Cannabis bei Kopfschmerzen

Titelbild: Gerd Altmann auf Pixabay

Wenn es eine unangenehme Sache gibt, die wahrscheinlich jeder von uns schon mindestens einmal erlebt hat, dann sind es Kopfschmerzen. Ungefähr 54 Millionen Menschen in Deutschland leiden im Laufe ihres Lebens an Kopfschmerzen. Nahezu 75 Prozent der Bevölkerung suchen in dieser Zeit mindestens einmal einen Arzt auf, um diesem Leid ein Ende zu setzen. Die Ursachen von Kopfschmerzen sind so vielfältig wie deren Ausprägungen. Treten sie regelmäßig über einen längeren Zeitraum hinweg sehr häufig auf, kann das zu schweren Belastungen der Gesundheit der Betroffenen führen. Forscher sehen in Cannabis eine alternative Möglichkeit zur Behandlung dieser Schmerzen.

Primäre Kopfschmerzerkrankungen vs. sekundäre Kopfschmerz-Attacken

Inzwischen kennen Ärzte über 180 Kopfschmerzarten. Die häufigsten Formen sind Spannungskopfschmerz und Migräne. Sie machen insgesamt rund 90 Prozent aller Kopfschmerzerkrankungen aus, wobei Spannungskopfschmerzen deutlich häufiger vorkommen. Die verschiedenen Arten können auch parallel auftreten. Migränepatienten können demnach auch gleichzeitig an Spannungskopfschmerzen leiden.

Grob kann man die Kopfschmerzen in zwei Hauptkategorien unterteilen: primäre und sekundäre Beschwerden. Primäre Kopfschmerzen gelten als eigenständige Krankheit, wozu beispielsweise Spannungskopfschmerzen, Migräne und Cluster-Kopfschmerzen zählen. Sie treten selbstständig auf und sind nicht direkt einer Ursache zuzuordnen. Sekundäre Kopfschmerzen treten im Gegensatz dazu als Folge anderer Krankheiten auf. Neben krankheitstypischen Symptomen zählen somit auch Kopfschmerzen oft zu dem verspürten Leid. Beispielhaft hierfür sind Infektionen, Verletzungen des Kopfes sowie Erkrankungen von Hals, Augen, Ohren, Nase, Nasennebenhöhlen und den Zähnen zu nennen. Auch Gefäßkrankheiten im Bereich des Kopfes oder Halses, Schäden von Gesichtsnerven oder der Halswirbelsäule und Gehirntumoren, können zusätzlich zu Kopfschmerzen führen.

Ursachen von Kopfschmerzen

Die Ursachen von Kopfschmerzen sind vielfältig, das Gehirn ist allerdings nie Schuld, da dieses Organ keinerlei Schmerzrezeptoren besitzt. An besonders heißen Tagen reicht schon alleine die Sonneneinstrahlung aus und man spürt am Abend ein leichtes Stechen im Kopf. Bei Migräne wiederum kann eine unbehandelte Sehschwäche der Auslöser sein. In den meisten Fällen bleiben die genauen Ursachen für Kopfschmerzen allerdings oft ungeklärt. Jedoch gibt es zwei Faktoren, die eine große Rolle bei der Entstehung solcher Beschwerden spielen können: Verspannte Nacken- und/ oder Schultermuskulatur sowie Hormonelles Durcheinander.

Besonders in der heutigen Zeit, wo ein Großteil der Bevölkerung bei der täglichen Arbeit sitzt, sind Verspannung im Nacken- und Schulterbereich keine Seltenheit. Neben Bewegungsmangel können sich auch das Schlafen auf einer falschen Matratze sowie das Tragen von unbequemem Schuhwerk negativ auf unsere Muskulatur auswirken. Außerdem nicht zu unterschätzen ist der Einfluss von Angst und Stress. Vor allem weil bei dieser Ursache oft kein direkter Zusammenhang zu Verspannungen hergestellt werden kann. Das gute an einer verspannten Muskulatur als Auslöser für Kopfschmerzen ist die einfache Behandlung dieser Ursache. Schwieriger wird die Behandlung eines hormonellen Ungleichgewichtes, welches auch sehr häufig als Ursache von Kopfschmerzen genannt wird. Unser Körper managet den ganzen Tag über die unterschiedlichsten Situationen und versucht dabei die ganze Zeit ein gesundes Gleichgewicht im Körper aufrechtzuerhalten. Ebenfalls durch Stress, eine falsche Ernährung, Schlafmangel oder diverse Chemikalien in Kosmetikprodukten kann der Hormonhaushalt des Menschen schon mal durcheinander geraten. Besonders bei Frauen treten die Schwankungen auch durch die Verwendung hormoneller Verhütungsmethoden wie der Pille auf. Speziell bei Migräne kann das Ungleichgewicht im Hormonhaushalt eine Ursache sein. Ausschlaggebend dafür soll vor allem der Serotonin Spiegel im Gehirn sein. Ist dieser zu hoch, ziehen sich dadurch die Blutgefäße zusammen. Studien belegen, dass dieses Zusammenziehen nachweislich zu Migränekopfschmerzen führen kann.

