Wie ein Anti-CBD-Tsunami durch den Blätterwald rauscht

Titelbild: Elias Sch. auf Pixabay

Als ich heute das Netz nach den neuesten Artikeln zu CBD durchforstete, stieß ich auf einen Artikel vom Green Peace Magazin („Heilversprechen mit Hanf – Was steckt hinter CBD-Produkten?“). Interessiert klickte ich den Artikel an und las. Erwartet hatte ich einen inhaltlichen Artikel, der sich aufklärerisch und gerne auch kritisch mit dem Thema auseinandersetzt. Der – für mein Empfinden – recht polemische Einstieg in den Artikel veranlasste mich allerdings, den Tab wieder zu schließen.

Kurze Zeit später staunte ich nicht schlecht, als mir derselbe Artikel bei n-tv wieder angeboten wurde. Dann auch noch bei WEB.DE News und später bei ZEIT und der SÜDDEUTSCHEN. Dann erst wurde mir klar, dass es sich um einen von der Presseagentur dpa geschriebenen Artikel handelte.

Interessiert fragte ich Google, wie oft der dpa-Artikel wohl indiziert ist. Ich nahm also den ersten Satz des Artikels, gab ihn bei Google ein und erhielt etwa 35.000 Treffer. Da staunte ich wieder nicht schlecht.

Zu etwa derselben Zeit erschien auf SPIEGEL Online ein Artikel mit der Headline „Verbraucherschützer warnen vor Hanf-Lebensmitteln“. Da ich nun bereits etwas sensibilisiert war, achtete ich direkt darauf, woher der Artikel stammt. Auch hier handelt es sich wieder um keinen redaktionellen Artikel von Seiten des Mediums selbst, sondern um einen Artikel von einer weiteren Presseagentur: der AFP.

Lustig wurde es dann auf FOCUS – auch dort findet man den Artikel der AFP und am Ende des Artikels wird dann zugleich auf den Artikel der dpa verlinkt. Und am Ende dieses Artikels gehts dann selbstverständlich wieder direkt zum Artikel der AFP.

Der Artikel der AFP brachte es zum Zeitpunkt meiner Recherche bei Google sogar auf ca. 40.000 Einträge.

dpa und AFP

Die dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH ist laut Wikipedia die größte Nachrichtenagentur der Bundesrepublik Deutschland, ist in ca. 100 Ländern vertreten, hat ungefähr 1.000 Beschäftigte und erwirtschaftete 2017 einen Umsatz von knapp 93,6 Millionen Euro.

Der Unternehmenszweck sei laut Statut „die Sammlung, Verarbeitung und Verbreitung von Nachrichten-, Archiv- und Bildmaterial jeder Art“. Man verpflichte sich, diese Aufgabe „unparteiisch und unabhängig von Einwirkungen und Einflüssen durch Parteien, Weltanschauungsgruppen, Wirtschafts- und Finanzgruppen und Regierungen“ zu erfüllen.

Die AFP (Agence France-Presse) wiederum ist das französische Pendant zur dpa und ist laut Wikipedia die älteste internationale Nachrichtenagentur, gegründet 1835 in Paris. Sie ist weltweit die drittgrößte Nachrichtenagentur und ist in 151 Ländern vertreten. In Deutschland betreibt die AFP eine Tochter-GmbH, welche unabhängig von der Zentrale arbeitet.

Prinzipiell läuft ein Großteil des täglichen Mediengeschehen weltweit mit den Nachrichtenagenturen als Motoren im Hintergrund: Sie beliefern die einzelnen Medienunternehmen mit Nachrichten, welche diese wiedergeben. Kritik an diesem Prinzip ist vorhanden, soll hier allerdings nicht Thema sein.

Zum „Inhalt“

Wie oben bereits erwähnt, störte mich der für mein Empfinden polemische Einstieg in den dpa-Artikel „Was ist dran am Hype um Cannabidiol-Produkte?“. Dieser geht so:

„Behutsam träufelt Nico Schack mit einer Pipette etwas Öl in den Kaffee. Der Preis der Tasse hat sich damit gerade fast verdoppelt.“

Süddeutsche Zeitung

Mit Nico Schack ist wahrscheinlich der Inhaber des Café Canna in Berlin gemeint. Mit diesem Einstieg wird direkt suggeriert, dass es sich bei diesem „Öl“ wohl um eine Form der Abzocke handeln muss.

Dann informiert uns der Artikel darüber, dass auch Promis wie Kim Kardashian gerne über dieses Öl auf Instagram influencen. Im nächsten Satz steht dann direkt das Wort „Wunderarznei“.

Wir erfahren also in den ersten drei Absätzen, dass es sich bei CBD-Öl um eine Abzocke handle, die gerne auch von Influencern als Wunderarznei gehyped wird.

Wer an der Materie CBD inhaltlich interessiert ist, muss an dieser Stelle wohl aussteigen. Wer bisher noch keine Berührung mit CBD hatte, der wird nach den ersten drei Absätzen dieses Artikels wohl auch nicht mehr offen und aufgeschlossen gegenüber dem Thema CBD sein.

Erst gegen Ende wird es etwas inhaltlicher. Dort heißt es dann, dass es Hinweise gäbe, dass CBD entzündungshemmend und schmerzlindernd sein könne, was allerdings nicht ausreichend durch Studien gesichert sei.

Danach erfahren wir noch etwas über „Geschäftemacherei“, „Placeobo-Effekt“ und das Wörtchen „Wundermittel“ muss auch nochmals herhalten.

Nun aber wirklich zu den Inhalten

Wer ernsthaft an dem Thema CBD interessiert ist, kann sein Wissen in folgenden Artikeln vertiefen:

Was haltet ihr von den Artikeln der dpa und der AFP und dem Zufall, dass beide nahezu zeitgleich erschienen sind? Wir freuen uns auf Eure Kommentare.