Cannabis als alternative Therapieform bei chronischer Gastritits?

Titelbild: silviarita auf Pixabay

Es beginnt mit einem Brennen und Druckgefühl im Magen und steigert sich von Tag zu Tag so sehr, bis es zu einem sauren Aufstoßen, einem klammernden Schmerz und Erbrechen kommt – die chronische Gastritis (Magenschleimhautentzündung) kann nicht nur äußerst schmerzhaft sondern auch chronisch werden. Diese Art von Magenbeschwerden gilt in Deutschland als eine weitverbreitete Gesundheitsstörung. Laut dem Robert Koch Institut stellt die Gastritis eine der am häufigsten dokumentierten Diagnosen in der ambulanten Versorgung dar. 20,5% der Erwachsenen hatten nach eigener Angabe mindestens einmal eine ärztlich diagnostizierte Gastritis. Im schlimmsten Fall treten infolgedessen weitere Erkrankungen des Verdauungsorgans auf, die mit zum Teil sogar lebensbedrohlichen Komplikationen verbunden sein können. Cannabis kann aufgrund seiner Inhaltsstoffe eine ganzheitliche Therapieform darstellen.

Was ist eine Gastritis?

Damit der Magen sich nicht selbst verdaut, liegt über ihm eine dünne Schicht aus zähflüssigem Schleim, die Magenschleimhaut. Sie schützt das Verdauungsorgan vor der aggressiven Magensäure. Faktoren wie Stress, Medikamente können diese Schutzschicht angreifen oder dazu führen, dass zu viel Magensäure entsteht. Die Folge ist eine Entzündung der Magenschleimhaut, welche auch unter dem Namen Gastritis bekannt ist. Diese kann sich in Form von Magenschmerzen, Völlegefühl und Sodbrennen bemerkbar machen.

Verschiedene Typen von Gastritis

Je nach Auslöser der Erkrankung unterscheidet man die chronische Gastritis anhand vier verschiedener Typen.

Die Typ-A Gastritis wird auch Autoimmungastritis genannt und gehört, wie der Name schon vermuten lässt, zu den Autoimmunerkrankungen. Das bedeutet, dass das Immunsystem fälschlicherweise gegen den eigenen Körper arbeitet und Abwehrsubstanzen gegen körpereigenes Gewebe bildet. Bei dieser Gastritis richten sich die Autoantikörper also gegen jene Drüsenzellen der Magenschleimhaut, die den Magensaft produzieren. Durch den Angriff kommt es zu einer Entzündung der Magenschleimhaut. Die betroffenen Zellen gehen zugrunde und es wird immer weniger Magensäure hergestellt. Zusätzlich kann bei den von Typ-A Gastritis Betroffenen ein Vitamin B12 Mangel festgestellt werden. Dies rührt daher, dass die Aufnahme des Vitamins ebenfalls durch Antikörper verhindert wird. Der Verlust der Säureproduktion führt außerdem zu einer eingeschränkten Aufnahme von Eisen. Eisenmangel ist demnach ebenfalls eine häufige Folge bei gebärfähigen Frauen. Etwa zwei Prozent aller Frauen sind vom Typ-A Gastritis betroffen, Männer noch seltener.

Bei den meisten Gastritis Patienten (etwa 60 Prozent) ist das Bakterium Helicobacter pylori für die bestehende Krankheit verantwortlich. Diese Entdeckung machte der Australier Barry Marshall und bekam dafür 2005 den Nobelpreis. Er war selbst von Magenschmerzen und Übelkeit betroffen und überprüfte seine These in einem Selbstversuch. Schätzungsweise tragen 33 Millionen Menschen in Deutschland dieses Bakterium mit sich herum. Übermittelt wird der Keim meist durch fäkal-orale Übertragung von Mensch zu Mensch. Nicht alle Menschen, die Helicobacter pylori in sich tragen, entwickeln direkt eine Magenschleimhautentzündung. Umgekehrt kann dies jedoch der Auslöser sein. Das Bakterium versucht sich selbst vor der Magensäure zu schützen und neutralisiert deswegen seine Umgebung. Dadurch bringt es die die empfindliche Regulierung der Magensäureproduktion durcheinander und schadet letztendlich der Magenschleimhaut und Magenwand.