Wie bereits genannt, sind die Ursachen von sekundären Kopfschmerzen Krankheiten. Dazu zählen neben einer harmlosen Erkältung auch ernstzunehmende Erkrankungen. Bei einer Erkältung ist die Nase dicht und der Hals schmerzt. In diesem Fall kann der erhöhte Druck in den verstopften Atemwegen zu Kopfschmerzen führen. Jedoch klingt eine Erkältung meist innerhalb weniger Tage ab und somit auch die Kopfschmerzen als Folgeerscheinung. Bei ernstzunehmenden Erkrankungen, wie beispielsweise einer Hirnhautentzündung oder einem Schlaganfall, können plötzlich auftretende Kopfschmerzen in Kombination mit Übelkeit, Schwindel und Bewusstseinsstörungen einen Hinweis darauf geben, dass eine schnelle ärztliche Behandlung dringend notwendig ist.

Die paradoxeste Ursache für Kopfschmerzen sind Schmerzmittel selbst. Werden diese zu häufig konsumiert, können in der Tat zusätzliche chronische Beschwerden auftreten. Darunter auch Kopfschmerzen.

Behandlung von Kopfschmerzen

Zur Behandlung von Kopfschmerzen reicht es häufig schon, ausreichend Wasser zu trinken. Auch ein Spaziergang an der frischen Luft sowie ein ausgiebiger Mittagsschlaf kann Wunder bewirken. Bei Kopfschmerzen, die auf eine Verspannung der Nacken- und/ oder Schultermuskulatur zurückzuführen sind, hilft oft bereits das Auflegen einer Wärmflasche auf die entsprechende Stelle sowie gezielte Entspannungsverfahren wie Yoga. Durch das Entspannen der Muskulatur folgt oft auch ein Nachlassen der Kopfschmerzen. Kommt das Kopfweh wiederum von einer Erkältung, ist eine Nasenspülung anzuraten, um die verstopfte Nase zu befreien. Sollten diese Handlungsmöglichkeiten nicht helfen, kann man auf frei verkäufliche Medikamente aus der Apotheke zurückgreifen, die sich für eine kurzfristige Behandlung eignen. Dabei sollte man darauf achten, nicht verschiedene Schmerzmittel ohne ärztliche Absprache zu kombinieren. Dieses unbedachte Vorgehen belastet die Nieren und kann sogar zu deren Versagen führen. Von einer dauerhaften Einnahme solcher Substanzen ist ebenfalls abzuraten. Bei Migräne und Cluster-Kopfschmerzen werden den Betroffenen spezielle Medikamente zur Verfügung gestellt. Gleichzeitig kann ein abgedunkelter Raum, viel Ruhe und Sauerstoff helfen.

Cannabis wirkt bei Kopfschmerzen

Die Ärztin, Biologin und Wissenschaftsjournalistin Christine Hutterer weist auf die im Medizinal-Cannabis enthaltenen Cannabinoide hin, die eine Behandlungsalternative bei der Bekämpfung von chronischen Kopfschmerzen darstellen sollen. Cannabis wird unter anderem bereits erfolgreich als Begleitmedikation bei Chemotherapien eingesetzt um Nervenschmerzen, Muskelspastiken und Übelkeit zu lindern. Eine Ausdehnung als Behandlungsmöglichkeit bei Migräne würde sich deswegen anbieten, da eine Ursache dieser primären Kopfschmerzen das Ungleichgewicht im Endocannabinoid-System sein kann. Dieses ist bewiesenermaßen an der Schmerzverarbeitung im Gehirn beteiligt. Durch das Zuführen externer Cannabinoide, kann das Gleichgewicht wiederhergestellt werden und es kommt automatisch zu einer Schmerzlinderung. Um diese Theorie beweisen zu können, fehlt es an Ergebnissen weiterer klinischer Studien. Die Erfolgsgeschichten von Betroffenen lassen allerdings eine vielversprechende Wirksamkeit vermuten.

Zudem lässt die Theorie, dass Kopfschmerzen teilweise auf Verspannungen im Muskelgewebe zurückzuführen sind, die Annahme zu, dass die Anwendung von Cannabis in diesem Fall ebenfalls zur Linderung beitragen kann, da die natürlichen Inhaltsstoffe auch eine entspannende und entkrampfende Wirkung aufweisen.

Seit März 2017 ist medizinischer Cannabis als verschreibungspflichtiges Medikament in Deutschland erlaubt. Aufgrund kaum identifizierbarer Nebenwirkungen, stellt Cannabis somit eine effektive Alternative zur herkömmlichen Schmerztherapie von Kopfschmerzen dar. Jedoch gibt es auch Kritiker. Die Präsidentin der deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft, Dr. Med. Stefanie Förderreuther, sieht diese Medikationsalternative kritisch. Im Gegensatz zur etablierten Medikation mittels herkömmlicher Schmerzmittel, fehle es an Daten und Statistiken zur Wirkung der einzelnen Cannabinoide. Es bleibt somit offen, ob Cannabinoide wie THC und CBD die alteingesessene Medikation bei Kopfschmerzen vom Markt verdrängen werden.

Zu diesem Thema empfehlen wir auch unsere Potcast-Episode “Cannabis und Clusterkopfschmerz – wie eine Wiedergeburt”.