkeit, Affektintoleranz und Konzentrationsstörungen dazu kommen. Häufig berichten Betroffene auch von emotionaler Taubheit, sie ziehen sich zurück, verspüren eine innere Teilnahmslosigkeit und einen Interesseverlust. Um mit dem Geschehenen umgehen zu können, zeigt sich teilweise auch ein Vermeidungsverhalten bei den Erkrankten. Traumaassoziierte Stimuli werden gemieden, damit es zu keiner wiederkehrenden Stressreaktion kommt.

Frauen sollen in Deutschland häufiger an PTBS erkranken als Männer. Bei 10 bis 12 Prozent der Frauen besteht somit eine hohe Wahrscheinlichkeit, zu irgendeinem Zeitpunkt in deren Leben an dieser Krankheit zu erkranken. Lediglich 5 bis 6 Prozent der Männer weisen dieses Risiko auf. Auch innerhalb des auslösenden Traumata stellt man geschlechtsspezifische Unterschiede fest. Frauen werden häufiger Opfer von sexuellem Missbrauch und Vergewaltigungen. Männer dagegen werden vermehrt Opfer körperlicher Gewalt. Somit lassen sich auch die unterschiedlichen Verhaltensweisen in Folge eines Traumas erklären. Während traumatisierte Männer dazu neigen, gewalttätig gegenüber anderen Personen zu werden, verletzen sich traumatisierte Frauen eher selbst.

Permanenter Stresspegel für Betroffene

Befindet sich der Mensch in einer traumatischen Situation, ist der Körper in einem extremen Stresszustand. Im Normalfall fährt dieses Stresslevel im Laufe der Zeit wieder herunter. Bei Menschen, die ein PTBS entwickelt haben, hält dieser Stress dauerhaft an. Diese Personen befinden sich in einer permanenten Wachsamkeit und Alarmbereitschaft. Sie sind extrem schreckhaft und der Körper ist übererregt, da dieser davon ausgeht, die Bedrohung könnte jeden Moment wiederkehren.

Forscher finden Genmutationen bei Betroffenen

Eine verallgemeinernde Aussage lässt sich hinsichtlich des Krankheitsbildes einer PTBS allerdings nur schwer formulieren. Es gibt Betroffene, die noch jahrelang an den Symptomen leiden, andere wiederum sind gar nicht betroffen. Forscher beschäftigen sich also damit, ob der erlebte Stress wirklich Auslöser für die psychische Erkrankung ist. Man untersucht das Erbgut erkrankter Opfer mit dem der Gesundgebliebenen. Dabei ist man auf einen entscheidenden Unterschied innerhalb des Stress-Steuer-Gens gestoßen. Dieses bestimmt, wie gut man mit Stress umgehen kann. Bei allen an PTBS erkrankten Personen konnten Forscher eine Mutation innerhalb des Gens feststellen. Diese Variante des Gens kann wohl die Wahrscheinlichkeit, an PTBS zu erkranken, stark erhöhen. Auslöser allein kann diese Mutation allerdings nicht sein. Es ist vielmehr die Interaktion zwischen dem veränderten Stress-Steuer-Gen und dem Trauma, weshalb es zu zusätzlichen Veränderungen in der DNA kommt und letztendlich zu einer Posttraumatischen Belastungsstörung führt. Massiver erlebter Stress kann somit das Stress-Steuer-Gen manipulieren und verändern, was unseren Körper krankt macht. Diese kleinen Veränderungen innerhalb des Erbguts führen dazu, dass das Gen sehr stark aktivierbar ist. Das hat zur Folge, dass der Stresshormonhaushalt selbst bei kleinen Stressoren aus dem Gleichgewicht gerät. Eben dieses Ungleichgewicht stellt die Ursache für viele psychische Erkrankungen dar, somit auch der PTBS. Zudem wurde durch die Forscher herausgefunden, dass es lediglich bei jungen Nervenzellen in Folge einer Stresssituation zu einer Veränderung der DNA kommt. Bei erwachsenen Nervenzellen konnte keine Veränderung festgestellt werden. Diese Experimente legen nahe, dass der Einfluss von Stress auf das menschliche Erbgut lediglich im Kindesalter eine entscheidende Rolle spielt.

Behandlung einer Posttraumtischen Belastungsstörung

Betroffene begeben sich zur Bewältigung der Krankheit in psychologische Behandlung. Für die Meisten ist eine Therapie der Schlüssel für ein nahezu beschwerdefreies Leben. Ausnahmen sind Schwersttraumatisierte, sie werden nie ganz wie früher werden. Durch passende Therapien kann sich die Lebensqualität jedoch deutlich steigern und gleichzeitig eine drastische Abschwächung der Symptome erzielt werden. Immer und immer wieder werden die traumatischen Situationen durch die erkrankte Person erzählt. Dadurch kehrt die Stressreaktion wieder und gemeinsam mit einer therapeutischen Begleitung halten die Betroffenen die Situation aus, bis die Angst wieder abklingt. Konfrontation ist somit das Mittel zum Erfolg. Mit wiederkehrendem Erleben von abnehmenden Stressreaktionen, verliert das Ereignis mit der Zeit seine Macht. Das Herunterfahren von Stress ist besonders wichtig, denn man hat herausgefunden, dass anhaltender Stress das Immunsystem schädigt. Traumatischer Stress führt zu einer Reihe von Veränderungen in unseren Körperzellen. Auto-Immun-Erkrankungen sind eine häufige Folge von Menschen mit einer PTBS.

Studie erzielt positive Wirkung durch Cannabis

Anfang Juni diesen Jahres wurde eine Studie zur positiven Wirkung von Cannabis auf PTBS Patienten veröffentlicht. Insgesamt wurden Daten von mehr als 400 Personen an der Washington State University analysiert. Die Probanden wurden dazu aufgefordert, mögliche Veränderungen ihrer PTBS-Symptome vor und nach dem Konsum von Cannabis zu dokumentieren. Eine längerfristige positive Auswirkung auf die Grunderkrankung konnte durch den Konsum leider nicht nachgewiesen werden. Jedoch kam es zu einer deutlichen Reduzierung von akuten Symptomen. Cannabis lässt die Symptome also vorübergehend verschwinden. Sobald die Wirkung jedoch wieder abklingt, können auch die Symptome wiederkehren. Ausschlaggebend für den Erfolg war nicht die verwendete Wirkstoffkonzentration. Vielmehr soll die Kombination aus THC, CBD und anderen Bestandteilen der Cannabispflanze für das therapeutische Potenzial verantwortlich sein.

Diese Ergebnisse machen zwar Hoffnung, sollten allerdings in weiteren Studien und im Vergleich mit Kontrollgruppen noch einmal überprüft werden.