Die Typ – C Gastritis ist unter anderem durch Medikamente bedingt und wird bei etwa 30 Prozent der Betroffenen diagnostiziert. Eine regelmäßige Einnahme von Schmerzmedikamenten wie Acetylsalicylsäure (ASS) reizt beispielsweise die Magenschleimhaut, weshalb es zu einer Magenschleimhautentzündung als Folgeerscheinung kommen kann. Aber auch andere magenreizende Medikamente sowie übermäßiger Alkohol- und Nikotinkonsum können die Erkrankung bedingen. 

Neben diesen drei Formen gibt es noch weitere spezielle Gastritisformen, die eher selten auftreten. Zum Beispiel kann eine Gastritis als Begleiterscheinung der chronisch entzündlichen Darmerkrankung Morbus Crohn auftreten. Solche Sonderformen werden durch manche Mediziner unter dem Typ-D Gastritis zusammengefasst.

Folgeerkrankungen durch chronische Gastritis

Wenn die Magenschleimhaut die Organwände über einen längeren Zeitraum hinweg nicht mehr ausreichend schützt, kann eine chronische Gastritis langfristig zu Geschwüren im Magen oder Zwölffingerdarm führen. Ein solches Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür kann wiederum zu ernsthaften Komplikationen wie Blutungen führen. Ist die Magenschleimhaut dauerhaft entzündet, kann sich zudem eine Blutarmut einstellen. In seltenen Fällen führt die Gastritis sogar zu Magenkrebs. Bei der chronischen Gastritis vom Typ-A steigt das Risiko, an Magenkrebs zu erkranken, etwa um das Drei- bis Sechsfache.

Was tun bei einer Gastritis

Magentropfen, Antibiotika und Säureblocker werden durch Betroffene teilweise über mehrere Wochen eingenommen, um der Erkrankung entgegenzuwirken. Die Beschwerden verschwinden zwar in den meisten Fällen. Dennoch handelt es sich dabei um chemische Produkte, welche nur die Symptome bekämpfen und nicht die Ursache. Um vor allem der chronischen Gastritis entgegenzuwirken spielen Psyche und Ernährung eine entscheidende Rolle. Alles, was Entzündungen anfeuert, sollte reduziert werden.

Innerer Stress und emotionale Belastungen stellen einen großen Faktor bei der Säureproduktion im Magen dar. Der Satz „Stress schlägt auf den Magen“ kommt nicht von ungefähr. Stress wirkt sich somit nicht nur auf die Psyche aus, sondern verursacht auch körperliche Veränderungen. Eine Stressreaktion dient dem Körper dazu, sich in der bevorstehenden Gefahrensituation richtig zu verhalten. Auch wenn wir inzwischen keine Bären mehr jagen müssen, ist die körperliche Reaktion dennoch die gleiche. Der Körper produziert Hormone, die die Verdauung verlangsamen. Das zuletzt Gegessene bleibt demnach länger im Magen liegen, die Magenbewegung wird gebremst und die Magensäure bewegt sich zurück in Richtung Speiseröhre. Dort verursacht sie meist ein unangenehmes Brennen, auch Sodbrennen genannt. Zusätzlich kann langanhaltender Stress zu einer dauerhaft schlechten Durchblutung des Magen-Darm-Traktes führen. Dies hat zur Folge, dass die Magenschleimhaut weniger Schleim bildet und somit anfälliger für Angriffe durch die Magensäure wird.

Doch auch eine falsche Ernährungsweise, kann das Risiko an Gastritis zu erkranken, erhöhen. An erster Stelle der entzündungsfördernden Lebensmitteln steht der Zucker. Danach kommen Weizen und Schweinefleisch. Auch Kaffee und Alkohol sollten bei einer Gastritis gemieden werden, da diese Genussmittel die Produktion von Magensäure ankurbeln. Frittierte, panierte und geräucherte Lebensmittel sowie Wurst und Fertigprodukte können zudem die Magenschleimhaut reizen. Betroffene Patienten sollten somit noch viel mehr auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung achten und vor allem die Lebensmittel zu sich nehmen, die entzündungshemmend und basisch wirken. Um den Heißhunger auf einen süßen Snack für Zwischendurch zu bremsen, können Bitterstoffe helfen. Dazu zählt beispielsweise Wermuttee.

Heilpflanzen zur Linderung von Beschwerden

Doch nicht nur zur Verhinderung der nächsten Heißhungerattacke können Heilkräuter beitragen. Sie können ebenfalls die Beschwerden einer Gastritis lindern. Besonders bei der Selbstmedikation kann die Pflanzenheilkunde sehr hilfreich sein. Je nach Schweregrad der Gastritis kann diese alleine oder ergänzend zur Linderung beitragen. Bei der Auswahl geeigneter Heilpflanzen ist stets die Empfehlung der European Scientific Cooperative for Phytotherapy – kurz ESCOP – zu beachten. Außerdem gibt es zahlreiche klinische Studien, die die jeweiligen Extrakte hinsichtlich ihrer Wirkung untersuchen. Melisse, Pfefferminze und Schafgarbenkraut haben unter anderem eine positive Empfehlung durch die ESCOP bei Verdauungsbeschwerden erhalten. Aufgrund ihrer Inhaltsstoffe werden die natürlichen Heilmittel oft als Bittermittel ausgewiesen. Der therapeutische Nutzen von Bitterstoffen ist unumstritten, der Wirkmechanismus jedoch nicht vollständig geklärt. Die Wirksamkeit der oft enthaltenen ätherischen Öle ist jedoch erwiesen. Bewährte Teemischungen kombinieren die Heilpflanzen gerne miteinander, sodass sich die Wirkungsweisen ergänzen. Neben dem bereits erwähnten Wermut sind Enzian, Schafgarbe, Tausendgüldenkraut, Löwenzahn, Bitterklee und die Wurzel der Teufelskralle weitere bekannte Pflanzen und Pflanzenteile mit ausreichend Bitterstoffen. Wichtige Heilpflanzen mit ätherischen Ölen sind Anis, Fenchel und Kümmel sowie Pfefferminze, Ingwer, Kamille, Curcuma und Melisse.

Cannabis als alternative Therapiemöglichkeit bei Gastritis

Bei der Gastritis handelt es sich um eine Erkrankung, die sehr vielschichtig ist und durch unterschiedliche Faktoren beeinflusst wird. Zusätzlich bringen zahlreiche herkömmliche Medikamente zur Behandlung der Gastritis Nebenwirkungen mit sich, welche den Nutzen wiederum infrage stellen. Als alternative (unterstützende) Therapiemöglichkeit hat sich Cannabis herauskristallisiert. Zu dem Ergebnis kommt unter anderem eine Studie der Universität von Bath und Bristol aus dem Jahr 2005.

Cannabis zeichnet sich nämlich insbesondere dadurch aus, dass die Nebenwirkungen nahezu nicht vorhanden bis sehr mild sind. Dadurch können in vielerlei Hinsicht dieselben Ziele erreicht werden, ohne den Konsumenten dabei mit massiven Nebenwirkungen zu belasten. Beispielsweise wird Cannabis bereits seit den 1980er Jahren erfolgreich gegen Übelkeit angewandt. Die Cannabinoide der Hanfpflanze, insbesondere das nicht psychoaktive CBD, bekämpfen massiv den Kern der Krankheit, die Entzündung der Magenschleimhaut. Aber Cannabis kann nicht nur die Symptome von Gastritis bekämpfen sondern auch die Ursachen. Zum einen wirken die Inhaltsstoffe von Cannabis antibakteriell zum anderen leistet vor allem das CBD einen erheblichen Beitrag zum körpereigenen Stressmanagement. Es lohnt sich somit, mit dem betreuenden Arzt über eine alternative Therapieform mittels Medizinalhanf zu sprechen.